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Neuer Mietspiegel in Frankfurt : 10,29 Euro pro Quadratmeter

Das Wohnen in Frankfurt wird immer teurer. Bild: Frank Rumpenhorst

Alle vier Jahre bekommt Frankfurt einen neuen Mietspiegel. Er ist so umstritten wie eh und je. Von sieben Fachverbänden erkennen ihn vier nicht an. Die Durchschnittsmiete steigt insgesamt um 9,9 Prozent.

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          Die wichtigste Zahl im neuen Mietspiegel lautet 10,29 Euro. So viel müssen Mieter inzwischen monatlich für den Quadratmeter einer durchschnittlichen Wohnung in Frankfurt bezahlen. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2018 ist das ein Plus von 9,9 Prozent. Damals kostete ein Quadratmeter einer Mietwohnung in Frankfurt noch 9,36 Euro. Aufs Jahr betrachtet liegt die Steigerung bei jährlich 2,4 Prozent. Besonders stark sind die neu vereinbarten Mieten gestiegen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Magistrat hat dem aktuellen Mietspiegel am Montag zugestimmt, er tritt am 1. Juni in Kraft und löst das bisherige Zahlenwerk ab. Die Mietspiegelkommission, in der Mieter- und Vermieterverbände vertreten sind, hat allerdings mehrheitlich ihre Zustimmung verweigert. Vier von sieben Fachverbänden, darunter alle Vermieterverbände und auch der Verein Mieter helfen Mietern, erkennen den Mietspiegel nicht an. Für die Wirksamkeit spielt das aber keine Rolle.

          „Der Mietspiegel ist ein Zerrspiegel“

          Die Vermieterverbände Haus & Grund und VdW Südwest bemängeln beispielsweise methodische Schwächen und einen restriktiven Umgang mit Ausstattungsmerkmalen einer Wohnung. „Für viele gut ausgestattete Wohnungen bedeutet der Mietspiegel 2022 aufgrund der weggefallenen Zuschläge eine niedrigere Miete als bisher“, kritisieren Jürgen Conzelmann und Gregor Weil von Haus & Grund.

          Weil bei der Ausstattung nicht hinreichend differenziert werde, würden sämtliche Wohnungen in den gleichen Topf geworfen. Die Folge: Die Basismiete steigt auch für schlechter ausgestattete Wohnungen. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW Südwest, kritisiert, dass energetische Sanierungen nicht ausreichend berücksichtigt würden. „Der Mietspiegel in der nun vorliegenden Fassung ist ein Zerrspiegel. Er wird der Vielfältigkeit des Marktes in keiner Weise gerecht.“

          Das Zahlenwerk wird alle vier Jahre neu erarbeitet und gibt Auskunft über die ortsübliche Vergleichsmiete. Der Mietspiegel soll die Marktmiete abbilden. Deshalb finden nur jene Mietverhältnisse Eingang, die neu abgeschlossen oder verändert wurden. Die Datengrundlage wurde angepasst: Galt früher, dass nur neue oder in den vergangenen vier Jahren angepasste Mietverhältnisse berücksichtigt werden, so wurde dieser Zeitraum inzwischen auf sechs Jahre ausgeweitet.

          Angespannter Wohnungsmarkt

          Frankfurt hat einen qualifizierten Mietspiegel, der nach wissenschaftlichen Methoden vom Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt und vom Marktforschungsinstitut Ifak aus Taunusstein erstellt wurde. 3500 Haushalte wurden zur Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage der von ihnen gemieteten Wohnung befragt. Zudem wurden in mehr als 1100 Fällen Informationen schriftlich bei den Vermietern eingeholt.

          „Frankfurt ist weiterhin ein angespannter Wohnungsmarkt“, meint Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Die vielen Neubauten der letzten Jahre hätten zwar für Entlastung gesorgt, prägten in Ausstattung und Preisniveau aber auch den Mietmarkt. Modernisierte Bestandswohnungen seien teurer als Wohnungen mit baualterstypischer Ausstattung. Dies müsse ein Mietspiegel differenziert ausweisen, was mit dem vorliegenden Instrument gelungen sei.

          Der Mietspiegel ist in Kürze im Wohnungsamt, im Buchhandel, in den Bürgerämtern, in der Touristinformation sowie bei den in der Mietspiegelkommission vertretenen Verbänden erhältlich. Er kann auch unter mietspiegel@stadt-frankfurt.de bestellt werden. Der Mietspiegelrechner unter www.frankfurt.de/mietspiegel-rechner wird bald aktualisiert.

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