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Kunstgegenstände der Stadt Frankfurt : Kostbarer Matisse, wertvoller Monet

Die Stadt Frankfurt hat ihre Kunstgegenstände taxieren lassen. Der Matisse ist das teuerste Stück unter den etwa 1,8 Millionen Exponaten. Sie haben einen Gesamtwert von rund 730 Millionen Euro.

          Auf eine solche Idee können nur Banausen kommen – oder Finanzexperten. Die Stadt Frankfurt könnte doch einen Matisse verkaufen, 70 Millionen Euro dafür kassieren und mit dem Geld den Neubau des Museums der Weltkulturen finanzieren. Oder?

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Keine Sorge, es gibt keinen Grund zur Panik für Liebhaber der Frankfurter Kunst. Denn die Stadt will das Werk mit dem Titel „Fleurs et céramique: Les capucines“ aus der Galerie im Städel überhaupt nicht veräußern; die Summe ist nur eine Schätzung städtischer Kunstfachleute, damit städtische Finanzfachleute das kaum einen Quadratmeter große Stück – Öl auf Leinwand von 1911 bis 1913 – in der Bilanz der Stadt buchen können.

          Die meisten stücke ließen sich relativ gut bewerten

          Der Matisse ist das teuerste Stück unter den etwa 1,8 Millionen Exponaten in städtischem Eigentum. Sie haben einen Gesamtwert von rund 730 Millionen Euro, wie Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagt. Juristisch dürfte die Stadt all jene Gegenstände verkaufen, für die kein Vertrag mit einem Stifter etwas anderes vorschreibt. Kulturpolitisch aber wäre das undenkbar. „Das alles gehört zum Kulturschatz und zur Kulturgeschichte dieser Stadt“, sagt Semmelroth. Für die städtischen Kunstwerke gilt also dasselbe wie für den Römer und die Tiger im Frankfurter Zoo, die vor Jahren für die Bilanz ebenfalls erfasst wurden: Zum einen sollen sie nicht verkauft werden, zum anderen gäbe es für die meisten Stücke wohl auch keinen Käufer.

          Ein gutes Jahr lang haben die Institute, vor allem die Museen, ihre Schätze im Auftrag der Kämmerei inventarisiert. Dabei wurden sogenannte Wertcluster für verschiedene Kunstformen erstellt, also etwa eins für Gemälde, eins für Architekturkunstwerke und eins für Skulpturen, wie ein Mitarbeiter der Kämmerei erläutert. Innerhalb der Cluster wurden wiederum drei Wertkategorien gebildet, die sich je nach Art des Kunstgegenstands unterschieden. So ließen sich die meisten Stücke relativ genau bewerten.

          Das Städel kann sich glücklich schätzen

          Die herausragenden und wertvollsten Kunstwerke wurden von den Kuratoren in den einzelnen Instituten geschätzt. Das Städel kann sich glücklich schätzen, denn in seiner Städtischen Galerie findet sich nicht nur der Matisse, sondern auch das Werk mit dem zweithöchsten Schätzbetrag: das Gemälde „Le déjeuner“ von Claude Monet aus dem Jahr 1868; Wert: 50 Millionen Euro. Rang zwei muss sich Herr Monet allerdings mit Roy Lichtenstein teilen. Für dessen „Yellow and Green Brushstrokes“ aus dem Jahr 1966, das im Museum für Moderne Kunst (MMK) zu finden ist, wurde derselbe Wert ermittelt.

          Auf Rang vier folgt ein weiteres Gemälde von Lichtenstein. Es gehört ebenfalls zur MMK-Sammlung und trägt den Titel „We Rose Up Slowly“. Gemalt wurde es 1964, sein Wert wird mit 35 Millionen Euro angegeben. Den fünften Rang teilen sich Edgar Degas’ „Musiciens à l’orchestre“ von zirka 1870 aus dem Städel und ein „Erdglobus mit Holzgestell“ aus dem 17. Jahrhundert, der sich im Historischen Museum befindet. Beide Stücke stehen mit 30 Millionen Euro in der Bilanz.

          Unter den teuersten zwölf Kunstgegenständen finden sich zehn Gemälde

          Platz sieben belegen drei Gemälde von Andy Warhol, alle aus dem MMK. Sie werden auf jeweils 25 Millionen Euro geschätzt. Es handelt sich um „Green Disaster Ten Times“ von 1963, „Thirty-Five Jackies“ von 1964 und „Daily News“ von 1962. Auf dem zehnten Rang schließlich sehen die Kuratoren ebenfalls drei Stücke mit jeweils einem Wert von 20 Millionen Euro: eine Gutenberg-Bibel von 1454/55 aus der Stadt- und Universitätsbibliothek sowie die Gemälde „La fin du déjeuner“ von Pierre-Auguste Renoir aus dem Jahr 1879 und das „Paradiesgärtlein“, ein etwa 1410 von einem unbekannten Künstler geschaffenes Werk; die beiden Bilder gehören wiederum zur Städtischen Galerie im Städel und mehren so den Reichtum Frankfurts.

          Unter den teuersten zwölf Kunstgegenständen finden sich zehn Gemälde. Für Semmelroth ist klar, warum sie die Rangliste dominieren. „Die Kunstkritik, die den Kunstmarkt bestimmt, ist viel stärker ausgeprägt.“ Dadurch seien die Preise höher als in anderen Sparten. Trotzdem verkaufe kein renommiertes Museum in der Welt wertvolle Kunstwerke aus dem Bestand. „Auch nicht, um einen Bau zu finanzieren.“

          Der Wert steigt mit der Zeit

          Sorge um die Sicherheit der hiesigen Schätze mache sich der Kulturdezernent nicht, obwohl die Einzelwerte nun bekannt würden. Kunstkenner kennten sie ohnehin, und das Renommee eines Museums hänge von dessen Sammlung ab. „Die Leute müssen wissen, welche Schätze sie in den Häusern finden.“

          Sind die Kunstgegenstände einmal gebucht, bringen sie für die Bilanz der Stadt einen großen Vorteil. Denn anders als zum Beispiel eine Straße, deren Wert ohne Sanierung von Jahr zu Jahr sinkt, weil der Grad der Abnutzung zunimmt, steigen vor allem Werke von Gegenwartskünstlern nach und nach im Wert. Semmelroth nennt als Beispiel für eine gelungene Investition die Arbeiten von Andreas Slominski. Manche seiner Werke habe das MMK einst für weniger als 10.000 Euro erworben. „Jetzt erreichen sie hohe sechsstellige Summen.“

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