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Mainufer : Neues mediterranes Flair am "Nizza"

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Eine attraktive Grünfläche muß mindestens zwei Dinge erfüllen: Sie muß gärtnerisch herausgeputzt und vor allem belebt sein, wenn irgendmöglich durch ein Cafe, ein Restaurant. Beide Kriterien wird der ...

          Eine attraktive Grünfläche muß mindestens zwei Dinge erfüllen: Sie muß gärtnerisch herausgeputzt und vor allem belebt sein, wenn irgendmöglich durch ein Cafe, ein Restaurant. Beide Kriterien wird der einst bei den Frankfurtern beliebte und bei den Gärtnern renommierte Abschnitt am nördlichen Mainufer, das "Nizza", bald erfüllen. Gestern übergab Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) die sanierte Uferpromenade mit überarbeiteten Rasenflächen und neuangelegten Blumenrabatten - "ein zauberhaftes Stück Natur" - der Öffentlichkeit. In der nächsten Woche eröffnet das neue Restaurant "Nizza am Main", das mit finanziellen Mitteln des Bankhauses Metzler errichtet wurde. Von der Terrasse aus hat man einen exquisiten Blick auf die Grünanlage und den Main.

          Nun muß noch ein letzter Abschnitt saniert werden, westlich des neuen Nizza-Cafes sowie zwischen Rollschuhbahn und Friedensbrücke. Auch muß die Sportstätte des traditionsreichen Frankfurter Roll- und Eissport-Clubs verlegt werden. Im Sommer 2006 soll alles fertig sein. Dann nämlich werden in der Stadt Spiele der Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. Frankfurt wolle sich mit einem "glänzenden Mainufer", mit einem "urbanen Leben am Fluß" präsentieren, sagte Stadträtin Jutta Ebeling. Schließlich leide die Stadt immer noch unter dem Image, zwar pulsierend, nicht aber so richtig schön zu sein.

          "Die Braut muß schön gemacht werden", überschreibt Ebeling ihre derzeitigen Bemühungen. Und sie weist darauf hin, daß man sich glücklich schätzen könne, angesichts der prekären Finanzsituation Frankfurts in den vergangenen vier Jahren immerhin 3,2 Millionen Euro für die Grünflächensanierung am Main zur Verfügung gestellt bekommen zu haben. Auch im kommenden Doppelhaushalt werde das Vorhaben entsprechend berücksichtigt.

          840000 Euro hat das Grünflächenamt allein für den "Nizza"-Abschnitt in den vergangenen Monaten in die Hand genommen. Noch ist nicht alles perfekt: Die Wege sollen neu gefaßt, eine Illuminierung installiert werden, damit die wärmeliebenden Pflanzen, ob Palme oder Bananenstauden, aber auch die zehn bis 20 Meter hohen Mammutbäume die gebührende Würdigung durch die Passanten erfahren.

          Aus Platzgründen hat man die 1950 von den Vereinigten Deutschen Metallwerken gestiftete Äquatorialsonnenuhr vom Nizza in die Nähe der Flößerbrücke verrückt. Die mehr als 1000 Kilogramm schwere Uhr sei ohnehin vorher von Bäumen verdeckt worden, nun habe sie einen Platz, an dem die meiste Sonne zu erwarten sei, erläuterte Ortsvorsteher Hans Heilmann, der die Verlegung sogar als Aufwertung des Mainufers an der Flößerbrücke versteht.

          Wer in den vergangenen Jahren die rührigen Bemühungen besonders des Grünflächenamtes verfolgte, die Erholungsflächen am Fluß aufzuwerten, kann sich kaum noch vorstellen, wie heruntergekommen das Mainufer war, in welchem schlechten Zustand sich vorallem das "Nizza" zu Beginn der Sanierungsarbeiten befunden hat. Wie es in einem Bericht dieser Zeitung von 1998 hieß, hatte das Gelände nicht nur wegen fehlender Mittel gärtnerisch viel von seinem früheren Ruf eingebüßt, sondern auch wegen der Drogensüchtigen und Obdachlosen, "die das Areal nicht nur des Nachts bevölkern." Vor allem ein Mord an einem Obdachlosen vor einigen Jahren "läßt viele Frankfurter noch heute einen großen Bogen um das artenreiche Gartendenkmal machen", hieß es damals weiter.

          Dabei ist das Areal am Main, historisch betrachtet, über Jahrzehnte hinweg einer der beliebtesten Orte der Frankfurter gewesen. Noch ehe das "Nizza" 1860 vom ersten Frankfurter Stadtgärtner Sebastian Rinz konzipiert worden war, stand hier, damals noch auf einer Insel, die "Mainlust", ein Lokal, in dem die feine Gesellschaft rauschende Feste feierte. Mit der Entscheidung der Stadt, eine Bahnverbindung zu schaffen, die den Hauptbahnhof mit dem heutigen Ostbahnhof verbindet, mußte der Seitenarm des Mains zugeschüttet werden. Rinz rettete das Areal davor, Betriebsgelände der Bahn und Lagerplatz zu werden. Sein Nachfolger im Amt und Enkel, Andreas Weber, verwirklichte die Idee, in Verlängerung der Wallanlagen eine Gartenanlage mit Mittelmeer-Gewächsen zu schaffen. Schon bald bürgerte sich im Volksmund der Name "Nizza" ein, für den Park und einen stattlichen Pavillon genau an der Stelle, an der das neue Restaurant "Nizza am Main" jetzt entstanden ist. Badeanstalten direkt am Main - 1898 eröffnete die "Schwimmanstalt Mosler", die damals die größte in Deutschland war - krönten zur Jahrhundertwende das bunte Treiben an diesem Mainuferabschnitt.

          Mit der Sanierung der Gartenanlage und dem neuen Restaurant hat das "Nizza" die Chance, an die alten Zeiten anzuknüpfen. Die Stadt hat ihre Ufer in der Vergangenheit vernachlässigt - "wir haben sie jahrzehntelang nicht gebührend gewürdigt", gestand Stadträtin Ebeling gestern ein. Doch seit der SPD-Oberbürgermeister Volker Hauff und der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) Anfang der neunziger Jahre das Thema "Wohnen am Fluß" entdeckten, hat sich die Stadt dem Mainufer immer stärker zugewandt. Die Bürger sind begeistert: Cafes und Bars sprießen aus dem Boden, längst flanieren und vergnügen sich an lauen Sommerabenden Tausende an den Ufern. Vielleicht auch bald unter Palmen am "Nizza".

          MECHTHILD HARTING

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