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Sicherheit auf der Autobahn : „Da hält niemand den Abstand ein“

  • -Aktualisiert am

Unglück am Morgen: zwei der Lastwagen, die auf der A3 kollidierten Bild: F.A.Z.

Tödliche Lastwagen-Unfälle wie kürzlich auf der A3 und A60 häufen sich. Nun wird abermals mehr Sicherheit auf Autobahnen gefordert. Doch entsprechende Lösungen sind gar nicht so einfach zu finden.

          Es geschah mitten im Berufsverkehr: Auf der A3 in Fahrtrichtung Würzburg ist am Freitagmorgen bei einem schweren Unfall mit vier Lastwagen zwischen der Anschlussstelle Frankfurt-Süd und dem Offenbacher Kreuz ein Lastwagenfahrer ums Leben gekommen. Ein weiterer wurde schwer verletzt und musste aus seinem Fahrzeug befreit und mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Wegen der Bergungsarbeiten wurde die Autobahn in Richtung Würzburg voll gesperrt. Laut Polizei hatte einer der Lastwagen Sojaöl geladen, das ausgelaufen sei und aufwendig habe gebunden werden müssen. Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar, die Folge waren ein kilometerlanger Stau und Umleitungen über Neu-Isenburg und Heusenstamm.

          Schon kurz zuvor hatten zwei Unfälle mit Lastwagen ein Todesopfer gefordert und auf der A60 lange Staus hervorgerufen. Der tödlich verletzte Fahrer war mit seinem Fahrzeug in Höhe der Anschlussstelle Ginsheim in Richtung Frankfurt in ein Stauende gefahren. Unmittelbar zuvor waren dort in Höhe der Ausfahrt Rüsselsheim-Mitte zwei Lastwagen zusammengestoßen. Angesichts dieser erschütternden Bilanz von nur zwei Tagen stellt sich nicht nur für Experten die Frage nach der Wirksamkeit sogenannter, inzwischen gesetzlich vorgeschriebener Notbremsassistenten. Zudem scheinen die Unfälle die immer wieder zumachende Beobachtung zu bestätigen, dass Lastwagenfahrer häufig mit viel zu geringem Abstand auf das vorausfahrende Fahrzeug unterwegs sind.

          „Da hält niemand den Abstand ein“, sagt Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung mit Blick auf die langen Kolonnen, die sich zum Beispiel auf der A3 immer wieder im Berufsverkehr bilden. Dazu sei gar nicht genug Platz – „und dann können die Notbremsassistenten nicht richtig arbeiten.“ Engelhardt hält deshalb Investitionen in die Infrastruktur für dringend notwendig.

          Wenn Autofahrer die Nerven verlieren

          Die größte Schwachstelle der Assistenzsysteme ist allerdings ihre Abschaltbarkeit. Erst vor einigen Tagen hatte eine Lastwagenfahrerin aus dem Raum Frankfurt dieser Zeitung berichtet: „Wenn sich Autos in den Zwischenraum von zwei Lastwagen quetschen, lösen sie in der Kabine des Fahrers das System aus. Weil man sich so aber nicht konzentrieren kann, schalten viele den Assistenten ab.“ Andreas Hölzel, Sprecher des ADAC, meint deshalb: „Solche Systeme sind sehr sinnvoll. Aber sie müssen permanent im Einsatz sein.“ Engelhardt fordert zudem eine Einheitlichkeit. „Es ist fatal, dass die Assistenten nicht unterschiedlich funktionieren, vor allem, wenn man in verschiedenen Fahrzeugen mit anderen Modellen unterwegs ist.“

          Einen wesentlichen Grund für die vielen folgenschweren Unfälle mit Lastwagen in jüngster Zeit sieht er aber auch im insgesamt enorm erhöhten Verkehrsaufkommen. „Und das nächste Problem sind Baustellen.“ Alle Seiten seien bei der Lösung der Schwierigkeiten gefordert.

          Auch die Autofahrer. Die sorgen ihrerseits immer wieder für gefährliche Situationen, zum Beispiel wenn sie im Stau die Nerven verlieren. So soll etwa gestern nach dem Unfall auf der A3 ein Autofahrer auf der Fahrbahn gewendet haben und als Geisterfahrer in der Rettungsgasse in Richtung Flughafen gefahren sein. „Uns hat diesbezüglich eine Meldung erreicht“, sagte ein Polizeisprecher – das Fahrzeug sei jedoch nicht mehr ausfindig zu machen gewesen. Die Polizei verurteilte ein solches Verhalten auf das Schärfste. „So etwas ist rücksichtslos, gefährlich und auch moralisch verwerflich“, so der Sprecher.

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