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Andrea Diener, Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

Biodiversität in Hessen : Hoffnungsträger Hamster

  • -Aktualisiert am

Wittert Morgenluft: der hessische Feldhamster Bild: picture alliance / imageBROKER

Lange ging es mit dem Feldhamster bergab. Neue Projekte zum Schutz der scheuen Tiere zeigen aber Wirkung. Endlich nimmt ihre Zahl wieder zu.

          1 Min.

          Tote Halme, letzte Kräutlein, irgendwo blüht eine Malve – der Laie sieht nur Unkraut. Landwirt Uwe Schreiber spricht lieber von seinem Hamsterhotel. Rund 20 Baue finden sich auf seinen Flächen bei Hochheim, das entspricht – Hamster sind Eigenbrötler – auch 20 Feldhamstern. Ausgerechnet diese scheuen Tiere, die auch Hamsterhotelier Schreiber noch nie zu Gesicht bekommen hat und von denen man nur hört, wenn irgendwo etwas gebaut werden soll und sie wieder im Weg sind, geben Anlass zur Hoffnung.

          Feldhamster stehen als vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste, und tatsächlich ging es mit ihnen lange bergab. 2018 war das absolute Hamstertiefpunktjahr mit nur 311 erfassten Bauen in Hessen. Seit Projekte für Feldfluren ins Leben gerufen wurden, geht es wieder bergauf. Inzwischen geht man von 1234 Bauen zwischen Gießen und Viernheim aus, so viele wie noch nie seit Beginn der Erfolgskontrollen.

          Bauer Schreiber tut auch einiges dafür. Die Saatgutmischung „Blühende Landschaft“ gibt es im Fünf-Kilo-Sack, sie enthält rund 50 Arten von Kamille über Malve und Leimkraut bis zu Flockenblumen und damit alles, was eine Wildblumenwiese wild macht. Im Moment ist der Hamster damit beschäftigt, das zu tun, was er am besten kann, nämlich hamstern. Zwei bis drei Kilogramm Weizen lagert er ein, auch Sonnenblumenkerne und Ackerbohnen nimmt er gern. Wenn er Ende April wieder aus dem Bau kommt, sollte die Blumenwiese so hoch gewachsen sein, dass er Deckung hat. Der Turmfalke kreist nämlich schon. Dann futtert der Hamster nach der Getreidediät des Winters auch gern ein paar Insekten und Schnecken.

          Projekte, die die Feldhamster vor dem Aussterben retten sollen, kommen auch anderen Tieren zugute. Fasane und Hasen lassen sich öfter blicken. Der Feldhamster aber ist besonders auf die Gastfreundlichkeit von Landwirten wie Uwe Schreiber angewiesen. Dass es immer mehr von ihnen gibt, ist eine gute Nachricht.

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

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