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Dem Gast etwas Gutes tun : "Das ist mein Bahnhof"

Der letzte Tag: Nach sechs Jahren als Bahnhofsmanger am Frankfurter Hauptbahnhof widmet sich Hartmut Schwarz anderen Aufgaben. Bild: Lucas Bäuml

Silvester ist der letzte Tag von Hartmut Schwarz als Manager des Frankfurter Hauptbahnhofs. Den täglichen Trubel dort vermisst er schon seit Beginn der Pandemie.

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          Ein Hauch von Normalität ist in den vergangenen Tagen am Hauptbahnhof zu spüren gewesen: Unzählige Menschen eilten durch die Haupthalle, an den langen Bahnsteigen reihten sich die Wartenden aneinander. Doch das, was wie ein gewöhnlicher, geschäftiger Tag der Vor-Corona-Ära anmutete, war nur der Weihnachtsverkehr in Pandemie-Zeiten.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hartmut Schwarz hätte es sich zum Abschluss seiner sechs Jahre als Manager des Hauptbahnhofs anders gewünscht: pulsierender und noch voller. Etwa wie in Messezeiten, wenn jeden Tag bis zu 600.000 Bahnreisende in den Hallen unterwegs sind. Oder im Grunde wie an jedem anderen normalen Vor-Corona-Tag mit seinen rund 500.000 Fahrgästen, die den Frankfurter Hauptbahnhof nach jenem in Hamburg zum am zweitstärksten frequentierten in Deutschland machen. Bei einem solchen Normalbetrieb hätte Schwarz gerne gezeigt, was ihn in seiner Dienstzeit angetrieben hat: „Dem Gast etwas Gutes zu tun“, wie er sagt.

          Was nach Imagepflege der Deutschen Bahn klingt, meint der Dreiundsechzigjährige tatsächlich ernst. Wer einmal Kontakt mit ihm hatte, ahnt, dass sich der bodenständige Mann, dem Menschen und ihre Bedürfnisse am Herzen liegen, im alltäglichen Trubel des Bahnhofs immer sehr wohl gefühlt hat und es genießen konnte zu sehen, wie die vielen Pendler, Geschäftsreisenden und Touristen die mehr als 100 Jahre alten Hallen mit Leben füllen. Selbst die spezielle Klientel, die wegen der Nähe zum Frankfurter Rotlichtviertel und seiner Drogenszene bis in den 1888 eröffneten Kopfbahnhof vordringt, nimmt er unaufgeregt zur Kenntnis.

          Von „Hausbewohnern“ und „Tagesgästen“

          „In Frankfurt kommt viel zusammen“, sagt Schwarz. Der Hauptbahnhof sei einer der zentralen Punkte der Stadt, das sei nicht überall so, fügt er hinzu und verweist auf den erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof. Am Main sei der Bahnhof fester Bestandteil der Stadt und eng mit ihr verwoben. Das habe den Vorteil, dass zum Beispiel die Messe von den Gleisen aus zu Fuß zu erreichen sei. Es berge andererseits das Risiko, dass sich dort eben auch jene tummelten, die die Bahn nicht zu ihren Kunden zähle. Ließe man diese einfach gewähren, so Schwarz, dann machten sie sich gern bis in jeden Winkel des Vorplatzes und der darunter liegenden B-Ebene sowie in den Verbindungsgängen zu den tiefer gelegenen U- und S-Bahn-Stationen breit.

          Als der Bahnhofsmanager im Frühsommer, nach dem ersten harten Lockdown, stolz eine litfaßsäulengroße Desinfektionsstation und UV-Licht-Reinigungen an den Rolltreppen präsentierte und auf Putzeinsätze an Touchscreens, Handläufen, Aufzügen und Fahrkartenschaltern hinwies, sprach ihn einer jener Menschen, mit denen man als Reisender keinen Kontakt haben möchte, ruppig an. „Warum gibst du mir keine Arbeit?“, wollte er von Schwarz wissen. Der schien den Mann zu kennen, reagierte gelassen und verwies auf sein qualifigziertes Team.

          „Wir kennen uns am Bahnhof“, sagt Schwarz und nennt jene, die den Hauptbahnhof wie einen öffentlichen Platz nutzen, „Hausbewohner“ und „Tagesgäste“. Solange diese Personen sich benähmen, habe er nichts gegen ihren Aufenthalt, sagt er. Benehmen heißt für ihn: sich nicht aggressiv verhalten, nicht betteln, nicht dealen oder offen Drogen konsumieren.

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