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Frankfurter Innenstadt : Ratgeber für ein besseres Stadterlebnis

Prickelnde Stimmung: Events wie der Rheingauer Markt an der Frankfurter Freßgas ziehen Leute in die Stadt. Bild: Stefanie Silber

Kunden kommen in die Frankfurter Innenstadt nicht nur zum Einkaufen, sondern auch, um etwas zu erleben, wie eine IHK-Umfrage zeigt. Diese Chance müsse der Einzelhandel nutzen.

          Käme es nur auf den Notendurchschnitt an, so könnten die Geschäftsleute in der Frankfurter Innenstadt zufrieden sein. Mit der Note 2,2 haben die 2000 Passanten, die im Auftrag der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Stadt auf wichtigen Einkaufsstraßen in der Innenstadt befragt wurden, die Attraktivität von Frankfurt bewertet. Das ist sogar leicht besser als bei der vorausgegangenen Umfrage vier Jahre zuvor, damals lautete die Durchschnittsnote 2,5. Schlecht beurteilt wurden allerdings wie in früheren Jahren Sauberkeit und Sicherheit in der Stadt, ebenso wie die Höhe der Parkgebühren.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zur Verbesserung des Gesamtergebnisses beigetragen haben nach Angaben der IHK die erstmals gestellten Fragen zum Angebot der Gastronomie und zu Veranstaltungen in der Innenstadt. 77 Prozent der Befragten gaben an, dass Veranstaltungen wie Stadtfeste und das Museumsuferfest für sie ein Grund seien, häufiger in die Innenstadt zu fahren. Jeder Dritte reist zum Kaffeetrinken oder zu einem Restaurant-Besuch an. Unterhaltung und Erlebnis spielten heute neben dem Einkaufen eine immer wichtigere Rolle, machte Alexander Theiss, IHK-Geschäftsführer für Standortmarketing, gestern bei der Vorstellung der Zahlen deutlich.

          Onlinehandel wächst

          Diese Chancen gelte es besser zu nutzen, sagte Joachim Stoll, Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der IHK Frankfurt. Umso mehr, als die Befragung nach seinen Worten auch zeigt, dass immer mehr Kunden online einkaufen. Gab vor vier Jahren noch jeder zweite Passant an, überhaupt nichts im Internet zu bestellen, so ist es inzwischen nur noch jeder fünfte.

          Das heißt allerdings nicht, dass die Befragten, von denen ein Drittel aus dem Umland kam, grundsätzlich nicht mehr in die Stadt gehen. Im Gegenteil: Nahezu dreimal so viel Kunden, die online einkaufen, gaben in der aktuellen Befragung an, weiter zum Einkaufen in die Innenstadt zu kommen. Gekauft wird aber weniger. „Die Frequenz ist gleich, aber der Durchschnittsbon geht runter“, sagte Theiss. Schließlich könne jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

          Freies W-Lan steigert die Attraktivität

          „Wir werden uns sehr anstrengen müssen, damit die Innenstadt attraktiv bleibt“, sagte Stoll, auch wenn Frankfurt im Vergleich zu anderen Großstädten gut dastehe. Eine Erhöhung der Parkgebühren und Fahrverbote für ältere Diesel sind dabei nach Ansicht der IHK das falsche Signal. Die Zahl der Innenstadtbesucher, die mit dem Auto nach Frankfurt fahren, ist nach der jüngsten Befragung sogar gestiegen, und zwar von 24 auf gut 32 Prozent, während im Vergleich zu 2014 nur noch 48 statt 66 Prozent mit Bus und Bahn fahren. Die IHK fordert deshalb einen besseren öffentlichen Nahverkehr.

          Zu einer attraktiven Innenstadt gehören aus Sicht der IHK-Handelsexperten auch die Sanierung von Hauptwache und Konstablerwache, ebenso ein durchgängig freies W-Lan-Netz überall in der Innenstadt. Für Thomas Feda, Chef der städtischen Tourismus- und Congress GmbH, ist es wichtig, dass Besucherströme in Frankfurt, die nach seiner Einschätzung in Zukunft weiter zunehmen, besser gelenkt werden. Dafür sei ein digitales Hinweis- und Wegeleitsystem in der Innenstadt hilfreich.

          Touristen wurden nicht befragt

          Ideen dazu, wie Frankfurt weiter vorangebracht werden kann, sollen in Zukunft auch mit einem professionellen City- und Stadtmarketing entwickelt werden. Die IHK fordert seit langem eine Standortpolitik aus einem Guss und setzt jetzt Hoffnung auf einen runden Tisch, der unter Leitung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Akteure – das sind Magistratsmitglieder sowie die Spitzen verschiedener Wirtschaftsorganisationen – an einen Tisch bringen soll. „Für uns als Stadt ist es wichtig, dass alle Beteiligten an einem Tisch sitzen und die großen Linien festlegen“, sagte Stefan Jäger, Leiter der Abteilung Presse und Citymarketing.

          Die Studie sei eine gute Datengrundlage, die es nun zu nutzen gelte. Dabei dämpfte Jäger zugleich die Erwartungen. Wenn Kunden zunehmend im Internet kauften, habe das auch mit dem Angebot in der Stadt zu tun. „Das können wir nicht ändern.“ In den internationalen Filialen an der Zeil etwa finde die Stadt keine Ansprechpartner mehr.

          Finanziert wird die Arbeit des Citymarketings in Zukunft auch über die Tourismusabgabe, die Frankfurt seit einem Jahr für Privatübernachtungen erhebt. Von einer Summe von in diesem Jahr vier Millionen Euro werden laut Feda zehn Prozent für das Citymarketing bereitgestellt. Das Institut für Handelsforschung in Köln hatte die Befragung diesmal in bundesweit 116 Städten aller Größen organisiert. Befragt wurden in Frankfurt nur einheimische Konsumenten, hingegen keine Touristen.

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