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„Mehrgenerationenhäuser“ : Bildung für Kinder, Pflege für alte Menschen

  • -Aktualisiert am

„Mehrgenerationenhäuser” sind Begegnungsstätten für Jung und Alt Bild: dpa

In Frankfurt und Eschborn sind zwei „Mehrgenerationenhäuser“ eröffnet worden. Sie sind keine Wohnhäuser, sondern Anlaufstellen für Kinder, Erwachsene und alte Menschen.

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          Beispielhafte Zentren für Menschen unterschiedlichen Alters sollen die beiden „Mehrgenerationenhäuser“ sein, die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Frankfurt und Eschborn eröffnet hat. Sie sind keine Wohnhäuser, sondern Anlaufstellen für Kinder, Erwachsene und alte Menschen. In den Einrichtungen werden sie speziell gefördert, sollen aber auch miteinander in Kontakt kommen, um Begegnungen zwischen jungen und alten Menschen zu ermöglichen, die in Zeiten veränderter Familienstrukturen nicht mehr selbstverständlich sind. Deswegen gehören zu jeder Einrichtung „offene Treffpunkte“.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          500 solcher Häuser möchte die Bundesregierung in jeder Stadt und jedem Landkreis etablieren, 460 sind es derzeit. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es bereits mehrere Zentren, etwa in Offenbach, Mainz, Langen, Groß-Gerau und Aschaffenburg. Erst vor kurzem wurde eines in Darmstadt eröffnet, für den Rheingau-Taunus-Kreis hat das Familienministerium jüngst zwei solcher Einrichtungen genehmigt. Der Bund fördert jedes Haus fünf Jahre lang mit jeweils 40.000 Euro jährlich.

          Ehrenamtliche Arbeit von Senioren

          In Frankfurt gab es eine solche Einrichtung bisher nicht. Träger des dortigen Mehrgenerationenhauses ist der Verein „Kinder im Zentrum Gallus“. Er wurde 1975 von spanischen Eltern und einer Projektgruppe der Frankfurter Universität gegründet; 2006 hatte er sich beim Familienministerium um die Trägerschaft des Mehrgenerationenhauses beworben. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Migrantenvereins, die Bildungsförderung für Familien, soll auch das Mehrgenerationenhaus prägen, wie dessen Leiterin Ursula Werder sagt. Sie sieht darin ein wichtiges Element zur Stabilisierung des Stadtteils, denn nur mit ausreichenden Bildungsangeboten für ihre Kinder blieben auch Eltern aus der Mittelschicht im Gallusviertel und zögen nicht in andere Stadtteile, sobald ihre Kinder zur Schule gingen. „Wir dürfen nicht nur die Schwächsten fördern“, sagt Werder. Im Gallusviertel wohnen viele ausländische Familien.

          In dem neuen Haus werden bereits eine Krabbelgruppe für Kleinkinder und Berufsvorbereitungskurse für Acht- und Neuntklässler angeboten, außerdem Deutschkurse für ausländische Frauen. „Wir gehen aber auch in Schulen und informieren schon Fünftklässler über Berufe“, so Werder. Im April will sie in dem großen Anwesen, dem Stammhaus der Firma Braun, eine Kindertagesstätte eröffnen, in der viel Wert auf musikalische Früherziehung gelegt werden soll.

          Verstärkt wird im Januar das Programm zur Existenzgründung von Frauen; dann kommt eine Gruppe von 15 Interessentinnen. In dem Haus soll ein kleiner Laden für Kinderbedarf eingerichtet werden. Gerne sähe es Werder, wenn sich auch eine Hebamme in dem Haus niederließe. „Sie könnte Geburtsvorbereitungskurse anbieten und Familien beraten. Diese Arbeit ist wichtig, um möglichst früh Zugang zu Familien zu bekommen.“ Für ältere Menschen soll es Werder zufolge in absehbarer Zeit Tagespflegeplätze geben. Einige Senioren arbeiten schon ehrenamtlich in dem Haus.

          „Begegnungsort für alle“

          Das Zentrum des Anwesens, von dem im Moment nur ein Flügel genutzt wird, bildet ein „Familienrestaurant“, eine Begegnungsstätte für Mitarbeiter und Teilnehmer aller Projekte. Es steht auch Menschen aus dem Stadtteil offen. Getragen wird es von Jugendlichen aus einem Berufsorientierungskursus und ausländischen Müttern, die sich als Küchen- und Servicekräfte qualifizieren.

          Finanziert werden die Angebote der 23 Mitarbeiter vor allem mit Geld vom Bund, Land und der Kommune. Genauso wichtig wie die neue Förderung durch den Bund sei der Erfahrungsaustausch mit den anderen Häusern, so Werder. Verbunden ist der Trägerverein durch seine langjährige Arbeit bereits mit Organisationen im Gallusviertel, etwa dem Stadtteilarbeitskreis, den Schulen und Kirchen sowie dem Monikahaus, einer großen katholischen Einrichtung für Familien.

          Das Mehrgenerationenhaus in Eschborn wird gemeinsam von der evangelischen Familienbildung und der evangelischen Kirchengemeinde betrieben und ist im Gemeindehaus untergebracht. Im Wettbewerb um den Zuschlag des Familienminsteriums hatte es sich gegen Mitbewerber im Hofheimer Stadtteil Marxheim und in Hattersheim durchgesetzt. Das Haus soll sich nach den Wünschen von Cornelia Zimmermann-Müller, Leiterin der Familienbildung im Main-Taunus-Kreis, zu einem „Begegnungsort für alle“ entwickeln. Ziel sei es, bestehende Aktivitäten zu bündeln und neue Angebote zu entwickeln.

          Mittagessen für Mütter und ihre Kleinkinder

          Die ersten Schritte hierzu sind getan: Da es in der von Bürotürmen geprägten Stadt mit 20.000 Einwohnern bei 30.000 Pendlern mit Ausnahme einer Eisdiele kein Café gibt, wird demnächst in den Räumen an der Hauptstraße ein „Begegnungscafé“ für Menschen jedes Alters eröffnet. Geplant ist zudem der Aufbau einer schnellen Krisenintervention. Unter dem Titel „Senioren machen Frühstück für Schüler“ reift die Idee, von älteren Erwachsenen Frühstückspakete für jene Kinder packen zu lassen, die von ihren Eltern ohne ein Pausenbrot zur Schule geschickt werden.

          Jeden Dienstag bietet das Mehrgenerationenhaus künftig zudem für drei Euro ein Mittagessen für Mütter und ihre Kleinkinder an. Die Anschubfinanzierung – 20.000 Euro für Personal und 20.000 Euro für Sachausstattung – sichere zunächst der Bund, so Zimmermann-Müller. Sie schätzt jedoch, dass die evangelische Kirche die gleiche Summe beisteuern müsse, um das Projekt mit hauptamtlichen Mitarbeitern abzusichern.

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