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Memoiren : Hilmar Hoffmann fällt ein freimütiges Urteil

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Unter fünf Oberbürgermeistern - Walter Möller, Rudi Arndt, Walter Wallmann, Wolfram Brück und Volker Hauff - hat Hilmar Hoffmann als Kulturdezernent gedient. Oder sollte man besser sagen: regiert? Der ...

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          Unter fünf Oberbürgermeistern - Walter Möller, Rudi Arndt, Walter Wallmann, Wolfram Brück und Volker Hauff - hat Hilmar Hoffmann als Kulturdezernent gedient. Oder sollte man besser sagen: regiert? Der ersten Frau in Frankfurts langer Riege von Stadtoberhäuptern, Petra Roth, ist der alte Kultur-Fahrensmann - obwohl schon lange kein Stadtrat mehr - mittlerweile ein Freund geworden, dessen Rat sie schätzt. Dementsprechend gut kommt die regierende Oberbürgermeisterin in Hoffmanns "Erinnerungen" weg, die jetzt in einer erweiterten Neufassung im Suhrkamp-Taschenbuchverlag erschienen sind. ("Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten". Frankfurt 2003, 15 Euro.)

          Mit Roth verbindet ihn nicht die Parteizugehörigkeit - Hoffmann ist bis heute SPD-Genosse -, dafür "wechselseitige Sympathie" und die gemeinsame hanseatische Herkunft: "Beide sind wir Bremer Kaufmannskinder." Wie sehr die beiden harmonieren, zeigt eine Szene vor zwei Jahren im Kaisersaal. Beim feierlichen Abenddiner aus Anlaß der Griechenland gewidmeten Buchmesse überließ die Oberbürgermeisterin dem damaligen Goethe-Präsidenten eine Viertelstunde lang ihren Platz neben dem griechischen Präsidenten Constantinos Stephanopoulos, damit Hoffmann Gelegenheit hatte, den Gast als Verbündeten in der Affäre um das Goethe-Institut in Athen zu gewinnen. Dessen Domizil drohte die Versteigerung, weil Nachfahren von griechischen SS-Opfern Entschädigung von Deutschland forderten und das Goethe-Institut sozusagen als Pfand benutzten. "Für eine gute Sache immer zu Diensten", wehrte Petra Roth jeden Dank ab. "Herzmächtig" sei Roth, ein "Energiebündel" mit politischem Instinkt und Klasse, urteilt Hoffmann.

          Weniger freundlich geht Hoffmann mit Wolfram Brück um, den er als "getreuen Kurvenal Wallmanns" und Hardliner bezeichnet, der sich seinen Aufstieg zum Oberbürgermeister in seiner inoffiziellen Funktion als Wallmanns Mann fürs Grobe erdient habe. Und ein solcher ist Brück nach Hoffmanns Ansicht bis heute geblieben, was für ihn dessen Auftritt zu Wallmanns 70. Geburtstag 2002 in der Paulskirche beweist. Brücks Laudatio sei nichts anderes gewesen als ein verbrämter Schulaufsatz, belastet mit viel Gesinnungsschlacke und das intellektuelle Paulskirchen-Niveau unterschreitend. Mit seiner an Servilität gegenüber seinem Förderer kaum unterbietbaren Jubelsuada habe er dem Jubilar einen Bärendienst erwiesen. "Das hat Wallmann wahrlich nicht verdient."

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