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Befristete Anstellungen : Die große Unsicherheit der Lieferdienst-Fahrer

Keine Sicherheit: Viele Lieferdienst-Fahrer bekommen ausschließlich befristete Verträge (Symbolbild) Bild: dpa

Gewerkschaften protestieren gegen die Befristungen der Verträge von Lieferdienst-Fahrern. Die Bedingungen böten keine Sicherheit und verhinderten ein Engagement in der Arbeitnehmervertretung.

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          Das Fahrrad mit dem quadratischen, orangefarbenen Rucksack steht etwas abseits in einem Ständer am Römerberg. Sein Fahrer hat sich das schwarze T-Shirt mit der Aufschrift „(un)befristet“ der Gewerkschaft Verdi übergezogen, um an diesem Sonntagvormittag mit einigen Kollegen für die Rechte der Beschäftigten in seiner Branche zu demonstrieren.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer von ihnen, Philipp Schurk, der seit zwei Jahren bei Lieferando Betriebsrat ist, schildert die Lage bei dem Lieferdienst: Jeder Fahrer sei zunächst nur befristet angestellt, und das werde ausgenutzt, um die Mitarbeiter unter Druck zu setzen und auch um das Engagement in Arbeitnehmervertretungen zu verhindern. Seine Kollegen berichten von Versuchen, Betriebsrats-gründungen zu verhindern oder ihnen die Zeit für die Betriebsratsarbeit abzuziehen. Auch das sei ein Grund, warum man zu der Kundgebung an einem Sonntag eingeladen habe, denn sonst hätten einige Redner nicht kommen können, sagt der Verdi-Landesbezirksvorsitzende Jürgen Bothner.

          Über mehrere Jahre hinweg

          Ein weiterer Betriebsrat berichtet, dass der Essensauslieferer in Frankfurt vor einem Jahr noch weniger als 300 Mitarbeiter gehabt habe, inzwischen seien es aber mehr als 700, und viele von ihnen fürchteten nun um ihre Jobs. Weil die meisten von ihnen Ausländer mit beschränkter Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis seien, müssten diese immer auch befürchten, mit dem Auslaufen ihres Vertrags Schwierigkeiten bei der Ausländerbehörde zu bekommen. Zwei DHL-Mitarbeiter mit Anonymous-Masken bestätigen das und schildern, dass sie über mehrere Jahre hinweg immer wieder Verträge mit sachgrundloser Befristung erhalten hätten.

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          Sie müssten in der Regel an sechs Wochentagen arbeiten, und wenn es Personalknappheit bei den Festangestellten gebe, würden immer die Befristeten eingesetzt. Wer selbst krank werde oder sich bei der Arbeit verletze, dessen Vertrag lasse man auslaufen. Auch wenn an einem der Fahrzeuge ein höherer Schaden entstehe, würden Verträge nicht verlängert. Vielmehr werde versucht, die Mitarbeiter für den Schaden haftbar zu machen.

          Solche Zustände nennt Michael Rudolph, DGB-Chef Hessen-Thüringen, „respektlos“. Befristet Beschäftigte seien die Ersten gewesen, die in der Krise ihre Jobs verloren hätten. Sie hätten zudem kaum eine Chance, eine Wohnung zu finden. „Es stimmt nicht, dass befristete Beschäftigung in dauerhafte mündet“, sagt er. Sie sei prekär und führe in die Armut. Daher müsse die Befristung auf maximal 2,5 Prozent der Mitarbeiter begrenzt werden. „Für alles andere gibt es die Probezeit.“ Diese sollte für alle Betriebe gelten und nicht – wie vorgesehen – nur für jene mit mehr als 75 Mitarbeitern. Auch öffentliche Arbeitgeber wie Universitäten dürften nicht länger mit Hinweis auf das Haushaltsrecht befristete Verträge abschließen Sie müssten mit gutem Beispiel vorangehen, so Rudolph.

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