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Protest in Frankfurt : Mit Unterschriften gegen das Braunkohlestaub-Kraftwerk

Steht schon in Fechenheim, soll nun auch nach Griesheim: Ein Braunkohlestaubkraftwerk Bild: Helmut Fricke

In Griesheim hat sich eine Initiative formiert, um die geplante Braunkohlestaub-Anlage zu verhindern. Sie fürchtet, dass das Werk gesundheitsschädliche Abgase in die Luft pustet.

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          In Griesheim formiert sich weiterer Protest gegen den im Industriepark geplanten Bau eines mit Braunkohlestaub befeuerten Kraftwerks. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht verkohlen“ wollen Bürger am Samstag vor dem Werkstor des Industrieparks an der Stroofstraßegegen das Vorhaben demonstrieren. Zu dem Protest ruft die am vergangenen Donnerstag gegründete Bürgerinitiative „Main-Griesheim“ auf. Nach Angaben der beiden Sprecherinnen, Ursula Schmidt und Erika Rech, sind Unterschriftenlisten gegen den Kraftwerksbau von bisher 500 Bürgern in Griesheim und den benachbarten Stadtteilen Nied, Höchst, Goldstein und Schwanheim unterzeichnet worden.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Kritiker der Pläne befürchten Beeinträchtigungen für die Gesundheit und die Umwelt, wenn das Chemieunternehmen Weylchem das Kraftwerk mit einer Leistung von 19,5 Megawatt tatsächlich errichten sollte. Mit der Anlage soll Wasserdampf erzeugt werden, der als Wärme für die Produktionsprozesse benötigt wird. In den Kraftwerkskesseln sollen nach Angaben von Weylchem-Geschäftsführer Rafael Reiser täglich bis zu vier Lastwagenladungen Braunkohle verfeuert werden. Der Ausstoß an Kohlendioxid soll mit rund 48.200 Tonnen um 7200 Tonnen höher liegen als bei der bisher genutzten Anlage, die mit Gas betrieben wird.

          Schadstoffe lägen unterhalb gesetzlicher Grenzwerte

          Das Unternehmen spricht von einem „hochmodernen und effizienten Kraftwerk“, das unter den Emissionsgrenzen für Feinstaub, Stickoxid, Schwefeldioxid und Quecksilber arbeite. Deshalb sei keine zusätzliche Abluftfilteranlage erforderlich. Weylchem will für das Kraftwerk neun Millionen Euro ausgeben und insgesamt 25 Millionen Euro in den Standort investieren, an dem 210 Mitarbeiter beschäftigt sind.

          Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) und Stadtteilpolitiker haben das aus ihrer Sicht städtischen Klimazielen zuwiderlaufende Bauprojekt schon mehrfach kritisiert. Die Bürgerinitiative will mit ihrem Protest die Bedenken bekräftigen. Laut Sprecherin Schmidt reiht sich die Kundgebung, die am Samstag um 14 Uhr beginnen soll, in die für diesen Tag bundesweit geplanten Protestaktionen gegen den Kohleabbau in Garzweiler ein.

          „In Garzweiler wird die Kohle abgebaut und in Griesheim sowie Fechenheim verbrannt“, sagt Schmidt. In Fechenheim ist schon 2011 ein Braunkohlestaub-Kraftwerk errichtet worden. Dem Hinweis von Weylchem, dass die Schadstoffemissionen des Neubaus in Griesheim unter den Grenzwerten bleiben sollen, setzt Schmidt entgegnet: „Das ist für uns trotzdem nicht akzeptabel, weil wir mit der Summe aller Anlagen auf dem Gelände und deren Emissionen leben müssen.“

          Weylchem hat unterdessen zwar einen Dialog mit Bürgern und Politikern zugesichert. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest. Zudem ist unklar, ob das Unternehmen – wie ursprünglich angekündigt– noch im April beim Regierungspräsidium Darmstadt die Genehmigung für das Kraftwerk beantragen will.

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