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Leser zum Rebstockbad-Abschied : „Es geht ein Stück von mir zu Bruch“

  • Aktualisiert am

Abschied von einem Bad: „Seepferdchen und Rutschpartien“. Bild: Lucas Bäuml

In fast vier Jahrzehnten begeisterte das Frankfurter Rebstockbad mehr als 22 Millionen Besucher. Wir baten unsere Leser um Erinnerungen. Es kamen sentimentale Antworten – aber auch die Schilderung einer schlimmen Erfahrung.

          4 Min.

          Das Rebstockbad ist Geschichte: Am vergangenen Freitag rollte die letzte offizielle Welle der Wellenmaschine aus, im Lockdown hat das Bad nahezu menschenleer und nur von Schulklassen und Vereinsschwimmern genutzt seine letzten Tage verbracht. Nach 39 Jahren wird nun eine Ikone der Bäderarchitektur abgerissen.

          Wir baten unsere Leser, Erinnerungen an die fast vier Jahrzehnte aufzuschreiben, in denen ein großer Teil der Bewohner des Rhein-Main-Gebietes in der Freizeiteinrichtung gewesen sein dürfte. Wir haben eine Auswahl an Leserreaktionen gesammelt, die voller Sentimentalität und schöner Erinnerungen sind, aber auch ein Schlaglicht werfen auf eine dunkle Seite der Badgeschichte.

          „Gesamte Jugend im Rebstockbad“

          Ich heiße Antonio Leonardo Calamita und bin 48 Jahre alt. Ich habe meine gesamte Jugend im Rebstockbad erlebt. Das Zimmer mit dem Gewichten, die Sauna und natürlich das Wellenbecken werden immer in Erinnerung bleiben.

          Es geht ein Stück von mir zu Bruch. Sicherlich werde ich nicht allein mit diesen Erinnerungen bleiben.

          Mit freundlichen Grüßen

          Antonio Leonardo Calamita aus Rödelheim

          Menschenleer Bild: Finn Winkler

          „Nachts heimlich in den kleinen Becken des Sauna-Bereichs“

          Ich habe tolle Erinnerungen ans Rebstockbad. Ich war bei der Einweihung dabei als kleiner Junge. Wir waren oft mit der Schule dort - jeden Donnerstag, glaube ich.

          Später als Jugendliche sind wir auch nachts heimlich in den kleinen Becken des Sauna-Bereichs gewesen und auch öfters vor dem Nachtwächter weggelaufen...

          Das Rebstockbad ist meine ganze Jugend, aber ich möchte auch alle anderen Bäder in Frankfurt nicht vergessen, wo wir unsere langen Sommer verbracht haben...

          Alexandre du Fresne

          „Unvergessen sind die unzähligen Rutschpartien“

          Liebe Redaktion,
          dass der Zahn der Zeit am Rebstockbad deutlich zu nagen angefangen hat, konnte man die letzten Jahre nicht mehr verbergen. Daher ist ein würdiger Abschied durchaus vertretbar.

          Gelegenheitsspringer Bild: Finn Winkler

          Zu meinen Erinnerungen: Mein Sohn, Jahrgang 2009, hat im Rebstockbad die ersten Erfahrungen mit dem nassen Element gemacht, und ich als sein Vater war immer live dabei.

          Der erste Schwimmkurs fand hier statt genauso wie die Abnahme der Prüfungen für das Seepferdchen und die darauf aufbauenden Schwimmabzeichen. Er hat es sogar geschafft, ein paar Mal, wohl ungefähr mit fünf Jahren, vom 3-Meter Brett zu springen. Hierbei kam es zu einer Szene, die ich nie vergessen werde: Als er das erste Mal ganz oben vorne am Brett stand, sah er zu mir runter und fragte mich: „Papa, wenn ich da runter springe, bin ich dann tot?“ Er sprang hinunter und überlebte!

          Unvergessen sind natürlich auch die unzähligen Rutschpartien, die ich mit meinem Sohn – er auf meinem Schoß sitzend – absolvierte. Sein mit der Zeit zunehmendes Gewicht führte regelmäßig dazu, dass die Reibung in der Rutsche mehr als eine Badehose am Gesäß abnutzte – sehr zum Missfallen meiner Frau, die mich gehörig dafür tadelte.

          Und was waren das immer für anstrengende Wege, wenn man unzählige Male immer und immer wieder die Treppe zu den Rutschen hochlaufen musste – ein intensiveres Training für Oberschenkel und Waden konnte es nicht geben.

          Durch all diese Erlebnisse hat sich das gute alte Rebstockbad fest in unserer Biographie verankert. Leider gibt es davon keine Fotos, denn fotografieren durfte man ja nicht.

          Viele Grüße

          Roman Faber, 52 Jahre

          Eine der Hauptattraktionen: Die Röhrenrutschen sorgte wie am Buß- und Bettag 1991 für lange Schlangen.
          Eine der Hauptattraktionen: Die Röhrenrutschen sorgte wie am Buß- und Bettag 1991 für lange Schlangen. : Bild: Lutz Kleinhans

          „Hintschich-Kunstwerk erhalten“

          Der Abriss des 1982 eröffneten Rebstockbades, das „Bädergeschichte“ geschrieben hat, wird von vielen Frankfurtern mehr als bedauert. Nicht nur Sportler, sondern auch normale Schwimmer drehten hier ihre Runden und genossen dieses herausragende Bad. Dass sich die Besucher hier so wohlfühlten, lag nicht nur an der einzigartigen Architektur, sondern auch an der Farbgebung, die der Frankfurter Künstler Gerhard Hintschisch verantwortete.

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