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Mehr Mitbestimmung gefordert : Rumoren an der Internationalen Schule Frankfurt

Schatten auf der Sonnenseite: An der ISF in Sindlingen sind nicht alle Eltern glücklich über das Management. Bild: Hannes Jung

Eltern fordern mehr Mitbestimmung und kritisieren angebliche Managementfehler der Geschäftsführung. Schon jetzt kontrolliere sich der Schulbetreiber quasi selbst.

          5 Min.

          An der Internationalen Schule Frankfurt Rhein-Main (ISF) gibt es Unruhe in Teilen der Elternschaft. So fordern etliche Eltern mehr Mitbestimmung, zum Beispiel bei Investitionen und der Verwendung des Jahresüberschusses der Privatschule. Der Sprecher der Gruppe, Klaus Rehnig, bemüht sich nach eigenen Worten seit Jahren vergeblich darum, den Eltern über einen Sitz im Aufsichtsrat der geschäftsführenden Gesellschaft der Schule mehr Mitsprache zu sichern. Seiner Ansicht nach kennen die Eltern die Lage an der ISF am besten. Sie hätten die Schule mitfinanziert und zahlten zwischen 12.000 und 17.000 Euro im Jahr an Schulgeld. Trotzdem dürften sie nicht mitreden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um Rehnigs Anliegen zu verstehen, muss man die komplizierte Organisationsstruktur der ISF betrachten. Die Schule wurde 1994 gegründet mit dem Ziel, die wachsende Zahl von Kindern international tätiger Manager und Unternehmer in der Region adäquat zu beschulen. Weil diese oft nach wenigen Jahren in das nächste Land umziehen, erschien der Unterricht an einer deutschen Regelschule nicht sinnvoll. Deshalb sollte an der ISF, die sich seit 1998 auf einem von der Stadt in Erbpacht vergebenen Areal in Sindlingen befindet, ein internationaler Abschluss angeboten werden; die Unterrichtssprache ist Englisch. Damals entschied man sich für das Privatschulkonzept eines aus dem Libanon stammenden Betreibers namens „Sabis“. Heute lernen auf dem Campus etwa 1000 Schüler, 39 Prozent von ihnen sind nach Sabis-Angaben Deutsche.

          Die Eltern bekamen keinen Sitz und forderten ihn auch nicht

          Um die Anschub-Finanzierung zu sichern, gründeten rund 40 Unternehmen unter Federführung des damaligen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK), Frank Niethammer, eine GmbH und Co. KG mit 500 sogenannten Kommanditanteilen zu je 20.000 Mark. Etwa ein Drittel dieser Anteile kauften interessierte Eltern, die ihren Kindern pro Anteil einen Schulplatz sicherten; gut die Hälfte der Anteile übernahmen Unternehmen der Region, die den Kindern ihrer Angestellten so ebenfalls Plätze an der ISF garantierten. Die übrigen Anteile erwarb der Schulbetreiber Sabis.

          Eine Geschäftsführungs-GmbH übernahm die wirtschaftliche Leitung. Zudem führt eine hundertprozentige Tochter der KG als Verwaltungs-GmbH die Schule pädagogisch. Im Aufsichtsrat der Geschäftsführungs-GmbH waren von Anfang an die IHK, die Stadt Frankfurt über die Wirtschaftsförderung, das Land Hessen über das Finanzministerium sowie mehrere Unternehmen vertreten, unter ihnen Opel, Procter and Gamble sowie die damalige Hoechst AG. Keinen Sitz im Aufsichtsrat bekamen die Eltern. Sie forderten ihn aber auch nicht.

          Unklarheit über Gewinn

          Das hat sich geändert. Denn für den Unternehmer Rehnig, der die pädagogische Arbeit an der ISF ausdrücklich lobt, haben sich in den vergangenen Jahren etliche kritische Fragen zum Wirtschaftsgebaren der Geschäftsführungs-GmbH gestellt. So sei unverständlich, warum der Gewinn der Schule, der sich in manchen Jahren auf mehr als eine Million Euro belaufen habe, nicht sofort wieder investiert worden sei. Mit Schrecken habe er zudem festgestellt, dass eine ehemalige Geschäftsführerin wegen üppiger Bonus-Systeme in einem Jahr „mehr als dreimal so viel verdient hat wie die Oberbürgermeisterin“. Dies müsse sich ändern.

          Rehnig, zu dessen Protestgruppe nach eigenen Worten Ärzte, Unternehmensberater und Anwälte zählen, wollte Anteile ausscheidender Gesellschafter erwerben, um den Eltern auf diese Weise einen Sitz im Aufsichtsrat und somit eine Kontrollmöglichkeit zu sichern: Manche Unternehmen sehen mittlerweile keine Notwendigkeit mehr, sich in Frankfurt Schulplätze zu sichern. Manche haben weniger internationale Mitarbeiter, andere vertrauen darauf, dass die Angestellten einen Platz an einer der mittlerweile recht zahlreichen anderen Privatschulen in der Region finden.

          Vergebener Einsatz

          Rehnig versuchte erst, die Anteile von Sanofi Aventis (als Nachfolger der Hoechst AG) zu übernehmen, dann wollte er die verkaufswillige IHK überzeugen, ihre 20 Prozent am Stammkapital von 160.000 Euro an die Eltern zu veräußern. Beide Male vergebens. Sanofi Aventis verkaufte schließlich an die städtische Wirtschaftsförderung.

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