https://www.faz.net/-gzg-a1zbe

Schulbeginn in Corona-Zeiten : Maskenpflicht besteht auch im Lehrerzimmer

Besonders diszipliniert: Bei jüngeren Schülern klappt das Maskentragen oft besser als bei den älteren. Bild: dpa

Wenn in zwei Wochen der Regelunterricht wieder an hessischen Schulen beginnt, müssen sich sowohl Schüler als auch Lehrer auf neue Regeln einstellen. Die Entscheidung jedoch, ob eine Maske verpflichtend ist, liegt bei den Schulleitern.

          2 Min.

          Vor den Ferien galt an der Carl-Schurz-Schule: Sobald sie auf den Plätzen sitzen, nehmen Schüler und Lehrer die Masken ab. Aber da lernten nicht dreißig Mädchen und Jungen in einem Raum, sondern nur zehn bis zwölf. Wenn in knapp zwei Wochen wieder der Unterricht beginnt, werden die Klassen nach den neuen Corona-Regeln des Hessischen Kultusministeriums nicht mehr geteilt. „Das bedeutet für mich, dass wir auch im Unterricht die Masken auflassen“, sagt Hans-Ulrich Wyneken, der Leiter des Gymnasiums in Sachsenhausen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während etwa Nordrhein-Westfalen und Hamburg eine Maskenpflicht an Schulen einführen und sich auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek von der CDU dafür ausspricht, überlässt Hessen die Entscheidung den Schulleitern. Ein Sprecher des Kultusministeriums begründet das mit dem regional unterschiedlichen Infektionsgeschehen. Der Hygieneplan des Ministeriums verbietet zwar Umarmungen und Händeschütteln und verpflichtet zu Husten- und Niesetikette und gründlichem Händewaschen. Masken verlangt er dagegen nur, „soweit durch die Verhältnisse vor Ort erforderlich (z. B. in Pausen) und durch die Schulleitung angeordnet“.

          Etliche abfällige Bemerkungen

          Wyneken hat sich überlegt, dass seine Schüler die Maske im Unterricht allenfalls abnehmen dürfen, wenn sie vor der Klasse eine Präsentation halten. Und: „Auch im Lehrerzimmer werden wir eine Maskenpflicht brauchen.“ Dieser Raum sei eine Drehscheibe zwischen Lerngruppen und sogar zwischen verschiedenen Schulen, wenn Lehrer an mehreren Standorten unterrichten. Wenn der Schulleiter demnächst einige Schülervertreter einlädt, will er ihnen klarmachen, wie wichtig es ist, dass die Lehrer im Gebäude geschützt werden. Damit steht und fällt der Regelunterricht. Wyneken geht davon aus, dass das Maskentragen in der Schule funktionieren wird. Anders als womöglich bei privaten Treffen oder nach Schulschluss in der vollen Straßenbahn.

          Aus einer solchen ist Birgit Ross gerade ausgestiegen. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Römer hat in der Linie 11 mindestens vier Leute ohne Maske gezählt und wieder einmal etliche abfällige Bemerkungen über den Mund- und Nasenschutz gehört, den manche Menschen als „Maulkorb“ empfänden. Ross regt das auf. Der Regelschulbetrieb dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Deshalb müssten Erwachsene Vorbilder sein – und Schulen Orte werden, „an denen das Maskentragen geübt wird“. Die Ärztin unterrichtet Gesundheitslehre an der privaten Rackow-Schule im Nordend. Sie will den Schülern vermitteln: „Eine Maske ist ein Fashion-Utensil, ich kann mich darüber ausdrücken und Solidarität und Achtsamkeit daran festmachen.“ Ross hält es für wichtig, die Masken nach den Ferien an den Schulen gleich positiv zu besetzen. Wer seine vergisst, soll keine Strafe bekommen, sondern – eine Maske.

          Sabine Fischer sagt dagegen: „Wenn es nicht funktioniert, werden wir nicht inflationär Masken im Sekretariat ausgeben.“ Die Leiterin der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach ist zugleich bildungspolitische Sprecherin der CDU im Römer. Zu ihrer Schule gehören Grund-, Haupt- und Realschule. Während es vor den Ferien bei den Kleinen gut geklappt habe mit den Masken, nennt Fischer die Masken-Disziplin der Älteren nur „relativ gut“. An ihrer Schule müssen Masken auch nach den Ferien in den Pausen und auf dem Weg bis zum eigenen Platz getragen werden, während des Unterrichts aber nicht. „Es ist eine Gratwanderung.“ Die Schule dürfe nicht zur Parallelgesellschaft werden, weder durch zu strikte noch durch zu laxe Masken-Regeln. Die CDU-Politikerin hätte eine einheitliche Vorschrift aus dem Kultusministerium besser gefunden. Auch das Bildungsdezernat hielte es für richtig, wenn Hessen sich „wie andere Bundesländer auch zu einem einheitlichen Vorgehen durchringt“.

          Schulleiter Wyneken nennt auch die Regeln für Musik und Sport unklar. Mit dem Schwimmunterricht wird die Carl-Schurz-Schule „vorsichtig in Kleingruppen“ beginnen. Wie ein Blasorchester im Einzelunterricht proben soll, weiß Wyneken noch nicht. Vor allem aber braucht er bis zum Schulstart eine Idee für die Mensa. „Essen und Trinken ist der kritischste Punkt. Denn mit Maske hat das noch niemand geschafft.“

          Weitere Themen

          Von Goethe bis Ebbel Video-Seite öffnen

          Quiz zu 75 Jahre Hessen : Von Goethe bis Ebbel

          Die Hessen haben ein Lieblingsgetränk, ihr Bundesland hat eine geographische Mitte und große Namen spielen eine Rolle und das Land hat Nachbarn. Ein Quiz zum 75. Jahrestag der Gründung des Bundeslands in Deutschlands Mitte.

          Topmeldungen

          Ein Patient im Intensivzimmer eines bayerischen Krankenhauses.

          Coronavirus : Krankenhäuser reduzieren Betten für Covid-Erkrankte

          Nur noch zehn Prozent der Intensivbetten werden künftig freigehalten: Ärzte befürchten bei einer zweiten Welle Engpässe in der Pflege. Der Präsident der Bundesärztekammer warnt davor, auf die Quotenregelung ganz zu verzichten.
          Dunkle Wolken über Mehrfamilienhäusern aus der Gründerzeit im Prenzlauer Berg (Archivbild)

          Immobilienmarkt : Der Mietendeckel verschärft Berlins Wohnungsnot

          In Berlin können Mieter bald verlangen, die Miete auf eine gesetzlich vorgegebene Grenze zu senken. Schon jetzt wirkt sich das umstrittene Instrument zur Preisdämpfung massiv auf den Wohnungsmarkt aus. Selbst die Genossen sind verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.