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Kulturpolitik in Frankfurt : Mehr Urbanität wagen

Keine Sanierung, sondern Neubau: das Schauspiel und die Oper am Frankfurter Willy-Brandt-Platz Bild: dpa

Frankfurt soll eine Kulturmeile bekommen, die vom Jüdischen Museum bis zur Alten Oper reicht. Die Mischung aus Kulturräumen und Hochhäusern könnte künftig für ein einzigartiges, spezifisch frankfurterisches Flair sorgen.

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          So groß waren die Möglichkeiten, mit kulturpolitischen Mitteln die Stadt zu gestalten, seit den Tagen von Hilmar Hoffmann und seinem Museumsufer-Projekt nicht mehr. Der marode bauliche Zustand von Schauspiel und Oper weckt Phantasien, wie ihre Neugestaltung Frankfurt im Innersten verändert. Die Idee einer Kulturmeile, die vom Jüdischen Museum bis zur Alten Oper reicht, hat etwas Bestechendes. Und ist ein Versprechen auf mehr Urbanität, wie es das Museumsufer zum Nutzen der Allgemeinheit längst eingelöst hat.

          Die Mischung aus Kulturräumen und Hochhäusern könnte künftig für ein einzigartiges, spezifisch frankfurterisches Flair sorgen, mit Grün, Gastronomie, architektonischen Solitären und einem nicht auf die Abende beschränkten kulturellen Angebot. Bei solchen Aussichten müsste allen, die sich mit der Stadt verbunden fühlen, das Herz aufgehen. Die Gelegenheit ist günstig. Nutzen wir sie.

          Herumbasteln am Bestand

          Die Kulturdezernentin jedenfalls hat sich fest vorgenommen, sie zu ergreifen. Wer meinte, Ina Hartwig sei zu zögerlich, um die Chancen zu erkennen, sieht sich getäuscht. Sie war gründlich. Und ließ sich Zeit. Einen wichtigen Etappenerfolg erzielte sie Anfang des Jahres, als die Frankfurter Stadtverordneten beschlossen, eine Sanierung der Städtischen Bühnen auszuschließen. Was nichts anderes bedeutet, als die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz abzureißen. Die von der Stadträtin eingesetzte Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen hat aber nicht nur dargelegt, dass ein Herumbasteln am Bestand teurer wäre, als neu zu bauen, sondern auch mehrere Neubau-Varianten und vor allem Grundstücke geprüft, die dafür in Frage kommen.

          Nun prescht die SPD-Politikerin abermals vor und bringt das Thema wieder aufs Tapet, indem sie Visualisierungen der beiden nach Meinung der Fachleute sinnvollsten Vorschläge präsentiert. Die von ihr favorisierte, die Oper auf dem Sparkassen-Gelände an der Neuen Mainzer Straße neu zu errichten und das Schauspiel auf dem Willy-Brandt-Platz, ließe die Wallanlagen unangetastet. Im Gegenteil: Sie erführen eine Aufwertung. Wie auch der Ort, an dem heute das Theatergebäude steht.

          Aus der Straßenbahnhaltestelle mit Blick in die Grünanlage könnte etwas werden, das die Bezeichnung „Platz“ verdient. Und zum Verweilen einlädt. Die Dezernentin tut gut daran, solche Perspektiven zu entwickeln. Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht, dass daraus schnell Taten werden. Wegen der Finanzen. Und weil es im Magistrat gerade keine Mehrheit dafür gibt.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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