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Medien : Ladenhüter im Kabarett

Kritische Äußerung über Journalisten: Oberbürgermeisterin Petra Roth Bild: ddp

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth äußerte sich im WDR-Fernsehen vor kurzem über die Intelligenz von Journalisten. Was sie sagte, wird viele in der Medienbranche nachdenklich machen - und betroffen.

          Wenn Petra Roth nicht so sympathisch wäre, müsste man fast ein bisschen böse auf sie sein. Zumindest aber wird das, was die Frankfurter Oberbürgermeisterin – „Ich war als Kind schon gerne Bandenchefin unter Jungs“ – vor kurzem im Dritten Fernsehprogramm des Westdeutschen Rundfunks über Journalisten sagte, viele in der Medienbranche nachdenklich und betroffen machen. Und das kam so.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Roth in WDR-Talkrunde zu Gast

          Roth – „Ich brauche nicht Abnicker und Ja-Sager, ich brauche Gesprächspartner“ – war zu Gast in einer Sendung namens „Kölner Treff“. Das ist eine Talkrunde in fröhlicher Atmosphäre, die der WDR freitagsabends ausstrahlt. Moderiert wird die Sendung übrigens von Bettina Böttinger, über die Harald Schmidt einmal etwas ganz Unfeines und Unfaires und Unbestreitbares gesagt hat, aber das gehört nicht hierhin.

          Petra Roth – beigefarbener Blazer, dunkelbraune Bluse, Perlenkette – saß also dort in einer Runde, zu der auch der schrecklich sympathische österreichische Großvater Werner Schneyder gehörte. Schneyder, laut Böttinger „Theatermann, Schriftsteller, Regisseur, Chansonnier, Kabarettist“, hatte einen Kübel guter Laune in das Kölner Fernsehstudio mitgebracht. Für einen Mann, der die Geschichte über den qualvollen Tod seiner Frau ohne Scheu in der „Bild“-Zeitung drucken ließ, offenbarte er aber recht bald auch eine gewisse Aggression gegen Journalisten.

          „Kabarett vielleicht zu intelligent für Journalisten“

          Das an sich ist überhaupt nicht schlimm, denn es ist ja wirklich „eine Trottelei der Journalisten, einen Menschen ewig katalogisieren zu müssen“, zumal, wenn derjenige nicht nur Theatermann, Schriftsteller, Regisseur, Chansonnier und Kabarettist ist, sondern sogar einen Gedichtband fertiggebracht hat. Einige Gäste, zum Beispiel der Nur-Schriftsteller Richard David Precht, schauten zwar etwas befremdet, nicht so aber Petra Roth („Politik ist ja ein Produkt, und wir leben heute mit dem Marketinggesellschaft auch im Verkauf“). Sie nickte, denn wer kennte sie nicht, diese Journalisten, die nicht rauskommen „aus ihrem Ladendenken“, wie Schneyder das zu nennen beliebte, der sich dann den kleinen Scherz erlaubte: „Deshalb nenne ich sie Ladenhüter.“

          Als Schneyder schließlich, einmal in Fahrt, gegen „diese ungebildeten, dummen, dämlichen Journalisten“ wetterte, „die alle zehn Jahre das Kabarett für tot erklären und einfach nicht wissen, dass es 1901 zum ersten Mal für tot erklärt wurde, nämlich ein Jahr nach der Gründung“, da fiel auch Petra Roth noch eine feine Pointe ein. Sie sagte: „Es ist aber auch vielleicht zu intelligent, Kabarett, für Journalisten.“ Da hat sie recht. Journalisten verstehen ja nicht einmal Roths Satzbau.

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