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Vier Jahre nach Leichenfund : „Nicht vermisst“

Komplizierte Aufklärungsarbeit: Die „Ikea-Leiche“ stellte die Polizei vor Rätsel. Bild: dpa

Vier Jahre nach dem Fund einer Frauenleiche in Nieder-Eschbach steht der Fall kurz vor der Aufklärung. Nun wurde bekannt, dass die DNA-Probe einer Angehörigen für den Ermittlungserfolg entscheidend war.

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          Als Martina Gabriele Lange vor vier Jahren tot in einem Gebüsch nur wenige hundert Meter entfernt von der Ikea-Filiale in Nieder-Eschbach gefunden wurde, deutete sich an, dass der Fall nicht einfach aufzuklären sei. Arbeiter hatten die Leiche bei Mäharbeiten entdeckt. Die Polizei tat, was sie immer tat. Beamte der Mordkommission kamen, sicherten den Fundort. Dann wurde die Leiche in die Rechtsmedizin gebracht und obduziert. Der Körper wies keine größeren Gewalteinwirkungen auf. Dennoch war klar, dass die Frau getötet wurde. Die Polizei stufte den Fall als Gewaltverbrechen ein, ohne näher auf die Todesumstände einzugehen. „Aus taktischen Gründen“, wie sie sagt. Was allerdings unklar blieb, war die Identität. Vier Jahre lang.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst jetzt steht der Fall kurz vor der Aufklärung. Wie berichtet, hat die Polizei inzwischen nicht nur einen Namen und weiß, dass Martina Gabriele Lange, die von Freunden kurz „Gabi“ genannt wurde, zuletzt am Ben-Gurion-Ring gewohnt hat, wo sie oft gesehen wurde, wenn sie mit Hunden aus der Nachbarschaft spazieren gegangen ist. Sie hat inzwischen sogar den mutmaßlichen Täter ermitteln können. Einen 23 Jahre alten Mann aus Büttelborn.

          Hinreichende Indizien

          Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat den Fall übernommen, weil der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat mit 19 Jahren noch ein Heranwachsender war und somit das sogenannte Wohnortprinzip gilt. Wie Oberstaatsanwalt Robert Hartmann sagt, hat sich der Beschuldigte, der sich inzwischen in Untersuchungshaft befindet, zur Tat nicht geäußert. Ihm wird Totschlag vorgeworfen. Doch es gebe hinreichende Indizien, die einen dringenden Tatverdacht rechtfertigten. Dem Vernehmen nach spielt dabei der Umstand eine wesentliche Rolle, dass der Täter aus dem persönlichen Umfeld des Opfers stammt.

          Inzwischen sind weitere Details bekannt geworden, wie es überhaupt gelingen konnte, nach vier Jahren die Identität der 56 Jahre alten Frankfurterin zu klären. Nach ihrem Tod hatte die Polizei Lichtbilder veröffentlicht. Eines mit dem Gesicht der Frau. Ein weiteres mit dem auffälligen Tattoo, das sie im Nacken trug. Es meldete sich niemand. Wohl auch, weil die Fotos der „Gabi“ Lange, wie sie zu Lebzeiten aussah, den Bildern kaum ähnelten. Aber auch eine Vermisstenanzeige gab es nicht – was im Nachhinein verwundert, denn am Ben-Gurion-Ring war die Frankfurterin mit einigen Nachbarn gut bekannt.

          Die Polizei hatte den Fall schon zu den Akten gelegt. Den sogenannten Cold Cases. Womit niemand gerechnet hatte: Nach dreieinhalb Jahren meldete sich doch noch ein Zeuge. Völlig unvermittelt. Er behauptete, er habe Informationen zu der „Toten im Gebüsch“. Die Ermittler holten die Akte wieder hervor und besorgten sich die DNA, die damals von der Leiche genommen wurde. Es gelang, eine Angehörige der Sechsundfünfzigjährigen zu ermitteln. Sie war schließlich der Schlüssel zur Aufklärung der Identität. Die Beamten nahmen eine Vergleichsprobe – und stellten fest, dass es sich tatsächlich um die Frankfurterin handelte. Auch aus ihrem familiären Umfeld hatte sie offenbar niemand vermisst. Oberstaatsanwalt Hartmann sagt, es gebe inzwischen zahlreiche Hinweise, die in dem Fall weiterhülfen. „Aber der Beschuldigte schweigt.“ Es würden deshalb immer noch dringend Zeugen gesucht.

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