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Sozialwohnungen in Frankfurt : Legionellen und Blei im Trinkwasser

  • -Aktualisiert am

Klein, aber gemein: Legionellen-Bakterien Bild: dpa

In einem Gebäudekomplex in Frankfurt gibt es seit Monaten kein sauberes Wasser. Für alte Menschen ist die Lage prekär. „Ich weiß nicht, wie man da noch existieren soll“, klagt eine Bewohnerin.

          Hannelore Trescher kann es kaum fassen. Erst bekam die 87 Jahre alte Frau die Nachricht, dass in ihrem Trinkwasser Legionellen festgestellt worden seien, nun weiß sie seit wenigen Tagen, dass sich außerdem noch Blei im Wasser befindet. „Ich weiß nicht, wie man da noch existieren soll“, sagt die alte Frau, die seit vier Monaten in einem Apartment an der Ginnheimer Landstraße lebt. Ihre kleine Unterkunft gehört zu einem Gebäudekomplex mit insgesamt 357 Sozialwohnungen lebt, 107 davon sind Seniorenwohnungen. Eigentümer ist das Immobilienunternehmen Noratis.

          Die erste Nachricht hatte Trescher nach ihrem Einzug im Juli im Briefkasten liegen. Darin hieß es, in den Leitungen des Gebäudekomplexes Ginnheimer Landstraße 164-180 seien Legionellen gefunden worden, eine aggressive Bakteriengattung. Der Brief des Diwa-Instituts für Wasseranalytik, der dieser Zeitung vorliegt, war eindeutig: „Angesichts der extrem hohen Legionellenkontamination“ sei die Nutzung von Duschen und Brausen untersagt, heißt es darin. Der dabei entstehende Wasserdampf könne zur „Legionärskrankheit“ mit hohem Fieber und Lungenentzündung führen. Besonders gefährdet seien unter anderen ältere Menschen–Menschen wie Trescher.

          Filter-Aufsatz für die Dusche

          Auf dem Belehrungszettel fand sich der Hinweis, die Bewohner könnten sich beim Diwa-Institut für 90 Euro einen Filter-Aufsatz für die Dusche kaufen und so die von den Legionellen ausgehende Gefahr umgehen. Das tat Trescher und dachte, damit sei der Fall für sie erledigt. Doch die Rentnerin hatte sich zu früh gefreut. Am Samstag fand sie ein zweites Schreiben des Instituts in ihrem Briefkasten: Nunmehr sei Blei im Wasser nachgewiesen worden. Und diesmal waren die Einschränkungen noch gravierender. Weder zum Trinken noch zur Nahrungszubereitung, zum Abwaschen und zum Zähneputzen dürfe das Wasser verwendet werden. „So kann man doch nicht leben“, sagt Trescher. Wie lange die Bewohner die Situation ertragen sollen, ging aus Mitteilung nicht hervor. Stattdessen wurden „Untersuchungen sowie weitere Sofortmaßnahmen zur direkten Gefahrenabwehr“ angekündigt.

          In besagtem Schreiben bot die Hausverwaltung den Mietern an, sich innerhalb von zwei Stunden am Samstag im Hausmeisterraum Wasser abzuholen. Trescher deckte sich stattdessen mit Wasser aus dem Supermarkt ein, um sich zumindest die Zähne putzen zu können.

          „Wir wollen helfen“

          Dem Eigentümer Noratis ist das Leid seiner Mieter bewusst. „Wir wollen helfen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Die Schwierigkeiten mit dem Wasser habe das Unternehmen im vergangenen Jahr beim Erwerb des Gebäudes „mitgekauft“. Das Duschverbot wegen der Legionellen bestehe seit April, der hohe Bleigehalt hingegen sei neu. Das Unternehmen arbeite eng mit der Stadt zusammen, um eine Lösung zu finden.

          Fortan könnten die Bewohner das Wasser wieder zur Körperreinigung und zum Wäschewaschen nutzen, jedoch nach wie vor nicht zum Verzehr. Auch sei von der Stadt die Freigabe gekommen, drei Monate haltbare Wasserfilter zu bestellen, mit denen sowohl Blei als auch Legionellen erst einmal keine Gefahr mehr darstellten. Allerdings würden diese nur an einer Wasserstelle je Wohnung installiert. Noratis übernehme die Kosten–und liefere den Bewohnern bis dahin Wasser.

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