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Kulturlanschaft : „Äppelnetz“ für Streuobstwiesen

Schützenswert: Streuobstwiese in Bergen-Enkheim Bild: Florian Manz

Das Mainäppelhaus Lohrberg will ein Modellprojekt zur Pflege der Kulturlandschaft auflegen.

          2 Min.

          Im Sossenheimer Unterfeld prägen sie die Landschaft. Auch in Niederursel, Harheim, Seckbach und in Bergen-Enkheim sind die für Frankfurt typischen Streuobstwiesen zu finden. Die Wiesen am Berger Hang, die sich von Frankfurt bis Maintal-Bischofsheim erstrecken, sollen die größte zusammenhängende Streuobstfläche Hessens sein. 355 Hektar machen die Wiesen in Frankfurt aus, das sind 1,4 Prozent des Stadtgebiets.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch die Kulturlandschaft, die einst Familien miternährt hat, ist Fachleuten zufolge in Gefahr. Das Senckenberg-Institut hat ermittelt, dass rund 40 Prozent der Frankfurter Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt werden. Anlass für Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen), 2009 die Aktion „Apfel-Appell“ zu beginnen, um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen und Bürger für die Pflege einzelner Parzellen zu gewinnen. Doch es ist aufwendig, die Grundstücke zu bearbeiten.

          Großes Interesse der Frankfurter

          Diese Erfahrung hat auch der Verein Streuobstzentrum Mainäppelhaus Lohrberg gemacht, dessen Mitglieder sich schon lange bemühen, den Verfall der Streuobstwiesen-Landschaft zu stoppen. Doch der Verein brauchte bis zum vergangenen Sommer, um 20 private Grundstücksbesitzer zu ermitteln, die bereit waren, ihre zum Teil schon verbuschten Wiesen an Pächter abzugeben.

          Völlig überraschend war für den Verein das große Interesse der Frankfurter an diesen Grundstücken. Innerhalb von drei Monaten habe man alle Areale vermittelt, weitere 30 Interessenten stünden auf der Warteliste, sagte Barbara Fiselius, Zweite Vorsitzende des Streuobstzentrums. Ermutigt durch diesen Erfolg, will der Verein mit Unterstützung der Stadt nun ein auf drei Jahre angelegtes Modellprojekt beginnen, das für alle Streuobstwiesen in Frankfurt vorbildlich sein soll.

          Erfahrungsaustausch am Stammtisch

          Geplant ist ein „Äppelnetz“, eine Art Betreuungspaket für die Pächter und Besitzer von Streuobstwiesen. Dazu soll nicht nur die Vermittlung der Parzelle bis hin zu den Vertragsverhandlungen mit den Besitzern gehören, sondern auch die Anleitung zur Pflege des Grundstücks und regelmäßige Stammtische zum Erfahrungsaustausch. Der Verein will in seinem Modellprojekt auch den Ernteeinsatz koordinieren, das Keltern organisieren und auch sonst Hilfe anbieten, wo es nötig ist, bis hin zum Ausleihen von Mähern und Sägen und der gemeinsamen Entsorgung des Schnittguts.

          Der Verein sucht noch nach Sponsoren für das Vorhaben und hofft, dass sich auch Grundstückbesitzer melden, die ihre Wiesen an jüngere Nutzer abgeben wollen. Dass ein solches Angebot notwendig ist, weiß das Streuobstzentrum aufgrund der Nachfragen. Das Wissen, wie eine Streuobstwiese gepflegt werden muss, ist nach Ansicht von Fiselius weitgehend verlorengegangen.

          „Streuobstwiesen sind zum Hobby geworden“

          Ursache ist nach Angaben von Umweltdezernentin Rottmann der heute fehlende wirtschaftliche Anreiz. „Streuobstwiesen sind zum Hobby, zur Liebhaberei geworden.“ Dabei seien sie wichtig für Frankfurt. Nicht nur, weil sie das Landschaftsbild prägten und Erholungsraum darstellten. Sie hätten auch eine ökologische Funktion. Wollte die Stadt selbst diese Landschaft erhalten, wäre der „Schritt zum Freilichtmuseum“ nicht weit. Rottmann nannte deshalb das Modellprojekt des Streuobstzentrums „vorbildlich“ und „aller Ehren wert“. Auch das Umweltamt, das städtische Grundstücke vermittele, wisse, dass sich Pächter nur durch gute Beratung halten ließen. Die Stadt könne dies nicht leisten.

          Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) lobte das Bemühen des Streuobstzentrums, mit Angeboten für Kinder auch die Eltern wieder an die Natur heranzuführen. Die geplanten Veranstaltungen rund um Wiese und Apfelbaum können ein „wunderbares Miteinander aller Generationen“ ermöglichen.

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