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Ladenschluß : Tauziehen um längere Ladenöffnung an der Zeil

  • Aktualisiert am

Einkaufen bis spät in die Nacht Bild: F.A.Z., Dieter Rüchel

Zum Confederations Cup wollen einige Unternehmen auf der Zeil am Freitag- und Samstagabend ihre Geschäfte bis 22 Uhr öffnen. Die Interessengemeinschaft „Untere Bergerstraße“ hält die Aktion für eine „Luftnummer“.

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          Die private Initiative „Cityforum pro Frankfurt“ hat am Donnerstag eine Liste von Unternehmen verbreitet, die am Freitag- und Samstagabend ihre Geschäfte zwei Stunden länger als üblich offenhalten wollen. Die Möglichkeit dazu ergibt sich aus dem Entschluß der Landesregierung, anläßlich des Fußball-Confederations-Cups die Begrenzungen für Öffnungszeiten aufzuheben.

          Den Angaben zufolge werden folgende Geschäfte an der Zeil länger offenstehen: Adidas, Appelrath-Cüpper, Benetton, Zeilgalerie, C&A, Christ Conrad, Deichmann, Douglas, Eckerle Herrenmoden, Esprit, Footlocker, Hennes & Mauritz (alle drei Geschäfte), Mango, Marco Polo, Steinweg Mexx, New Yorker, Orsey, Peek & Cloppenburg, Pohland, Puma Saturn, Strauss Innovation Zeil, Woolworth, Wormland, Zara, Zero und die Zeil-Apotheke.

          Von der Geschäftsleitung „überrumpelt

          Eine verlängerte Öffnung hat auch die Galeria Kaufhof an der Hauptwache angekündigt. Geschäftsführer Günter Biere wies allerdings zugleich darauf hin, daß man vorhabe, dieses ohne Zustimmung des Betriebsrates zu tun. Das Gremium aber sieht in einer Verlängerung der Öffnung ohne seine Zustimmung eine Verletzung seiner Mitbestimmungsrechte aus dem Betriebsverfassungsgesetz (siehe Kasten) und hatte am Mittwoch angekündigt, eine Einstweilige Verfügung bei Gericht erwirken zu wollen. Karstadt, so hieß es am Donnerstag abend beim Cityforum, wolle ebenfalls öffnen, habe aber noch keine endgültige Entscheidung gefällt. Auch hier war es zum Disput mit der Arbeitnehmervertretung gekommen.

          Dort sah man sich ebenso „überrumpelt“ von der Geschäftsleitung. Diese gab ihrerseits via Cityforum den „Schwarzen Peter“ an die Landesregierung in Wiesbaden weiter und argumentierte, man dürfe sich nicht wegen deren verspäteter Ausnahmegenehmigung nun die Chance auf zusätzlichen Umsatz entgehen lassen. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi interpretiert man das als eine „bewußte Mißachtung der Mitbestimmung“, wie Dora Riss, bei Verdi für den Einzelhandel im Rhein-Main-Gebiet zuständig, am Donnerstag sagte.

          „Die Leute schauen in erster Linie Fußball“

          In den Stadtteilen bleibt dagegen auch in Confederations-Cup-Zeiten weitgehend alles beim alten - auch an der Hanauer Landstraße. Eine Ausnahme ist hier die Filiale der Baumarktkette Bauhaus, die am Freitag und Samstag bis 22 Uhr öffnen will. Ralph Michael Härth von der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße sagte, er habe erst sehr kurzfristig von der Möglichkeit erfahren, das Geschäft länger öffnen zu können. „Wir haben das eigentlich erst über die Medien erfahren“, äußerte er. Es könne sein, daß einzelne Häuser doch noch die Möglichkeit ergriffen, „das kommt darauf an, wie gut die ihre Mitarbeiter motivieren können.“ Eine geschlossene Öffnungszeiten-Aktion aller Händler an der Hanauer Landstraße wird es aber nicht geben.

          Auch in Höchst werden die Läden wie gewohnt schließen. „Das tangiert Höchst nicht, das bringt keine Menschen hierher“, sagt Thomas Reichert von der Interessengemeinschaft Handel und Handwerk. Es sei nie ein Thema gewesen, während des Confederations Cups länger zu öffnen, in Höchst würden ja nicht mal die allgemein zulässigen Öffnungszeiten ausgereizt. „Wir sind ein Nahversorgungszentrum, kein touristisches Einkaufserlebnis.“ Er könne sich nicht vorstellen, daß es für den Einzelhandel gewinnbringend sei, wegen des Cups die Läden bis in die Nacht hinein offen zu lassen. „Die Leute schauen in erster Linie Fußball, die stehen bis 22 Uhr vor einer Leinwand, aber die kaufen doch nicht ein.“

          „Das rentiert sich hier nicht“

          Das glaubt auch Walter Schulze von der Interessengemeinschaft Töngesgasse. Sehr kurzfristig habe er vom „Cityforum pro Frankfurt“ erfahren, daß längere Öffnungszeiten erlaubt seien. Daraufhin habe er das Thema angesprochen, sei aber nicht auf Interesse gestoßen. „Das rentiert sich hier nicht, wir sind ja Fachgeschäfte.“

          Edda Reyl, Sprecherin der Sachsenhausener Arbeitsgemeinschaft Schweizer Straße, ärgert sich dagegen ziemlich darüber, daß sie erst sehr spät informiert wurde. Sie gab die Nachricht an die rund 70 Mitgliedsbetriebe telefonisch weiter und stellte einen Nachteinkauf in deren Ermessen. Das Echo sei aber nicht positiv gewesen, berichtet sie - obwohl sie derartige Aktionen normalerweise begrüße. In der Kürze sei es aber fast unmöglich, zu reagieren. Die Beamten, die sich so viel Zeit mit ihrer Entscheidung gelassen hätten, seien „fern von Gut und Böse. Die wissen gar nicht, wie es in einem Unternehmen aussieht.“

          Eine „Luftnummer“

          Ein „kategorisches Nein“ zu längeren Öffnungszeiten meldet Christian Schwarz, Sprecher der Interessengemeinschaft „Untere Bergerstraße“. Für den stationären Handel in Cityrandlage sei das „völlig ungeeignet“. „Das kriegen wir hier auf der Straße organisatorisch nicht hin“, sagte er mit Blick auf die vielen Familienunternehmen. Citylagen oder Häuser auf der grünen Wiese könnten das machen, trotzdem sei ihm nicht klar, wo die zusätzlichen Konsumenten herkommen sollen: „Die Spieler stehen auf dem Platz und die Fans laufen nicht ohne Beschäftigung durch die Stadt.“ Längere Öffnungszeiten wegen des Confederations Cups hält er für „Aktionismus“ und für eine „Luftnummer“.

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