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Landgericht Frankfurt : Messerstecher muss in die Psychiatrie

Urteil: Weil er die Gewalttaten im Wahn begangen hat, ist der Täter nicht schuldfähig. Bild: dpa

Der Mann, der im Januar im Frankfurter Bahnhofsviertel mit einem Messer auf Passanten eingestochen hat, ist nicht schuldfähig. Ein Opfer war später gestorben.

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          Der 43 Jahre alte Mann, der im Januar im Bahnhofsviertel vier Menschen mit einem Küchenmesser angegriffen hat, wird auf Dauer zwangsweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das hat eine Große Strafkammer des Landgerichts Frankfurt am Mittwoch entschieden.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Urteil ist rechtskräftig, weil Staatsanwaltschaft und Verteidigung darauf verzichtet haben, die Entscheidung anzufechten. Die Opfer waren teils schwer verletzt worden. Einer der Angegriffenen, ein 78 Jahre alter Mann, starb zwei Wochen später an seinen Verletzungen.

          Der Täter, der Pole Rafal O., ist nach Überzeugung der Richter geistig krank, er leidet an paranoider Schizophrenie und hat die Gewalttaten im Wahn begangen. Deshalb ist der Mann nicht schuldfähig, wie der Vorsitzende Richter in seiner Begründung ausführte. Nach seinen Worten wird aus diesem Grund keine Haftstrafe verhängt. Weil der Täter mit seiner Krankheit aber eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, müsse die Gesellschaft vor weiteren Gewalttaten geschützt werden, deshalb die Einweisung in die Klinik.

          Beschuldigter glaubte, andere Menschen können seine Gedanken lesen

          Das hatte die Staatsanwältin schon am Beginn der Hauptverhandlung beantragt. Wie sie am Mittwoch in ihrem Plädoyer sagte, lebte der Beschuldigte vor den Gewalttaten in einem religiösen Wahn, in dem er sich für einen Heiligen hielt, Stimmen hörte und glaubte, die Welt retten zu müssen. Von Drohnen habe er sich verfolgt gefühlt und geglaubt, andere Menschen könnten seine Gedanken lesen oder sein Mobiltelefon werde überwacht.

          In den beiden Jahren vor den Bluttaten im Bahnhofsviertel sei der Mann schon mehrfach mit Straftaten wie Körperverletzung, Beleidigung und Fahren unter Drogeneinfluss aufgefallen. Der durch die psychische Krankheit hervorgerufene Wahnzustand werde durch den Konsum von Alkohol und Amphetamin noch zusätzlich befeuert.

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          Der Verteidiger räumte in seinem Plädoyer die Messerangriffe ebenso ein wie die Schizophrenie. Der Anwalt sprach der Witwe des verstorbenen Opfers sein Beileid aus und bedankte sich bei Polizei und Gericht für die menschliche Behandlung seines Mandanten. Dieser entschuldigte sich im letzten Wort bei den Angegriffenen und der Witwe, die sich als Nebenklägerin am Prozess beteiligt hatte.

          Drogen und Alkohol verschlimmern den Zustand

          An den Angeklagten gewandt, sagte der Vorsitzende Richter, die Abhängigkeit von Alkohol und Amphetamin und der Konsum von Cannabis und Kokain verschlimmerten seinen Zustand und erschwerten die Behandlung der Schizophrenie. O. sei vor der Tat für mehrere Wochen stationär in einem psychia­trischen Krankenhaus behandelt worden, habe aber nach der Entlassung sein Leben nicht umgekrempelt, die Medikamente nicht weiter eingenommen und stattdessen Rauschgift konsumiert.

          Die Messerangriffe auf vier Männer im Bahnhofsviertel am Morgen des 26. Januar seien als versuchter Totschlag, als versuchter Mord und im Fall des Verstorbenen als Mord anzusehen. Die Opfer, ein auf dem Bürgersteig lagernder Obdachloser, zwei Passanten und ein Hotelgast, der vor der Heimreise neben seinem Auto einen Kaffee trank, seien zufällig ausgewählt worden. Daraus ergebe sich die weitere Gefahr für die Allgemeinheit.

          An O. gewandt, sagte der Richter, seine Seelenkrankheit müsse behandelt werden: „Das schaffen Sie nicht allein.“ Eine Schizophrenie sei behandelbar, das werde aber in diesem Fall eine lange Zeit dauern. Der Beschuldigte komme in die Klinik in Haina in Nordhessen, die größte psychiatrische Einrichtung Deutschlands. So gut wie dort könne er nirgendwo behandelt werden. Wenn er in der Therapie mitarbeite und Einsicht in seine Krankheit erlange, habe er die Chance, wieder in die Freiheit entlassen zu werden.

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