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Kulturcampus : Rätselraten über Weimars Strategie

Das Universitätsgelände in Bockenheim soll sich in einen Kulturcampus verwandeln Bild: Wonge Bergmann

Die Aussicht auf einen Kulturcampus in Bockenheim erfreut die Fraktionen. Planungsdezernent Schwarz hinterfragt jedoch die Pläne des Landes, den Campus nicht in einem Paket zu verkaufen.

          Am Ende wollen es mal wieder alle gewesen sein. Die FDP erinnert an ihren Antrag für ein Zentrum des Tanzes rund um das Bockenheimer Depot. Die Grünen verweisen auf jenen der Koalition, bei der Suche nach einer Lösung für die unter Raumnot leidende Musikhochschule auf das Land einzuwirken, auch einen neuen Standort am Bockenheimer Depot zu prüfen. Und der Kreisvorsitzende der Frankfurter CDU, Boris Rhein, betont mit professioneller Eitelkeit, er selbst habe sich intensiv beim Finanzminister für das Projekt eingesetzt. „Das ist ein tolles Abschiedsgeschenk Karlheinz Weimars, für das wir sehr dankbar sind“, sagt er.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch wenn sich der Vater des Gedankens, das Universitätsgelände in einen Kulturcampus zu verwandeln, nicht mehr zweifelsfrei ermitteln lässt – der größte Gewinner steht fest. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wird „in eine andere Liga katapultiert“, wie ihr Präsident, Thomas Rietschel sagt. „Sie sehen mich glücklich“, fügt er hinzu.

          40 000 Quadratmeter für Kultur

          Zählt man den Raumbedarf der Musikhochschule und jenen der anderen Kulturinstitute, die auf den Campus ziehen sollen – darunter das Ensemble Modern, die Junge deutsche Philharmonie und das Musik-, Theater- und Tanzlabor „Frankfurt LAB“ –, so kommt man auf zusammen 40 000 Quadratmeter für Kultur. Das sind etwa zwölf Prozent der auf dem Campus zur Verfügung stehenden Neubaufläche. Für Büros und Gewerbe sind 180 000 Quadratmeter, also 52 Prozent des Geländes vorgesehen. Der Wohnanteil liegt nach den aktuellen Berechnungen bei 37 Prozent.

          Mit dem Bau der ersten 200 Wohnungen wird die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG frühestens im nächsten Jahr beginnen. Ursprünglich sollte das gesamte Gelände an die Helaba-Projektentwicklungstochter OFB und die ABG veräußert werden, damit die Stadt ihren Einfluss auf die Entwicklung des Areals behält. Dass die beiden Gesellschaften nun zunächst nur auf einer kleinen Fläche nördlich des Bockenheimer Depots zum Zuge kommen sollen, sorgt für Erstaunen. Der Finanzminister will es seinem Nachfolger überlassen, das Areal stattdessen in kleinen Stücken an Investoren zu veräußern. Mit dem Erlös werde der Umzug der Universität finanziert.

          „Das ist nicht meine favorisierte Lösung“

          Im Planungsdezernat ist man mit der Entscheidung für den Kulturcampus zufrieden, nicht aber mit den neuen Verkaufsplänen: „Das ist nicht meine favorisierte Lösung“, sagt Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU), der befürchtet, dass nun „die Rosinenpickerei“ beginnt. Er vertritt die Ansicht, dass das Gelände in einem Guss entwickelt werden sollte, damit keine Brachflächen entstehen. Schwarz nennt das Europaviertel als gelungenes Beispiel für eine solche Entwicklung.

          In der Immobilienbranche wird der Sinneswandel des Finanzministers gutgeheißen. Es sei eine „kluge Entscheidung“, die Entwicklung des Geländes in mehrere Hände zu geben, sagt ein Makler. Das Land befinde sich in der komfortablen Situation, mit dem Verkauf des Grundstücks abwarten zu können. Ein anderer Fachmann bezeichnet das Wertgutachten, das den Verkauf an OFB und ABG vorbereiten sollte, als übertrieben. Es hätte eine zu hohe Ausnutzung mit dunklen und engen Wohnungen bedeutet. Aus Sicht des Landes sei es klüger, das Grundstück „marktgerecht“ anzubieten.

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