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Legalisierung von Cannabis : Frankfurt will drogenpolitisch Vorreiter sein

Treffpunkt für Dealer und Abhängige: Die Liberalisierung des Drogenhandels soll dunkle Geschäfte im Frankfurter Bahnhofsviertel vermeiden helfen. Bild: Laila Sieber

Die neue Bundesregierung wird Cannabis legalisieren. Was bedeutet das für Frankfurt? Die Drogenhilfe und die Polizei haben unterschiedliche Perspektiven.

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          Wenn die kontrollierte Abgabe von Cannabis flächendeckend in Deutschland eingeführt wird, ist Frankfurt eine der ersten Kommunen, die entsprechende Verkaufsstellen einrichten wird. Zumindest wenn es nach den Plänen der Koalition im Römer geht. Die Grünen, die den für die Drogenpolitik zuständigen Gesundheitsdezernenten stellen, fordern eine Freigabe ohnehin seit Jahren. Und auch die neue Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP) befürwortet die Legalisierung, weil sie sich davon eine Entspannung auf dem Drogenumschlagplatz Frankfurt erhofft. „Mit der Freigabe von Cannabis in geregelten Mengen wird ein großer Teil des illegalen Rauschmittelhandels wegfallen“, sagt Rinn. „Denn etwa 55 Prozent aller Betäubungsmittelstraftaten betreffen Cannabis.“ Ihrer Ansicht nach würde sich damit auch das Stadtbild in Frankfurt wandeln, mit folgender Konsequenz: „Wenn sich der Handel mit Cannabis erst normalisiert hat, müssen keine heimlichen Geschäfte in dunklen Ecken – wie beispielsweise im Bahnhofsviertel – mehr angebahnt werden. Ich bin überzeugt, dass auf diesem Weg nach kurzer Übergangszeit eine erste Entspannung der Lage eintreten wird, wenn der Erwerb von Cannabis auf geordneten, überprüfbaren Wegen vonstattengeht.“

          Doch ob eine kontrollierte Abgabe von Cannabis tatsächlich Auswirkungen auf den illegalen Drogenhandel hätte, bezweifelt die Polizei. Und das aus gleich mehreren Gründen. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, der als Frankfurter Ermittler die hiesige Szene kennt, sagt, die Dealergruppen, die sich in den vergangenen Jahren fest auf dem Markt etabliert hätten, würden sich durch eine kontrollierte Abgabe nicht von ihren Geschäften abbringen lassen. „Sie suchen sich andere Nischen, steigen dann möglicherweise auf andere Drogen um, was wiederum zu neuen Verteilungskämpfen führt.“ Zudem ist zu erwarten, dass sie den illegalen Handel darauf ausrichten werden, Cannabis günstiger als in den lizenzierten Abgabestellen zu verkaufen. Da dort die Freigabe erst ab 18 Jahren möglich sein soll, „was eine richtige Entscheidung ist“, würden weiterhin Jugendliche unter den Kunden bleiben.

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