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„Künstlerkeller“ : „Das kann kein Gastronom machen“

  • -Aktualisiert am

Sanierungsbedürftig: der „Künstlerkeller” Bild: Kai Nedden

Beim Institut für Stadtgeschichte wünscht man sich einen Nachfolger für den traditionsreichen „Künstlerkeller“. Doch wegen der Kosten für die nötige Sanierung sind die Aussichten schlecht.

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          Der „Künstlerkeller“ ist tot – und er wird es auf absehbare Zeit bleiben. In den Räumen im Gewölbe des Karmeliterklosters, in denen das traditionsreiche Lokal fast 50 Jahre lang residierte, bevor es im März vergangenen Jahres wegen Insolvenz geschlossen wurde, herrscht derzeit fast gähnende Leere. Nur ein paar Biertische lehnen an einer Gewölbewand, Metallstreben liegen auf dem Boden. Es riecht nach Kneipe.

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Der Keller sieht aus wie eine Ruine“, sagt Helmut Nordmeyer vom Institut für Stadtgeschichte. Der Abteilungsleiter für die nichtstädtischen Sammlungen ist zuständig für das Baugeschehen in seinem Hause und damit auch für die Räume des ehemaligen „Künstlerkellers“. Um an selber Stelle ein neues Lokal zu eröffnen, bedürfte es nach seiner Einschätzung erheblicher baulicher Anstrengungen – „und das wird teuer.“

          Investitionen von bis zu einer Million Euro nötig

          So teuer, dass sich nach Nordmeyers Ansicht so bald kein Betreiber für den Keller finden wird: „Das kann kein Gastronom machen.“ Es habe zwar schon Gespräche mit einigen Interessenten gegeben, „aber von denen haben wir nie wieder was gehört.“ Der Abteilungsleiter schätzt die für eine Neuzulassung nötigen Investitionen in Brandschutz, Fluchtwege, Toiletten und Personalräume auf eine halbe bis eine Million Euro. Geld, das in der Sanierungsvorlage für das historischen Gebäudeensemble des Karmeliterklosters, in dem das Institut für Stadtgeschichte untergebracht ist, nicht eingeplant war.

          Im Liegenschaftsamt hat man zwar nichts gegen eine neuerliche Nutzung des Kellers einzuwenden, wie Amtsleiter Alfred Gangel sagt. Um die mehr als 400 Quadratmeter großen Kellerräumlichkeiten, in denen bis vor einem Jahr der „Künstlerkeller“ untergebracht war, für eine neue Nutzung herzurichten – die bisherige Einrichtung, das alte Mobilar und die Küche mussten nach Nordmeyers Worten entsorgt werden –, müsste die Stadt jedoch neu planen und die nötigen Mittel in den Haushalt einstellen. Aber dafür sieht man im zuständigen Kulturdezernat keinen Spielraum. „Bei der derzeitigen Haushaltslage geht das nicht“, sagt Dezernatssprecherin Kirsten Grote-Bär. Vorstellbar sei allenfalls eine kostenneutrale Lösung, sprich ein Vertrag mit einem Gastronomen, der in Vorleistung geht. Doch das scheint angesichts des Investitionsvolumens derzeit aussichtslos.

          „Wir müssen unbedingt was machen“

          Institutsdirektorin Evelyn Brockhoff möchte beim Magistrat am liebsten dennoch mit konkreten Vorschlägen für eine Sanierung werben. Deshalb hat sie mehrere Architektenbüros gebeten, Vorschläge zu machen, wie das Gewölbe am besten zu nutzen wäre, wie sie sagt. Die Insolvenz der vorigen Pächters habe sie als Chance für eine „komplett neue Planungsmöglichkeit“ begriffen. Zumal zu den zwei großen Räumen des ehemaligen Lokals seit zwei Monaten ein dritter hinzugekommen ist, wodurch sich die für einen gastronomischen Betrieb nutzbare Fläche auf rund 600 Quadratmeter erhöht. Der über Teilen des Kellergeschosses liegende Elektrohandel habe dort früher Waren gelagert, brauche die Fläche nun aber nicht mehr. Nachdem Brockhoff eine Wand durchstoßen ließ, ist sie ganz begeistert, weil das Gewölbe des neuen Teils „ursprünglich mittelalterlich“ anmute.

          Im höher gelegenen Teil des Klosterkellers könnten nach Brockhoffs Vorstellungen künftig die Toiletten des Lokals untergebracht werden, weil die dort an der Decke befestigten, großen Rohre die Gäste sowieso immer gestört hätten. Sie wünsche sich eine Mischnutzung, am besten einen Betreiber, der auch ein kleines kulturelles Programm anbieten wolle. Wenn er das Institut bei wichtigen Anlässen außerdem als Caterer beliefern könnte, wäre das schön, findet Brockhoff. Eines aber steht für sie fest: „Wir müssen unbedingt was machen. Das ist ja das Fundament unseres Klosters.“

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