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Lockerungen in Frankfurt : Zwei Tage Kita, aber ohne Umarmen

Startbereit: Nächste Woche geht es für viele Kinder in Frankfurt wieder los. Bild: dpa

Die Frankfurter Bildungsdezernentin und die Träger haben sich auf ein Konzept zur Wiederöffnung geeinigt. Das Echo bei den Eltern und im Römer ist verhalten positiv.

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          Kinder können von Dienstag an wieder für wenigstens zwei Tage in der Woche in die Kita gehen, und zwar von acht bis 16 Uhr. Soweit möglich, kann ein dritter Tag hinzukommen. Darauf haben sich Bildungsdezernentin Sylvia Weber und die Träger der 870 Kitas geeinigt, wie die SPD-Politikerin am Freitag mitteilte. Die Kitas bilden feste Gruppen, zwischen denen Kinder und Betreuer nicht wechseln sollen, und vermeiden offene Konzepte. In die Gruppen sollen im Vergleich zu Normalzeiten 70 Prozent der Kinder gehen. Die Notbetreuung läuft weiter.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für die Hygiene gilt: Die Kinder gehen so viel wie möglich nach draußen; drinnen müssen die Erzieher dauerhaft lüften. Außerdem sollen sie die Kinder möglichst nicht auf den Arm nehmen und auch untereinander auf Abstand bleiben. Weiter heißt es in dem Konzept: „Zum Schutz der Kinder können/sollten die Betreuungspersonen Mund-Nasen-Schutzmasken tragen.“ Eine Maskenpflicht gilt aber nicht. Außer dem Personal und den Kindern darf niemand die Kitas betreten.

          Weber zeigte sich am Freitag „zufrieden, dass es uns gelingt, allen Kindern ein Betreuungsangebot zu machen, um die größte Last von den Familien zu nehmen“. Das helfe, die Lage zu entspannen. „Kinder haben ein Recht, ihre Freunde wiederzusehen“, sagte die Stadträtin weiter. Zwei Tage wöchentlich für jedes Kind könne sie „garantieren, das geht auf jeden Fall“; ein dritter Tag sei wünschenswert. Die Betreuung von acht bis 16 Uhr nannte Weber eine Empfehlung, „damit für Eltern ein geregelter Arbeitstag möglich ist“. Geschwisterkinder sollen möglichst gleichzeitig betreut werden. „Irgendwann werden wir wieder Normalbetrieb haben“, versprach Weber. Sie rechne aber damit, dass es bis zu den Sommerferien bei den Einschränkungen bleibe.

          „Überhaupt keine Differenz“

          Trotz der Zusicherungen der Dezernentin gibt es eine Härtefall-Regelung, falls Kitas nicht genug Plätze anbieten können. Viele Erzieher gehören zur Risikogruppe für das Coronavirus und können keine Kinder betreuen. Auch was die Räume angeht, könnte es in manchen Kitas eng werden. Dann werden Kinder aus Familien in „einer besonderen Belastungssituation“ bevorzugt. Auf wen das zutrifft, entscheiden Kita-Leiter und Träger. Das Jugendamt muss nicht eigens bescheinigen, dass das Kindeswohl gefährdet ist.

          Die Richtlinien gelten für alle Kitas in der Stadt, also auch für die kirchlicher und freier Träger, außerdem für Krippen und Horte. Weber hat die Entscheidung mit den Trägern abgestimmt. Nach ihren Worten gab es dabei „in der großen Linie überhaupt keine Differenz“. Eingebunden waren auch das Stadtschulamt, Gewerkschaften und Gesundheitsbehörden. Außerdem seien Hinweise von Eltern an das Dezernat eingeflossen.

          In dem Konzept geht es auch ums Geld. Von Juni an werden in Krippen und Horten wieder Elternentgelte und Verpflegungspauschalen erhoben, also bei den ganz Kleinen und den Schulkindern. Die Kindergärten für alle zwischen drei und sechs Jahren sind seit knapp zwei Jahren entgeltfrei. Dort werden von Juni an wieder Verpflegungspauschalen fällig. Übergangsweise müssen Eltern bei alldem aber nur die Hälfte zahlen.

          Noch keine wirkliche Entlastung

          Bei den Eltern stößt der Vorschlag auf ein geteiltes Echo, wie Thomas Krohn berichtet. Er ist der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der 146 Krippen, Kindergärten und Horte in städtischer Trägerschaft. Manche Eltern hätten sich nach dem politischen Signal, dass die Kitas zum 2. Juni wieder öffnen, mehr erhofft. „Sie bekommen Druck vom Arbeitgeber, dass sie endlich wieder ihre Arbeit machen.“ Zwei Tage in der Woche seien da „noch keine wirkliche Entlastung“. Eine Betreuung von acht bis 16 Uhr decke den Arbeitsweg für Vollzeitkräfte zeitlich nicht ab. Zudem ließen sich die Vorgaben nicht in jeder Einrichtung umsetzen. Andere Eltern, die in der öffentlichen Diskussion eher ruhig blieben, fänden es hingegen „super, dass es wenigstens anläuft“. Einem kleinen Lager wäre es hingegen am liebsten, die Kitas blieben weiter zu.

          Bei der Erweiterten Schulischen Betreuung richtet sich die Zahl der Plätze nach dem pädagogischen Konzept der Schule und den „Möglichkeiten vor Ort“. Ziel sei, die Betreuungszeiten mit den Präsenzzeiten in der Schule zu koordinieren. Sabine Fischer, die bildungspolitische Sprecherin der CDU im Römer, nennt diese Aussagen „ein bisschen schwammig“. Ihre Fraktion begleite das Konzept des Koalitionspartners SPD positiv. Aber in den Einrichtungen sei jetzt eine organisatorische Höchstleistung erforderlich. „Bei 70 Prozent Gruppenstärke fallen 30 Prozent herunter.“ Gewünscht hätte Fischer sich auch, dass die Kitas städtische Freiflächen wie Sportanlagen, Schwimmbäder, Parks, den Palmengarten und den Zoo nutzen können, womöglich sogar mit Hilfe zusätzlichen städtischen Personals.

          Auch die Grünen-Fraktion im Römer findet Webers Pläne gut. Die bildungspolitische Sprecherin Birgit Ross ist aber der Ansicht, „ein solch wichtiger Beschluss“ hätte den Koalitionspartnern vorab vorgelegt werden sollen. „Dies hat Sylvia Weber nicht getan.“ Die kinderpolitische Sprecherin der Linken bemängelt, dass das Konzept am letzten Werktag vor der Öffnung komme. Man könne nur hoffen, dass die Kitas alle Eltern erreichten und „am Dienstag kein Chaos vor den Kita-Türen entsteht“, sagt Ayse Dalhoff. Weber hatte nach eigenem Bekunden erwartet, dass der hessische Sozialminister Kai Klose von den Grünen den Städten genauere Vorgaben machen würde; stattdessen habe dessen Konzept aus der vorigen Woche „null Orientierung“ geboten.

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