https://www.faz.net/-gzg-9kp18

Lärm am Frankfurter Flughafen : Gestörte Ost-West-Beziehung

Falls die Wetterverhältnisse im Südwesten Frankfurts wirklich durcheinandergewirbelt werden sollten, dürfte der Kampf um gerechte Verteilung des Lärms und anderer Emissionen des Luftverkehrs wieder schärfer werden. In den vergangenen Jahren ist er unter dem harmlos klingenden Stichwort „Rückenwindkomponente“ eher moderat ausgetragen worden. Der Begriff meint die Stärke, die noch erlaubt ist, um ausnahmsweise mit dem Wind gen Westen zu starten und von Osten her zu landen; seit den siebziger Jahren liegt die Grenze in Frankfurt bei fünf Knoten.

Das Bundesverwaltungsgericht hat jetzt noch einmal festgestellt, dass diese Regel zum Schutz der hochbelasteten Anwohner im Westen rechtens sei. Dagegen geklagt hatten in diesem Fall dem Fluglärm ausgesetzte Anwohner aus dem Süden Frankfurts mit der Begründung, es gebe keine rechtliche Grundlage, um von den mehrheitlich angewendeten Regeln der internationalen Luftfahrt abzuweichen. Die Richter in Leipzig bestätigten jedoch die Auffassung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, die Klage sei nicht zulässig und mögliche Ansprüche längst verwirkt.

Besserer Lärmschutz notwendig?

Laut Jühe, der Bürgermeister von Raunheim ist, wendet die Deutsche Flugsicherung (DFS) die Möglichkeit, bei leichtem Rückenwind zu starten und zu landen, aber in der Praxis nicht im versprochenen Maß an. Vor allem in den neuralgischen Morgenstunden wähle die DFS häufig den Ostbetrieb, obwohl Windrichtung oder Windstärke auch Westbetrieb möglich machten. Jühe erinnert daran, dass in dem vom Landtag beschlossenen Anti-Lärm-Pakt sogar vereinbart sei, zu prüfen, ob eine Erhöhung der Rückenwindkomponente auf sieben Knoten möglich sei. Als langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fluglärmkommissionen weiß er jedoch um die Schwierigkeiten, die damit verbunden wären. Insbesondere ist sehr ungewiss, ob die internationale Luftfahrtbehörde ICAO dem zustimmen würde.

Sollte sich in Frankfurt der Trend zu mehr Ostwetterlagen fortsetzen, ist es Jühes Ansicht nach umso wichtiger, alles zu tun, um zumindest die langjährige Verteilung der Betriebsrichtungen West zu Ost von 75 zu 25 Prozent zu sichern. Dies ließe sich durch eine optimierte Anwendung der gegenwärtig gültigen Fünf-Knoten-Regelung oder aber eine Anhebung der Rückenwindkomponente auf sieben Knoten bewirken.

Die Anwohner im Westen des Flughafens, die seit Jahrzehnten am stärksten durch den Fluglärm belastet seien, hätten darauf einen Anspruch. Zugleich müssten aber auch die Kommunen östlich des Flughafens besser vor Lärm geschützt werden. Zum Beispiel könnten die Maschinen beim Anflug auf die Parallelbahnen Offenbach umkurven. „Segmented Approach“ heißt das schon erprobte Verfahren. Im schwierigen Alltag des boomenden Weltflughafens ließ sich das bisher aber nicht verwirklichen.

Weitere Themen

„Jubiläum kein Grund zur Freude“

Demos von Flughafengegnern : „Jubiläum kein Grund zur Freude“

Rund Tausend Gegner des Flughafenausbaus versammelten sich am Montagabend zur 300. Demonstration in Frankfurt. Obwohl mit Tarek Al-Wazir ein früherer Ausbaugegner seit Jahren Verkehrsminister in Hessen ist, sehen sie nur wenige ihrer Forderungen umgesetzt.

Luftverschmutzung und ihre Auswirkungen Video-Seite öffnen

Videografik : Luftverschmutzung und ihre Auswirkungen

Über die indische Hauptstadt Neu Delhi legt sich jeden Winter eine dichte Smogglocke, verursacht durch Fahrzeug- und Industrieabgase sowie Bauern, die in der Umgebung der Hauptstadt abgeerntete Felder abbrennen. Luftverschmutzung ist gefährlich für die Gesundheit.

Topmeldungen

Muss weiter um den Starttermin als Kommissionspräsidentin bangen: Ursula von der Leyen

Kein grünes Licht für Ungar : Von der Leyen kann noch nicht aufatmen

Der Start von Ursula von der Leyens neuer EU-Kommission bleibt in der Schwebe: Der Kommissarkandidat aus Ungarn muss in die Nachbefragung. Und wegen Großbritanniens Weigerung, vor den Neuwahlen einen Bewerber zu nominieren, leitet Brüssel derweil ein Strafverfahren ein.
Ort einer Tragödie: S-Bahnhof Frankenstadion in Nürnberg (Archivbild)

Am S-Bahnsteig : Stoß mit tödlichem Ende

Zwei Jugendliche sind in Nürnberg angeklagt, zwei Schüler ins Gleisbett geschubst zu haben. Die beiden Jungen hatten keine Chance: Den Angriff konnten sie nicht sehen – die Täter standen hinter ihnen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.