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Löwen im Frankfurter Zoo : Keine Angst mehr vor der Eiszeit

Vereint: Die asiatischen Löwen Zarina und Kumar als trautes Paar. Bild: Frank Röth

Die asiatischen Löwen im Zoo sollen eine neue Außenanlage bekommen, damit sie auch bei Frost in Freie können. Unterstützt wird das Projekt von den Eishockey-Löwen.

          Wenn es friert, dann wird es für die Löwen im Zoo eng. Bei Frost dürfen Zarina und ihr neuer Gefährte Kumar nicht auf ihr Außengelände, denn wenn der Wassergraben zufriert, könnten sie entkommen. Oder sich beim Betreten einer zu dünnen Eisschicht verletzen. Schon seit einigen Jahren bereitet das den Verantwortlichen im Zoo Kopfzerbrechen. Jetzt gibt es Pläne für eine Neugestaltung des Geländes. Demnach soll die Anlage künftig durch hohe Wände und Glasscheiben geschützt werden. Der Wassergraben soll trockengelegt werden, damit die Tiere mehr Platz haben.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Dadurch kann die Fläche der Anlage auf 930 Quadratmeter verdoppelt werden“, sagte Zoodirektor Manfred Niekisch gestern bei der Vorstellung des Projekts. Geplant sei ein zehn Meter breiter und fünf Meter tiefer Trockengraben, der mit Sandplätzen und üppiger Bepflanzung abwechslungsreich gestaltet werden soll.

          Anregender Lebensraum auf zwei Ebenen

          Die Pläne der Landschaftsarchitektin Ariane Röntz, die auch schon am Bau des benachbarten Ukumari-Landes, in dem die Brillenbären leben, beteiligt war, und die auch mit der im Bau befindlichen neuen Pinguinanlage befasst ist, sehen auch eine Teilbarkeit des Außenareals vor. Das ist wichtig für den Fall, dass die Tiere einmal getrennt werden müssen. Damit werde eine wichtige Voraussetzung für die Zucht der hochgradig bedrohten Tierart erfüllt, sagte Niekisch. Bisher konnten die Löwen nur in den Innengehegen des Katzendschungels getrennt voneinander gehalten werden und durften gegebenenfalls nur nacheinander ins Freie. Die neue Anlage werde einen anregenden Lebensraum auf zwei Ebenen für die Löwen bieten, weil die gesamte Fläche des Trockengrabens genutzt werden könne.

          Begonnen werden soll mit dem Bau erst in etwa zwei Jahren. Zunächst müsse die neue Pinguinanlage fertiggestellt sein, sagte Niekisch. Zwei Großbaustellen zur gleichen Zeit wolle man den Besuchern nicht zumuten. Derzeit ist der Katzendschungel nämlich nur von einer Seite zugänglich. „Doch nun ist der Abschluss des Pinguinprojekts absehbar, und wir können den Umbau der Löwen-Anlage mit voller Kraft vorantreiben.“ Allerdings fehlt noch Geld für den Bau der Anlage, deren Kosten auf 1,3 Millionen Euro geschätzt werden. Das soll in einer großangelegten Spendenkampagne unter dem Titel „Macht Platz für den König“ gesammelt werden, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gestern gemeinsam mit Niekisch vorstellte.

          Unterstützung von Löwen Frankfurt

          Unterstützt wird der Zoo dabei von den Frankfurter Eishockey-Löwen. „Der Löwe ist unser Wappentier, daher ist es uns eine Herzensangelegenheit, uns für das Projekt einzusetzen“, sagte Geschäftsführer Stefan Krämer. Für den Löwen Kumar, der erst vor wenigen Monaten als Ersatz für Kashi nach Frankfurt gekommen ist, habe das Eishockey-Team unter anderem schon einen seiner Partner als Paten gewinnen können.

          Veraltet: Der breite Wassergraben, der die Löwen daran hindern soll, aus der Außenanlage zu entkommen, stellt im Winter eine Gefahr dar und nimmt den Tieren viel Platz. Das soll geändert werden.

          Hartwig dankte den Sportlern, die sich schon lange für die Löwen im Zoo einsetzen und bereits in den Jahren 2012 und 2013 mehr als 20000 Euro gespendet hatten. Auch jetzt wollen sie wieder für den Zoo sammeln und in der Stadt für das Spendenprojekt werben, wie Krämer sagte. Vor allem Löwen-Maskottchen Trevor soll dabei zum Einsatz kommen. Gestern aber musste der Plüschlöwe im Eishockeytrikot sich im Hintergrund halten. Laut Niekisch duldet der Löwe Kumar keinen anderen großen Löwen in seinem Revier, er wäre aggressiv geworden.

          Startkapital von 75.000 Euro

          Das Startkapital für die neue Löwenanlage in Höhe von 75.000 Euro stellt die Zoo-Stiftung zur Verfügung und hat damit den Grundstock für die Erstellung der Pläne geschaffen. Hartwig, die zugleich Schirmherrin der Zoo-Stiftung ist, äußerte sich erfreut darüber, dass es durch die geplanten Neuerungen auch für die Zoobesucher positive Effekte gebe: „Im Zuge des Umbaus wird auch der Besucherbereich neu gestaltet. Ohne den breiten Wassergraben sind spannende Einblicke in das Revier der Löwen möglich, und die Tiere können noch unmittelbarer erlebt werden“.

          Das Wohl der Besucher liegt Hartwig am Herzen, darum hatte sie im Frühjahr durchgesetzt, dass von Mitte Juni bis Ende Oktober der vor Jahren geschlossene Osteingang des Zoos an der Rhönstraße zumindest für die Inhaber von Dauerkarten und vorab gekauften Tickets wieder geöffnet worden war. Wie sie jetzt mitteilte, soll die Winterpause genutzt werden, um zu ergründen, wie der Osteingang dauerhaft geöffnet werden kann.

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