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Kulturpolitik : "Bei Forsythe seid ihr auf der sicheren Seite"

  • Aktualisiert am

Nach der Unterzeichnung des Ballett-Kooperationsvertrages durch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bemüht sich der Koordinator der geplanten ForsytheGmbH, Bernhard Freiherr von Löffelholz, jetzt um ein Spitzentreffen der vier Partner Hessen, Sachsen, Frankfurt und Dresden.

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          Nach der Unterzeichnung des Ballett-Kooperationsvertrages durch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bemüht sich der Koordinator der geplanten ForsytheGmbH, Bernhard Freiherr von Löffelholz, jetzt um ein Spitzentreffen der vier Partner Hessen, Sachsen, Frankfurt und Dresden. Frankfurts früherer Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) appellierte unterdessen an die Frankfurter SPD, einer Beteiligung der Stadt an der Ballett-Kooperation im Stadtparlament zuzustimmen. "Bei Forsythe seid ihr auf der sicheren Seite", ermunterte er seine Parteifreunde. Stadtkämmerer Horst Hemzal (CDU) wiederum will eine Lösung anbieten, die einen für die Stadt mit hohen finanziellen Risiken behafteten Betriebsübergang vom Ballett Frankfurt zur neuen Forsythe GmbH verhindert.

          Löffelholz zeigte sich optimistisch, daß die zwischen Hessen, Sachsen, Frankfurt und Dresden verabredete Kooperation jetzt doch noch zustande kommt.In Sachsen sei das Projekt unumstritten, die Finanzierung gesichert: "Der politische Wille ist vorhanden." Seinen Angaben zufolge liegen mittlerweile auch die Zusagen zweier privater Sponsoren vor, die sich an der Forsythe GmbH beteiligen wollten. Er sei dabei, einen Termin zu verabreden, bei dem die Oberbürgermeister von Dresden und Frankfurt sowie die Kulturminister von Sachsen und Hessen noch offene Fragen klären könnten, sagte Löffelholz.

          Hemzal will seinerseits in Gesprächen mit den drei Kooperationspartnern sicherstellen, daßauf Frankfurt keine Verpflichtungen zukommen, die über die im Vertrag festgelegten hinausgehen. Er setzt in der Frage des Betriebsübergangs auf ein Abfindungsmodell, wonach jene Tänzer, die nicht in die neue Kompagnie übernommen werden, eine einmalige Zahlung erhalten und dafür auf Klagen vor dem Arbeitsgericht verzichten. In einem weiteren Schritt will er eine Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung erstellen, in der die finanziellen und organisatorischen Details des Ballett-Vorhabens geklärt werden.

          Nach Hemzals Ansicht sollte der Frankfurter Beitrag für die Forsythe GmbH aus dem Zuschuß finanziert werden, den die Städtischen Bühnen von der Kommune erhalten. Der Kämmerer wies auf den vom Viererbündnis gutgeheißenen Plan hin, nach der Auflösung des Balletts Frankfurt im Sommer dieses Jahres einige Ballett-Produktionen einzukaufen. Man könne, so Hemzals Überlegung, die dafür geplanten Mittel für die neue Forsythe-Kompagnie nutzen. Außerdem erziele die Forsythe-Truppe mit den geplanten Tanzaufführungen im Bockenheimer Depot Einnahmen, die ebenfalls zur Deckung der Kosten verwendet werden könnten.

          Weiterhin unklar bleibt, wieviel Geld die Stadt für das neue Forsythe-Ballett tatsächlich zur Verfügung stellen muß. Unumstritten sind jene 200000 Euro, die Frankfurt zur Grundfinanzierung der Kompagnie laut Vertrag beizusteuern hat. Dazu kommen geschätzte Kosten von weiteren rund 300000 Euro für technisches Gerät, Räume und Theaterpersonal, von denen jedoch nicht sicher ist, inwieweit sie wirklich anfallen. Bernd Fülle, der geschäftsführende Intendant der Städtischen Bühnen, spricht von einer Leihgebühr für technische Ausrüstung, die sein Haus von der Forsythe GmbH verlangen wolle. Dazu kämen 200000Euro kalkulatorische Kosten für die Nutzung des Bockenheimer Depots während dreier Monate im Jahr sowie die ganzjährige Belegung von vier Büroräumen und dem alten Ballettsaal der Städtischen Bühnen.

          Hoffmann warnte die Gegner des Projekts vor einem Rückfall in "Banausentum". Die Frankfurter Sozialdemokraten, die einmal für eine progressive und innovative Kulturpolitik die engagierte Elite der Republik gebildet hätten, dürften nicht hinter ihren damaligen Anspruch zurückfallen und ihre kulturelle Reputation verspielen. Viele Parteimitglieder hofften, daß sich ihre gewählten "Spitzengenossen" einen Ruck gäben und Forsythe in der Stadt hielten. (rieb.)

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