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„Zukunftsweisendes Projekt“ : Mit der Straßenbahn nach Offenbach

Diese im Volksmund „Knochenmühle” genannte Tram fuhr von 1884 an zwischen Frankfurt und Offenbach auf der damals längsten elektrischen Strecke der Welt, gebaut von Siemens Bild: dpa

Die Frankfurter IHK und der Verkehrsdezernent wünschen sich eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 in die Nachbarstadt Offenbach. Doch wer soll das bezahlen?

          2 Min.

          Die erste Frankfurter Straßenbahn wurde 1884 eröffnet und transportierte ihre Fahrgäste von der Alten Brücke in Frankfurt bis zum Mathildenplatz in Offenbach. Die „Knochenmühle“, wie sie im Volksmund genannt wurde, rollte anfangs noch auf Holzrädern. Die Straßenbahnlinie 16, ihr heutiger Nachfolger, ist viel komfortabler und verfügt über erstklassige Räder aus Stahl. Doch gegenüber ihrer Vorgängerin hat sie den entscheidenden Nachteil, dass sie nicht mehr bis Offenbach, sondern nur bis zur Stadtgrenze fährt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit einigen Monaten mehren sich die Rufe, dass die Straßenbahnlinie 16 bis nach Offenbach verlängert werden müsse. Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) wurde in den vergangenen Wochen nicht müde, diese seine Sicht der Dinge öffentlich kundzutun. Auch in Offenbach findet die Idee einer Streckenverlängerung Befürworter.

          In dieser Frage einig

          Die dortige Industrie- und Handelskammer sieht in der aktuellen Diskussion über eine Linie 16, die von Oberrad über das Offenbacher Stadtgebiet bis nach Fechenheim führt, eine Chance. Das sagt jedenfalls ihr Geschäftsführer Frank Achenbach, der sich in dieser Frage einig ist mit dem Frankfurter IHK-Geschäftsführer Alexander Theiss.

          Laut Achenbach diskutieren heute viele über einen Schienenring rund um Frankfurt. Eine einzige Tangentialverbindung – gemeint ist die planerisch schon weit fortgeschrittene Regionaltangente West, die um eine Regionaltangente Ost ergänzt werden sollte – reicht nach Meinung Achenbachs aber nicht aus. Perspektivisch brauche die Region mehrere Tangentialverbindungen. Eine Straßenbahnlinie zwischen Oberrad, Offenbach und Fechenheim könne dabei den innersten Ring bilden, der die S-Bahn und die Straßen in diesem Gebiet entlaste.

          „Verlängerung wäre zukunftsweisend“

          Der Frankfurter Theiss verweist auf die Stadtteile Fechenheim und Oberrad, die durch eine bessere Anbindung aufgewertet würden. Eine leistungsfähige Straßenbahn zwischen Frankfurt und Offenbach werde den öffentlichen Nahverkehr deutlich attraktiver machen und könne für viele Verbindungen ein Ersatz für das Auto sein.

          Nicht nur der Sozialdemokrat Oesterling dringt auf eine Anbindung Offenbachs an die Linie 16. Auch in der CDU stößt ein solches Projekt auf Zustimmung. „Eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 wäre zukunftsweisend“, sagt zum Beispiel Frank Nagel, Vorsitzender des Fachausschusses Verkehr der Frankfurter CDU. Auch Roland Walter, CDU-Fraktionschef in Offenbach, kann der Idee viel abgewinnen. Eine Revitalisierung der alten Linie könne den Kaiserlei-Kreisel und auch andere Verkehrswege auf Offenbacher Gemarkung entlasten.

          Frankfurts klamme Nachbarin

          Doch dann sagt Walter den ernüchternden Satz: „Ein finanzieller Beitrag Offenbachs ist allerdings derzeit unrealistisch.“ Und: Das Projekt sei nicht „prioritär“. Tatsächlich bestehen gute Aussichten, dass das Vorhaben vom Bund gefördert wird. Doch einen Eigenanteil werden die Kommunen Offenbach und Frankfurt beisteuern müssen. Man kann es sich nicht recht vorstellen, dass die Mainmetropole den Offenbacher Anteil übernehmen wird. Während Walter das Projekt relativiert, möchte Nagel, dass schnell Fakten geschaffen werden: „Es ist an der Zeit, die Diskussion endlich durch eine Planung und eine Kalkulation zu untermauern.“

          Nagel hat schon ziemlich konkrete Vorstellungen, wie die Route einer verlängerten Linie 16 verlaufen soll. Für ihn muss sie von der bestehenden Station Offenbach Stadtgrenze über die Frankfurter Straße und die Kaiserstraße bis nach Fechenheim führen, wodurch erstmals das neue Hafenviertel Offenbachs gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden wäre. Über die Carl-Ulrich-Brücke und eine damals für eine geplante Umgehungsstraße freigehaltene Trasse soll die Straßenbahn weiter durch Fechenheim fahren – bis zur Schleife Hugo-Junckers-/Ernst-Heinkel-Straße. Von der Kaiserstraße soll nach den Vorstellungen Nagels ein Abzweig über die Berliner Straße bis zum Offenbacher Marktplatz mit seiner S-Bahn-Station führen.

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