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Minderheitenbeauftragte Pawlik : „Wer Lob will, geht nicht in die Politik“

Standfest: Ihr politisches Amt als Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen fordert von Natalie Pawlik (SPD) viel Einfühlungsvermögen und große Durchsetzungskraft. Bild: Maximilian von Lachner

Natalie Pawlik ist die erste Frau, die als Beauftragte des Bundes das Amt für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten übernimmt. Ihre eigene Biografie sei die beste Vorbereitung dafür gewesen, sagt sie.

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          Wenn Natalie Pawlik ihrem Gegenüber aufmerksam zuhört, dann hält sie die Arme leicht angewinkelt vor dem Körper, die Hände ineinander verschränkt. Die Ballerinas hat sie ausgezogen, mit den Füßen wippt sie immer wieder von der Ferse auf den Fußballen und zurück. Pawliks Augen sind freundlich, aber fokussiert, und auf ihren Lippen liegt stets ein ganz leichtes Lächeln. Es ist ein außergewöhnlich warmer Sommertag, und die Neunundzwanzigjährige ist in ihrem Wetterauer Wahlkreis unterwegs. Auf dem Plan steht ein Besuch beim sozialen Projekt „dasgute.haus“, ein Co-Working-Space mit zusätzlichem Betreuungsangebot für Kinder. Für eine Kleinstadt ist das Konzept innovativ. Pawlik begleitet das Projekt seit Jahren, die Gründerinnen duzen sie.

          Natalia Wenzel-Warkentin
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Bei der jüngsten Bundestagswahl hat es Natalie Pawlik beim zweiten Anlauf für die SPD in den Bundestag geschafft. Seit April dieses Jahres ist sie außerdem Beauftragte des Bundes für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Sie ist die erste Frau in diesem Amt, das die letzten 16 Jahre in Unions-Hand lag, und noch dazu die Erste, die Spätaussiedlerin ist. Pawlik wurde 1992 im sibirischen Wostok geboren. Dort lebte die Familie auf einem Selbstversorgerhof, der Vater war Maschinenführer, die Mutter arbeitete bei der russischen Sberbank. Pawlik war sechs Jahre alt, als sie nach Deutschland ausreisten. Als Nachfahren deutscher Siedler, die Jahrhunderte zuvor ins russische Reich ausgewandert und dort Opfer von Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung wurden, waren sie dazu berechtigt. Die meisten Angehörigen der deutschen Minderheit aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kehrten zurück, allein in den Neunzigerjahren waren das mehr als zwei Millionen Menschen – darunter auch Familie Pawlik.

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