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Lebensmittelkontrollen : Der Pizza-Schieber gleich neben dem Wischmopp

  • -Aktualisiert am

Festgenommen: Immer wieder stoßen die Beamten auf illegal Beschäftigte Bild: Daniel Pilar

Der Einsatz beginnt an der unteren Berger Straße, dort, wo sich ein Imbiss an den anderen reiht. Unter dem Arm tragen die Männer einen Ordner für jedes Lokal. Das Frankfurter Ordnungsamt kontrolliert Küchen streng. Dabei stoßen die Beamten auch auf illegal Beschäftigte.

          Der Einsatz beginnt an der unteren Berger Straße, dort, wo sich ein Imbiss an den anderen reiht. Ihren Streifenwagen haben die Männer in einer Seitenstraße geparkt. Unter dem Arm tragen sie einen dicken Stapel Akten, einen Ordner für jedes Lokal. Es ist Donnerstagabend, 18 Uhr: Gaststättenkontrolle des Frankfurter Ordnungsamts. Gut 30 Lokale wollen die Beamten an diesem Abend unter die Lupe nehmen, in zwei Gruppen mit jeweils etwa zehn Mann suchen sie nach illegalen Angestellten, schauen nach möglichen Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz und ziehen verfaulte Lebensmittel aus dem Verkehr. Mit dabei ist deswegen auch Fritz Merl, der Leiter des Veterinäramts. Um kurz nach sechs steht er in der Küche eines gutbürgerlichen Restaurants. In seinen 30 Jahren als Veterinär hat er schon viel erlebt, aber das hier ist „das Schlimmste, was ich in letzter Zeit gesehen habe“.

          Dabei hatte das Lokal von außen einen guten Eindruck gemacht. Im Gastraum dunkle Holztische, Parkettboden, an der Wand ein Schild, das ein Getränk namens „Scorpion“ als „Tonight's Special“ empfiehlt. Es gibt Nudeln mit Lachs für 8,80 Euro und Maiscremesuppe mit Kokosraspeln. Im Hintergrund läuft leise Musik. „Zum Chillen“, wie die Bedienung sagt. Entspannen kann der 62 Jahre alte Merl in dieser Umgebung allerdings nicht. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er in die Kühltruhe und findet Essensrückstände, „die gefährliche Bakterien enthalten können“. Im Regal stehen Konservendosen neben Putzeimern, auf dem Waschbecken ein voller Aschenbecher. Das Verfallsdatum des Lachses ist seit zwei Tagen abgelaufen, und die Maiscremesuppe entpuppt sich als senfgelbe zähe Flüssigkeit, die in einem Fünf-Liter-Eimer in der Ecke steht und übel riecht.

          „Chaos in einigen Küchen“

          Merl ist streng, wenn es um Hygiene geht. Seit Januar 2006 gilt eine neue EU-Verordnung, wonach es nicht mehr vorgeschrieben ist, die Beschäftigten eines Lokals im Gesundheitsamt untersuchen zu lassen. Stattdessen trägt die Verantwortung, ob es in einem Betrieb hygienisch zugeht, allein der Inhaber. Er muss sich in Hygienerecht und Produktionskontrolle examinieren lassen und seine Mitarbeiter regelmäßig darüber aufklären, wie man Lebensmittel vor Viren oder schädlichen Bakterien schützt. „Das scheinen viele Wirte allerdings zu vergessen“, sagt Merl. „Anders ist das Chaos in einigen Küchen nicht zu erklären.“

          Kein Platz für Fritten - das meint der Leiter des Frankfurter Veterinäramts, Fritz Merl

          Mit „Chaos“ meint der Veterinär vor allem mangelnde Sauberkeit. Und das gilt auch für das nächste Lokal. Orientalische Spezialitäten werden hier verkauft. Doch schon ein erster Blick hinter die Theke macht den Veterinär skeptisch. In einer Auslage liegen marinierte Steaks. Doch die Kühlung ist ausgeschaltet, das Thermometer zeigt 18 Grad. Unter der Theke steht eine Holzkiste mit Tomaten, von denen etwa die Hälfte verschimmelt ist. Zwei Kilogramm Fleisch werden schließlich vernichtet, weil es falsch gelagert wurde. Und noch etwas entdecken die Ordnungshüter: ein Schlafzimmer, unmittelbar neben dem Lagerraum. Hier schläft der Wirt.

          Solche Schlafstätten sind nichts Neues für die Beamten, zumindest für Martin Seeger nicht. Er gehört einer Sondereinheit der Stadtpolizei an und sucht an diesem Abend nach „Illegalen“. Er weiß, dass Kellerverschläge beliebte Verstecke für Menschen sind, die keine Arbeitserlaubnis haben. Illegal hält sich dieser Wirt zwar nicht in Deutschland auf - dafür aber ein anderer Mann im Lokal schräg gegenüber. Er ist Kroate, sein Visum ist seit einigen Monaten abgelaufen. Seeger und seine Kollegen haben ihn beim Flaschensortieren in einem etwa zehn Quadratmeter großen Kellerraum überrascht. Die Beamten der Landespolizei, die an diesem Abend auch dabei sind, nehmen den Mann fest und bringen ihn ins Polizeipräsidium. Noch am selben Abend wird er dem Haftrichter vorgeführt.

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