https://www.faz.net/-gzg-y35w

Künftiges Generalkonsulat : Die chinesische Festung in Sachsenhausen

Hochsicherheitszone:Mehr als drei Meter hoch ist der Zaun rund um das Areal des künftigen Generalkonsulats der Volksrepublik China. Bild: ©Helmut Fricke

Das künftige Domizil des chinesischen Generalkonsulats in Sachsenhausen umgibt ein mehr als drei Meter hoher, martialischer Zaun. Die Bauaufsicht musste ihn genehmigen – aber dahinter schauen darf sie nicht.

          3 Min.

          So werden normalerweise Botschaften in Krisengebieten geschützt. Die amerikanischen und deutschen Vertretungen in Kabul, Bagdad und Khartum zum Beispiel. Dieser drei Meter hohe, mit messerscharfen Zacken bewehrte und mit Sichtblenden versehene Metall-Zaun aber steht in Sachsenhausen, an der Ecke von Kennedy- und Stresemannallee. Er schützt das künftige Generalkonsulat der Volksrepublik China.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon vor knapp drei Jahren hat die Regierung in Peking das denkmalgeschützte Bürogebäude, in dem lange Jahre der Verband der Elektrizitätswirtschaft residiert hatte, erworben und das Architektenbüro Albert Speer & Partner mit der Umgestaltung beauftragt. Die Bauarbeiten sind nach Auskunft des Generalkonsulats aber erst vor einigen Monaten angelaufen. Zu deren Fortgang und zu der Frage, warum der martialische Zaun rund um das Gelände aufgestellt wurde, will sich die chinesische Vertretung nicht äußern, eine Mitarbeiterin der Pressestelle kontert entsprechende Anfragen stets mit der Gegenfrage: „Warum wollen Sie das wissen?“

          „Für die Schönheit bleibt nur wenig Raum“

          Mit dem Bau des Zauns wurde ohne Genehmigung begonnen. Nachdem die Bauaufsicht intervenierte, wurde schließlich ein Bauantrag nachgereicht – und genehmigt. Der Behörde bleibe keine andere Wahl, führt Amtsleiter Michael Kummer aus: „Das Wiener Abkommen verpflichtet, für die territoriale Integrität des Geländes zu sorgen.“ Das Wiener Übereinkommen von 1963 regelt die konsularischen Beziehungen zwischen dem jeweiligen Entsendestaat und dem Gastland. Die aktuellen Sicherheitsanforderungen der Gebäude wiederum werden vom Landeskriminalamt definiert. „Für die Schönheit bleibt nur wenig Raum“, sagt Kummer.

          Das russische Generalkonsulat am Oeder Weg umgibt ebenfalls ein hoher Zaun. Und das weitläufige Areal der Amerikaner an der Gießener Straße erfüllt auch die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 verschärften Sicherheitsstandards. In Sachsenhausen beziehen die Chinesen allerdings ihr neues Domizil an besonders exponierter Stelle. Das Gebäude und der Zaun liegen an der Kreuzung zweier wichtiger Einfallstraßen und sind gut sichtbar. Beim Umbau allerdings sind die Richtlinien des Denkmalschutzes einzuhalten. Im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens sind die inneren Umbauten genehmigt worden, der Denkmalschutz hat zugestimmt.

          Geheimniskrämerei hinter dem Zaun

          Über die Fortschritte des Bauvorhabens hinter dem Zaun gibt es keine verlässlichen Informationen. Die Chinesen betreiben auch hier Geheimniskrämerei. Was auf dem Grundstück passiert, bleibt sogar der Bauaufsicht verborgen. „Wir dürfen das Grundstück nicht betreten“, sagt Kummer. Die Polizeigewalt endet an der Grundstücksgrenze von Konsulaten.

          Bei Albert Speer & Partner ist man, so hört man, über den Auftrag nicht glücklich. Auf Anfrage heißt es bei den Stadtplanern und Architekten zwar, man betreue die Volksrepublik nur bei der Stellung des Bauantrags, alles andere stamme von den Chinesen. Doch das Büro, das sich seit Jahren erfolgreich in China engagiert, ist formell der Entwurfsverfasser des Zauns.

          Wenig Empörung in Sachsenhausen

          In Sachsenhausen stößt der Zaun bislang auf wenig Empörung. Jochem Heumann, Vorsitzender des CDU-Verbands Frankfurt-Sachsenhausen, hat keine Bedenken. „Ich werde nicht argwöhnisch“, sagt er. Immerhin sei auch der bestehende Sitz der Chinesen an der Mainzer Landstraße von einem Zaun umgeben. Dieser fällt allerdings deutlich dezenter aus als die Umgrenzung des neuen Domizils. Auch über den Baufortschritt hat der in seinem Stadtteil gewöhnlich bestens informierte Kommunalpolitiker keine nähere Kenntnis. „Man hört seit Jahren, dass sie einziehen.“

          In Liederbach im Main-Taunus-Kreis, wo das Generalkonsulat seine Wirtschafts- und Handelsabteilung in einer rund 100 Jahre alten Villa mit großem Park untergebracht hat, hatte es zuletzt zahlreiche Beschwerden von Nachbarn, Bürgern und Politikern über einen drei Meter hohen Zaun rund um das Areal und die – wie es hieß – übertriebene Abschottung der Vertretung gegeben. Auch dort hatten die Chinesen hohe Sicherheitsanforderungen als Grund geltend gemacht.

          Das chinesische Generalkonsulat, das derzeit noch in einem gemieteten Domizil an der Mainzer Landstraße untergebracht ist, wurde im Juni 2005 eröffnet. Es ist für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zuständig und mit rund 25 Mitarbeitern das größte Konsulat der Volksrepublik in Europa. Neben der Botschaft in Berlin unterhält China weitere Vertretungen nur noch in Hamburg und München. bad./rsch.

          Weitere Themen

          Grönland leuchtet in allen Farben

          Ausstellung in Frankfurt : Grönland leuchtet in allen Farben

          Das Archäologische Museum in Frankfurt zeigt eine Ausstellung über die Geschichte der Arktis-Insel. Seit 4500 Jahren wird diese von Menschen bewohnt und gibt Einblicke, wie es mit der Menschheit weitergehen könnte.

          Topmeldungen

          Das israelische Parlament

          Regierungsbildung in Israel : Parlament stimmt für seine Auflösung

          Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres sind die israelischen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Wahlkampf wird sich vermutlich vor allem um eines drehen: die Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Netanjahu.
           „Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun“: Michael Kretschmer über die AfD

          Tabubruch in Sachsen : CDU für Koalition mit Grünen und SPD

          Auf einem Sonderparteitag stimmt Sachsens CDU mit großer Mehrheit für ein Regierungsbündnis mit Grünen und SPD. Nicht immer erntet Michael Kretschmer dabei so viel Beifall wie für seine Attacke gegen die AfD.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.