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Krankennhaus in Kalkutta : Ein Ort der Hoffnung

Mit eigener Hände Arbeit: Frauen lernen in Kalkutta nähen Bild: Wolfgang Eilmes

Die „Ärzte für die Dritte Welt“ behandeln in Kalkutta die Armen. Und manchen Frauen können sie helfen, eine eigene Existenz aufzubauen.

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          Auch dies ist wieder ein Raum, den man nicht fände ohne ortskundige Führer. Die Armenviertel in Kalkutta und seiner Nachbarstadt Howrah sind dichter besiedelt als irgendeine Stadt in Deutschland, hinter den Häusern an der Straße folgen keine Höfe, sondern weitere Häuser, schmal sind die Wege dazwischen, wer entlangläuft, braucht Geschick und Geistesgegenwart, um nicht in Dreck und offene Kanäle zu treten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Aber irgendwo im Gewirr dieser Gassen findet sich ein Projekt der Hoffnung, ein großer Raum, in dem Frauen still nähen, stricken oder sticken. Stolz zeigen sie dem Besucher, was sie schon hinbekommen haben, halten ein Buch hin, in das ihre schönsten Probearbeiten eingeklebt sind. Es sind Frauen, die an Tuberkulose gelitten haben, eine in Deutschland vergessene, in den Armenvierteln Indiens aber überaus verbreitete Krankheit, eine, die zu behandeln nicht etwa ein medizinisches, sondern ein organisatorisches Problem ist, wie der Arzt Tobias Vogt sagt, der sich die Arbeit der „Ärzte für die Dritte Welt“ aus Frankfurt in Kalkutta zur Lebensaufgabe gemacht hat.

          20 Euro im Monat

          Normalerweise wechseln die Ärzte in den Außenstationen des Vereins in Kenia, Manila oder eben Kalkutta alle sechs Wochen, länger lässt sich das ehrenamtliche Engagement mit einem Berufsleben nicht vereinbaren. Vogt, der vom Niederrhein stammt, lebt aber schon seit acht Jahren dort, unter einfachsten Umständen im Dachgeschoss eines Krankenhauses. Ihm ist es gelungen, um die über die Stadt verteilten Ambulanzen herum, in denen die Ärzte Kranke aus den Slums behandeln, ein Netz der Hilfe zu etablieren, zu dem auch dieses Angebot für geheilte Frauen zählt. Sie haben sechs Monate durchgehalten, riesige Mengen an Tabletten genommen, sind jetzt von der Tuberkulose geheilt.

          54 lernen nun im „Training-Center“, mit Nadel und Faden umzugehen. Danach erhalten sie eine Nähmaschine, zur Hälfte geschenkt, die andere Hälfte müssen sie abstottern. Sie können dann mit ihrer eigenen Arbeit zu Hause Geld verdienen, 1.000 Rupien im Monat vielleicht, das sind nicht einmal 20 Euro, aber einer Familie kann es helfen, zumal dann, wenn der Mann, vielleicht ein Tagelöhner, nicht regelmäßig Geld nach Hause bringt. Und in eine Fabrik lassen die Männer ihre Frauen nicht gehen, jedenfalls die Muslime unter ihnen nicht.

          Idylle im Slum

          „Die Frauen kämpfen für ihre Familien“, sagt eine kämpferische indische Sozialarbeiterin, „die Frauen, die hier ausgebildet werden, sind selbstbewusster.“ Sie kommen gerne, auch deshalb, weil es hier jeden Tag etwas zu essen gibt. Die Investitionen für das „Training-Center“ hat L’Oréal übernommen, den Kontakt stellte die Schauspielerin Maria Furtwängler her, die dem Kuratorium der „Ärzte für die Dritte Welt“ vorsitzt. Für den Verein ist es eine Ergänzung der Hilfeleistungen, ebenso wie die Kinderstation wenige Kilometer entfernt, für deren Erweiterung die F.A.Z. um Spenden bittet. Das „Training-Center“ ist in dem Slum eine Idylle, der Besuch schürt die Hoffnung, dass es in den Armenvierteln vielleicht nicht immer so schlimm sein wird wie jetzt. Es sind die Frauen, solche Frauen wie hier, auf denen diese Hoffnung ruht.

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