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Klimastreik in Frankfurt : Fridays for Future kritisiert Finanzkonzerne

Wärmetauscher: Klimaschützer geben den Banken eine Mitschuld an der Krise. (Archivbild) Bild: Lando Hass

Fridays for Future klagt vor dem Aktionstag am Freitag in Frankfurt, die Finanzkonzerne würden die Klimakrise befeuern. Die Branche wehrt sich gegen den Vorwurf und verweist auf ihre Schritte zu mehr Nachhaltigkeit.

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          Beim bundesweiten Protesttag von Fridays for Future, zu dem an diesem Freitag mehrere Tausend Teilnehmer in Frankfurt erwartet werden, nehmen die Aktivisten die Banken in den Blick. Die Klimabewegung kritisiert die Finanzunternehmen, sich nicht ausreichend für Nachhaltigkeit zu engagieren und weiterhin Klimasünder zu finanzieren. Der Commerzbank werfen die Aktivisten zum Beispiel vor, seit dem Pariser Klimaabkommen fossile Energiekonzerne mit mehr als elf Milliarden Dollar unterstützt zu haben. Die Deutsche Bank habe zwischen 2016 und 2020 sogar 74 Milliarden Dollar klimaschädlich investiert, haben sie ausgerechnet.

          Daniel Schleidt
          Stellvertretender Koordinator der Wirtschaftsredaktion in der Rhein-Main-Zeitung.

          Banken nehmen als Kreditgeber für die Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle ein. Schließlich entscheiden finanzielle Mittel, die Geldhäuser bereitstellen, aber auch die Konditionen der Kredite über die Entwicklung von Unternehmen und darüber, wofür das Geld verwendet wird.

          Daher wächst der Druck auf Finanzkonzerne, die Kreditvergabe transparenter darzustellen und an nachhaltige Kriterien anzupassen – zumal immer mehr Kunden nach grünen Finanzanlagen fragen, weil sie Klimasünder nicht mit ihren Ersparnissen finanzieren wollen. Aus Sicht von Umweltschützern sind die Banken in dieser Hinsicht aber nicht streng genug, sie halten viele Aktivitäten für Alibi-Maßnahmen und kritisieren vor allem die deutschen Unternehmen, im weltweiten Vergleich hinter Wettbewerbern zurückzubleiben.

          Diskussion um nachhaltige Finanzprodukte

          Die Banken wehren sich gegen den Vorwurf, dass sie nicht klimafreundlich handeln. Sie sehen sich beim Thema Nachhaltigkeit eher als Teil der Lösung als des Problems, indem sie zunehmend grüne Geldanlagen bewerben und Bekenntnisse zu Nachhaltigkeitszielen abgeben.

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          Die Commerzbank etwa weist auf ihre 2016 erlassene Kohlerichtlinie hin, in der bestimmte Ausschlusskriterien für Investitionen formuliert sind, wonach die Bank keine Kohlekraftwerke und Kohleminen mehr finanziert. Diese Richtlinie wird der Bank zufolge derzeit überarbeitet. Nachhaltigkeit ist laut Aussage des zu Jahresbeginn ins Amt gekommenen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof ein Kernelement der Strategie bis zum Jahr 2024. Demnach soll das Volumen nachhaltiger Finanzprodukte sowohl bei Firmen- wie auch bei Privatkunden „zügig“ ausgebaut werden, wie es heißt. „Allein in den vergangenen sechs Monaten haben wir dieses Volumen von 100 Milliarden auf gut 140 Milliarden Euro erhöht“, teilte ein Sprecher der F.A.Z. mit. Bis spätestens 2025 sollen es 300 Milliarden sein.

          Den Umweltschützern jedoch ist das zu wenig. Die Organisation Urgewald etwa kritisiert die Kohlerichtlinie der Bank als viel zu schwach. So würden zwar keine Kohlekraftwerke mehr finanziert, wohl aber Unternehmen, die solche Werke bauten. Zudem hätten bis 2021 viele Richtlinien nicht für Bestandskunden gegolten, „sie konnten so dreckig bleiben, wie sie wollten“, heißt es dort. Die Commerzbank verweist auf „einen intensiven Dialog mit NGOs“, um die eigene Nachhaltigkeitsstrategie weiterzuentwickeln. Innerhalb der Bank wurden die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2007 um 70 Prozent reduziert, hier will das Haus bis spätestens 2040 netto bei null angekommen sein, was auch zum Beispiel die Emissionen von Lieferanten einschließt.

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