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Brauchbachstraße in Frankfurt : Trippelschritte zur Autofreiheit

  • -Aktualisiert am

Randlage: In den früheren Parkbuchten entlang der Braubachstraße dürfen Gastronomen neuerdings ihre Kundschaft bewirten. Bild: Lucas Bäuml

Die Zahl der Parkplätze an der Braubachstraße in Frankfurt wird um zwei Drittel verringert. Stattdessen gibt es Abstellbügel für Räder und mehr Platz für die Gastronomie. Ist das wegweisend für andere Innenstadtstraßen?

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          Die Ankündigung erinnert an die legendären Worte Neil Armstrongs, als dieser im Juli 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond setzte. „Ein großer Schritt für die Braubachstraße, ein kleiner weiterer Schritt zur autofreien Innenstadt“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Fakt ist, dass in den vergangenen Wochen 20 Autoparkplätze an der Braubachstraße zwischen Römerberg und Domstraße beseitigt worden sind.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An deren Stelle finden sich jetzt 56 Abstellplätze für Fahrräder, außerdem wurden 170 Quadratmeter zusätzliche Fläche für die Außengastronomie auf beiden Seiten der Braubachstraße gewonnen. Dort, wo bis zum Juni noch gegen Gebühr Autos abgestellt werden konnten, sitzen jetzt, von der Straße nur durch ein paar eingetopfte Grünpflanzen getrennt, Restaurantbesucher beim Mittagessen in der Sonne.

          Die Nordseite der Braubachstraße bleibt künftig komplett autofrei. Lediglich etwa acht Parkplätze auf der Südseite für den Lieferverkehr in die Altstadt, zwei Stellplätze für Taxis und ein Behindertenparkplatz sind geblieben. „Weniger Autoverkehr bedeutet in der Innenstadt mehr Lebensqualität“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), als er am Donnerstag, gemeinsam mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen), die „Neuordnung“ der „Kulturmeile Braubachstraße“ vorstellt.

          Einen „ganz neuen Charme“

          Mit den „Sommergärten“ am Straßenrand habe der Straßenzug einen „ganz neuen Charme“ erhalten, lobt der Oberbürgermeister. Unabhängig von Corona sei es das Ziel der Stadt, die Braubachstraße aufzuwerten und den Gastronomen mit zusätzlichen Bewirtungsflächen zu helfen.

          „Mehr Lebensqualität“: Oberbürgermeister Peter Feldmann gefällt die Neugestaltung
          „Mehr Lebensqualität“: Oberbürgermeister Peter Feldmann gefällt die Neugestaltung : Bild: Lucas Bäuml

          Eine „autofreie Innenstadt“, wie sie sich seine Partei wünsche, werde es wohl erst unter dem Nachfolger des Nachfolgers seines Nachfolgers geben, sagt Verkehrsdezernent Oesterling. Die „Neuordnung“ der Braubachstraße, so unbedeutend sie auf den ersten Blick erscheinen möge, halte er aber für verkehrspolitisch wegweisend.

          Er habe auch schon einige andere Straßenzüge im Kopf, an denen Autoparkplätze seiner Ansicht nach verzichtbar seien, beispielsweise an der Weißadlergasse. Weitere Beispiele will der Dezernent noch nicht nennen, um die Hühner nicht unnötig scheu zu machen; Feldmann bringt immerhin noch die Töngesgasse ins Gespräch.

          Nur noch wenige Metallbügel sind frei

          Gesundheitsdezernent Majer, der sein Büro an der Braubachstraße hat, weist darauf hin, dass schlecht geparkte Autos bisher häufig ein Hindernis für die Straßenbahnen gewesen seien. Er spricht von der „unglaublichen Rücksichtslosigkeit“ mancher Autofahrer und freut sich „als leidenschaftlicher Radfahrer“, dass es fortan noch attraktiver sein werde, mit dem Fahrrad in die Innenstadt zu kommen.

          Weniger Parkraum: Fahrradfahrer und Gastronomie profitieren von dem neuen Konzept.
          Weniger Parkraum: Fahrradfahrer und Gastronomie profitieren von dem neuen Konzept. : Bild: Lucas Bäuml

          Tatsächlich sind von den neuen Metallbügeln zum Anschließen der Räder in der Mittagszeit nur noch wenige frei. Die beiden Holzbänke, die zwei ehemalige Autostellplätze in Höhe der Domstraße blockieren, bleiben hingegen ungenutzt. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie direkt am Straßenrand aufgestellt sind, mit Blickrichtung auf die mit Tempo 50 vorbeifahrenden Autos.

          „Vielleicht doch besser umdrehen“, schlägt Dagmar Priepke, die Sprecherin der Interessengemeinschaft Braubachstraße, den versammelten Magistratsmitgliedern vor. Ansonsten ist sie mit der Umgestaltung des Straßenzugs rundum zufrieden: Der Verzicht auf Parkplätze sei ebenso im Sinne der Gastronomen, Geschäftsinhaber und Galeristen wie der etwa 300 Leute, die in den Obergeschossen entlang der Braubachstraße wohnten, sagt Priepke. Dem Leitmotiv der Interessengemeinschaft – Kunst, Genuss, Leben – komme die Stadt mit den Veränderungen zugunsten von Radverkehr und Gastronomie sehr entgegen.

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