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Leipziger Buchmesse : Der Literaturbetrieb auf Klassenfahrt

Auf der Leipziger Buchmesse geht es nicht so sehr ums Geschäft, sondern ums Lesen und Reden. Auch die Stände fallen etwas bescheidener aus als auf der weltgrößten Bücherschau am Main. Bild: dpa

In diesen Tagen sind viele Frankfurter Verlage und Schriftsteller auf der Leipziger Buchmesse zu Gast.

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          Den Unterschied bemerkt man in der Straßenbahn. In Frankfurt steigen am ersten Buchmessentag vor dem Hauptbahnhof lauter Fachbesucher ein, am Leipziger Bahnhofsgebäude drängen Schulklassen in den Waggon. Geduldig überstehen sie die Fahrt zum Messegelände weit außerhalb des Zentrums, in den Messehallen stellen sie einen großen Teil des Publikums. Auch sonst ist auf der Frühjahrsbücherschau in Leipzig manches anders als im Herbst am Main. Den Mitarbeitern der Frankfurter Verlage gefällt das. Ihre Zuneigung für die Messehallen auf der grünen Wiese ist begrenzt, aber von der Messe selbst hält man an den Ständen der Verlage viel.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Oliver Vogel, Programmleiter für deutschsprachige Literatur bei S. Fischer, schätzt Leipzig, weil es so entspannt ist. In Frankfurt sei jeder Messetag mit geschäftlichen Terminen durchgetaktet, in Leipzig gebe es Zeit für Gespräche mit Kollegen und einen Kaffee zwischendurch. Wie alle Verlage ist Fischer aus Frankfurt nur mit der Hälfte der Mitarbeiter angereist, die im Herbst auf der größten Bücherschau der Welt in den Frankfurter Messehallen zum Einsatz kommen. Auch die Stände sind in Leipzig kleiner als dort. Fischer hat seine Stand-Architektur aus edlem Holz gleich ganz zu Hause gelassen und beschränkt sich wie Eichborn, Schöffling, Stroemfeld, Weissbooks und die Frankfurter Verlagsanstalt auf Bücherbretter vor weißen Stellwänden.

          Enormer Aufmerksamkeitsschub

          Trotz des geringeren Aufwands ist Leipzig, die gemächliche Messe für Leser, gut für das Geschäft. Uwe Rosenfeld, Geschäftsführer des Fischer Verlags, weist auf den enormen Aufmerksamkeitsschub hin, den Leipzig jedes Frühjahr für die Literaturprogramme der Verlage bedeute, schon in den Wochen vor der Messe, erst recht während der Messetage. Auch Klaus Schöffling, Leiter des Verlags Schöffling & Co., sieht Leipzig als einmalige Chance, Publikum und Autoren zusammenzubringen. Sein Verlag nutze nicht jede Gelegenheit dieser Art. Neben Leipzig gebe es Messen wie Basel und Wien, die in den vergangenen Jahren an Profil gewonnen hätten. „Auf die gehen wir nicht.“

          Bei 2150 Ausstellern aus 36 Ländern kann Leipzig sich nicht mit den 7000 Ausstellern aus knapp 170 Ländern messen, die zur Frankfurter Buchmesse kommen. Stark vertreten sind in Leipzig noch immer Verlage aus Osteuropa, ein Handel mit Rechten und Lizenzen wird trotzdem kaum getätigt. Der Eichborn Verlag, an der Kaiserstraße bis auf weiteres Schöfflings Nachbar, hat seine Lizenzabteilung wie fast alle Frankfurter Verlage daher gleich ganz zu Hause gelassen. Wer nach Leipzig mitgereist ist, genießt es dafür, abends nicht nach Hause in die eigene Wohnung zu fahren, sondern im Hotel noch miteinander zu reden. Es sei eine Art Klassenausflug, sagt eine Verlagsmitarbeiterin.

          Frankfurts Nachteil: „Es ergeben sich dort keine Zufallskontakte“

          Nach einem gemeinsamen Urlaub des Frankfurter Literaturbetriebs sieht es in Leipzig während der Messetage tatsächlich aus. Viele Gäste vom Main treffen sich zur Überreichung des Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik, den das „Börsenblatt“ aus Frankfurt als Fachmagazin der Buchbranche jedes Jahr in Leipzig vergibt. Dieses Jahr geht die Auszeichnung an die Frankfurter Literaturkritikerin Ina Hartwig, der Leipziger Autor Clemens Meyer hält ihr die Laudatio, unter den Zuhörern ist neben Klaus Schöffling auch Joachim Unseld, Chef der Frankfurter Verlagsanstalt. Auch Hauke Hückstädt, Leiter des Frankfurter Literaturhauses, und Harry Oberländer, sein Kollege vom Hessischen Literaturforum, sind auf der Messe zu sehen.

          Neben dem „Berliner Zimmer“ der kleinen Verlage, in dem die Preisverleihung stattfindet, befindet sich der Stand des angesehenen Wiesbadener Lyrikverlags Luxbooks. Sein Leiter Christian Lux hat sich im vorigen Herbst zum ersten Mal einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse geleistet. Das soll auch in diesem und den nächsten Jahren so bleiben. Trotzdem gäbe Lux, wenn er wählen müsste, eher den Stand in Frankfurt auf und beließe es bei dem in Leipzig. Frankfurts Nachteil: „Es ergeben sich dort keine Zufallskontakte.“

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