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Mobile Massage : Kopf runter und entspannen!

  • -Aktualisiert am

Rebecca Hottes von „Neck Attac” bei einer mobilen Massage in Frankfurt-Sachsenhausen Bild: Daniel Nauck

Die Schüler Rebecca Hottes und Immanuel Schmidt massieren für „Neck Attack“ wildfremde Menschen in Frankfurter Bars. Berührungsängste kennen sie nicht. Es müssen sich nur alle locker machen.

          Rebeccas Worte kämpfen sich mühsam durch die sommerabendliche Unruhe auf der Terrasse einer Sachsenhäuser Kneipe. Die 19 Jahre alte, zierliche Blondine hat eine zarte Stimme, die von einer gewissen Lautstärke an fast ein bisschen piepsig klingt. Doch was sie sagt, erregt schlagartig die Aufmerksamkeit der Männerrunde an dem Tisch vor ihr: „Darf ich Ihnen eine Massage anbieten?“ Eine kurze Pause. Ungläubiges Staunen. Dann lautes Gelächter und ein paar anzügliche Bemerkungen. Eine Minute später graben sich Rebeccas Finger in den breiten Nacken eines Mittdreißigers. Die Männer feiern Geburtstag, und das Geburtstagskind gibt eine Runde Massagen für alle aus - ein Glücksfall für Rebecca Hottes.

          Eigentlich ist die Friedbergerin noch Schülerin und geht in die 13. Klasse eines Gymnasiums. Die abendlichen Massage-Touren sind für sie nur ein Nebenjob. Zwei- bis dreimal pro Woche zieht Rebecca mit einem Kollegen für die Firma „Neck Attack“ - zu Deutsch: Nackenattacke - durch die Frankfurter Bars. Eine Schicht dauert von 20 Uhr bis Mitternacht. Wie lange sie arbeitet, hängt auch vom nächtlichen Verdienst ab. Denn einen festen Preis haben die Massagen nicht. „Geben Sie mir einfach so viel Sie wollen, je nach dem, wie es Ihnen gefallen hat“, sagt Rebecca nach jeder Massage. Die meisten Kunden geben zwischen fünf und fünfzehn Euro.

          Während Rebecca noch von den feiernden Männern aufgezogen wird, versucht ihr Kollege Immanuel Schmidt sein Glück ein paar Tische weiter. Der 20 Jahre alte Karbener ist wie Rebecca noch Schüler und arbeitet seit knapp zwei Jahren für „Neck Attack“, ein halbes Jahr länger als seine hübsche Kollegin. Immanuel ist groß, sportlich und hat rötlich-blondes Haar, das er mit ein bisschen Gel in Form gebracht hat.

          Handkanten-Getrommel auf den Nacken erfolgt am Ende einer Massage

          Massagegriffe in eintägiger Schulung gelernt

          Mit seinem sicheren Auftreten und ein wenig Charme hat er eine Frau mittleren Alters von seinen Massagekünsten überzeugt. Achtzig Prozent seiner Kunden seien weiblich, sagt Immanuel. Deswegen gingen sie auch meistens in gemischten Zweierteams auf Tour. Männer ließen sich nämlich nur ungern von Männern massieren. Eigentlich gibt es für derlei Berührungsängste keinen Grund, denn massiert wird ohne Öl und durch die Kleidung. Besonders stark packe er auch nicht zu, und tiefer als bis zum Schulterblatt wanderten seine Hände ohnehin nie, sagt Immanuel.

          Erlernt haben die beiden die Massagegriffe auf einer von „Neck Attack“ organisierten eintägigen Schulung. Dort hat ein Physiotherapeut ihre Fingerfertigkeit beim Probemassieren begutachtet und ihnen Infomaterial mit nach Hause gegeben. Anschließend hatten die beiden zwei Wochen Zeit, die Griffe an Freunden und Verwandten zu üben, bevor während einer neuerlichen Schulung entschieden wurde, ob sie für „Neck Attack“ arbeiten dürfen.

          Das Geschäftsmodell der Stuttgarter Firma hat ihr Gründer, Chris Walther, aus Australien mitgebracht. Dort hat der 36 Jahre alte Geschäftsmann bis 2003 studiert. Seinen „Master of Business Administration“ finanzierte er als mobiler Barmasseur. Nach Deutschland zurückgekehrt, hatte er keine Lust auf einen Bürojob und beschloss kurzer Hand, sich mit „Neck Attack“ selbständig zu machen. Heute gibt es die Massagetruppen in Stuttgart, München, Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Berlin, Köln und Frankfurt.

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