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Bohnen-Crashkurs : Gebrüht, gegossen und geschlürft

In der Rösterei Backyard Coffee in Niedereschbach ist Kaffee eine komplexe Wissenschaft. Bild: Francois Klein

Neue Koffeinlehre für zahlungswillige Kaffee-Freunde: Wie man den Wachmacher richtig trinkt, kann man in einer Frankfurter Rösterei lernen. Zu beachten gibt es da einiges.

          5 Min.

          Der erste Schluck ist schon falsch. Frischen Kaffee in eine Tasse gießen und trinken, das machen nur Laien. Profi Eric Wolf dagegen greift zu einem speziellen Cuppinglöffel, schöpft eine Probe aus der Tasse, hält den Löffel an die Lippen und schlürft. Nicht so ein dezent höfliches Suppenziehen mit spitzen Lippen, sondern mit viel Kraft und lautem Geglucker. „So kommt am meisten Luft ran“, erklärt Eric Wolf, der Kaffee zerstäube im Mund und man könne die Aromen am besten wahrnehmen. Seine Zuhörer in der Kaffeeküche von Backyard Coffee nicken, greifen ebenfalls zu Löffeln und schlürfen, als hätten sie einen kleinen Schluckauf. „Und?“, fragt der Geschmackstrainer. „Der ist ganz schön flach“, bekommt er als Antwort. „Wie Tee“, findet ein anderer. „Ist das der Gewaschene?“ Stimmt, sagt Wolf. Maschinell geerntet, industriell geröstet, billig verkauft. Ein Wachhalter, allenfalls, aber kein Genuss. Wolf notiert 1000 Punkte für dieses Team.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kaffee, das wissen nicht nur die zwölf Teilnehmer des Baristakurses bei Backyard Coffee, ist längst mehr als nur ein billiges bitteres Koffeingetränk, das aus einem Filter heraustropft. Seine neuen Anhänger betrachten ihn als Delikatesse, sie philosophieren über Mahlgrad und Abgang, über Lipide und Extraktion, First Crack und Boulders, die Unterschiede zwischen Picking, Stripping und den verschiedenen Tampertechniken. Für sie ist Kaffee eine komplexe Wissenschaft, die man studieren muss – und für die man auch mal samstags in einen Kurs nach Frankfurt-Nieder-Eschbach pilgert.

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