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Künstliche Intelligenz : Reparieren muss immer noch der Mensch

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Versuchsroboter Pepper: Beim Thema Künstliche Intelligenz denken viele eher an Androiden als an Algorithmen. Bild: EPA

Wie nützlich ist Künstliche Intelligenz – und was ist das eigentlich? Bei einer Diskussion in Frankfurt wurden eher die Chancen als die Risiken der neuen Technik gesehen.

          Ein Roboter als lustig piepsender Helfer, aber auch als eiskalter Vernichter der Menschen – in Hollywood-Filmen wie Matrix, Star Wars und Terminator zeigen sich abenteuerliche Vorstellungen von Künstlicher Intelligenz. Die Realität hingegen entsteht beim Unternehmen Samson. Der Ventilbauer aus dem Frankfurter Osten hat kürzlich eigens eine Tochterfirma namens Samsons Pilotentwicklung in München gegründet, die kluge Algorithmen und Anwendungen entwickeln soll.

          Schon heute lässt sie Drohnen über ihre Produktionsstätten fliegen, die zum Beispiel undichte Stellen und defekte Schornsteine erkennen. „Das ist weit weniger gefährlich“, sagt Andreas Binder, Geschäftsführer der Samson-Tochter. Zuvor hätten Menschen diese Arbeit erledigen müssen. 1600 Menschen beschäftigt das Unternehmen allein in Frankfurt und der Region, 4000 sind es weltweit.

          Dass Künstliche Intelligenz längst nicht mehr nur ein Thema für Schience-Fiction-Filme ist, zeigte die Diskussion, zu der Metropol, das Wirtschaftsmagazin des Verlags dieser Zeitung für die Rhein-Main-Region, und der Frankfurter Immobilienspezialist Ballwanz in dessen „Lebenswelten“ im Westend eingeladen hatten. Bei Künstlicher Intelligenz dächten viele fälschlicherweise an menschenähnliche Roboter in der Zukunft, sagte Yilmaz Alan, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

          Künstliche Intelligenz fängt bei Datenanalyse an

          Doch einiges Intelligente gebe es schon heute zu Hause. Das Filmportal Netflix zum Beispiel sammele und analysiere Daten darüber, welche Filme die Kunden häufig ansähen. Daraus werde ermittelt, welche anderen Filme einem Nutzer ebenfalls gefallen könnten. Auch von Amazon kenne man das unter „Wer das kaufte, kaufte auch“. „Next best offer“ oder „Next best action“, nenne sich dieses Verfahren, hieß es an dem Abend. Daten sammeln, auswerten und mit einer lernenden Software eine neue Handlung vorschlagen – das sei Künstliche Intelligenz.

          Samson nutze dieses Verfahren etwa, um Ventile zu testen, bevor sie tatsächlich eingesetzt würden, erläuterte Binder. In einer 3D-Simulation spiele sein Team durch, ob das Ventil klemme oder Schaden nehme, wenn es in einer bestimmten Anlage oder Umgebung betrieben würde. Die Künstliche Intelligenz beobachte, berechne und mache dann eigene Lösungsvorschläge. Das sei einer der Vorteile, fügte Alan hinzu: Moderne Computer könnten Informationen viel schneller verarbeiten, zuordnen und Schlussfolgerungen ziehen.

          Nun nehmen Roboter schon lange Menschen Arbeit ab, die immer gleich abläuft. Autohersteller nutzen sie seit Jahrzehnten für einen großen Teil der Produktion. Doch die Roboter sind meist „dumm“, denn sie gehen nach einem festen Programm vor. Intelligente Computer dagegen können selbständig handeln und reagieren. Immer häufiger wird diskutiert, ob diese Technologien Arbeitsplätze kosten, und ob sie den Menschen die Freiheit nehmen, autonom zu handeln. Gerade in Deutschland sprechen Forscher viel über ethische Grundlagen. Welche Entscheidungen kann ein System Menschen abnehmen, und wie sehr darf ein Staat seine Bürger beobachten, um für mehr Sicherheit zu sorgen?

          Miteinander von Technologie und Menschen

          China nutzt bereits heute Überwachungssysteme, die an einer Kamera vorbeilaufende Menschen erkennen. Damit sollen beispielsweise Kriminelle aufgespürt werden können. Unter den Zuhörern in Frankfurt weckte das Skepsis. Auch das Punktesystem, das China eingeführt hat, um das Verhalten seiner Bürger zu bewerten, sorgte bei den Gästen für Angst, entmündigt zu werden.

          Diese Ängste beobachten auch Binder und Alan. Binder sagt, er sehe in der Künstlichen Intelligenz ein Miteinander von Technologie und Menschen. „Es gibt Bereiche, in denen sie mit Menschen interagieren können.“ Bei Samson müsse das Leck oder den Schornstein am Ende immer noch ein Mitarbeiter reparieren. Das Entwicklerteam, zu denen Psychologen und Ökonomen gehörten, beschäftige daher stets die Frage: „Wie kann der Mensch eingebunden werden?“

          Bei einem Stimmungsbild im Raum zeigten sich trotzdem die meisten Besucher optimistisch, dass sich Deutschland mit intelligenten Systemen zum Positiven entwickeln werde. Auch EY-Berater Alan zeigte sich optimistisch. Wenn Technologien Menschen Arbeit abnähmen, könne sich die Gesellschaft kreativ beschäftigen. Eines allerdings bereitet ihm Sorgen: Zwar sei die Künstliche Intelligenz eines der Top-Themen in den Unternehmen. Doch man laufe Gefahr, von anderen Ländern abgehängt zu werden. Deutschland sei zwar stark in der theoretischen Forschung, aber andere Länder seien schneller darin, sie dann in die Praxis umzusetzen, merkte der Unternehmensberater an.

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