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Konzerte : Bretter, die das Geld bedeuten

  • -Aktualisiert am

Bonos Bühne ist schon da. Bild: Lucas Wahl

Konzerte sind für viele Rockmusiker längst die wichtigste Einnahmequelle. Sie sollen die rückläufigen CD-Verkäufe kompensieren. Doch an den Großereignissen wollen viele mitverdienen.

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          Frankfurt. Als U2 in den Jahren 2005 und 2006 mit ihrer Vertigo-Tour durch die Welt zogen, verkauften sie 4,6 Millionen Karten und setzten damit fast 400 Millionen Dollar um. Wenn die Band aus Irland morgen Abend die Frankfurter Commerzbank-Arena zum Beben bringt, dürfte das Ereignis die Konten von Bono und Co. wieder um einige hunderttausend Euro schwerer machen.

          Die besten Plätze kosten 199 Euro, für Stehplätze müssen die Fans 68 Euro berappen. So kommen bei Rockkonzerten gewaltige Summen zusammen. Geht man von einem Durchschnittskartenpreis von 80 Euro aus, spült eine ausverkaufte Frankfurter Arena mit 44.000 Sitz- und Stehplätzen an einem Abend rund 3,5 Millionen Euro in die Kassen. Davon wollen viele etwas abhaben.

          Das Album als Alibi

          Längst sind Konzerte für viele Rockmusiker die wichtigste Einnahmequelle geworden. Die Verkaufszahlen von CDs und anderen Tonträgern gehen aufgrund von Raubkopien und illegalen Downloads im Internet seit Jahren zurück, das Herunterladen gegen Bezahlung kann den Rückgang nach wie vor nicht kompensieren. 1,57 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2008 für Tonträger aus. Dem stehen rund 2,57 Milliarden Euro gegenüber, die für Livemusik-Veranstaltungen hingeblättert wurden. In den neunziger Jahren hatten sich die beiden Einnahmequellen noch nahezu die Waage gehalten.

          Der Wandel stellt die Verhältnisse in der Musikindustrie auf den Kopf. Gingen Künstler früher auf Tournee, um ihre neuen Alben zu vermarkten, so erscheinen neue Studioaufnahmen inzwischen gerade für altgediente Stars wie die Rolling Stones oder Tina Turner eher als Alibi dafür, mal wieder auf Tournee gehen zu können. Manche Künstler wie Prince oder Radiohead bieten ihre Neuwerke ganz umsonst an, und hoffen, damit die Gruppe potentieller Konzertgänger zu vergrößern.

          Ein großes Geschäft

          Die Bewegung im Markt ist groß. Jeder will an der Geldquelle Live-Erlebnis mitverdienen. Plattenlabels verpflichten ihre Künstler über Klauseln in den Plattenverträgen, ihnen einen Teil der Konzerterlöse abzutreten. In der vergangenen Woche erst hat Sony Music zusammen mit dem Konzertveranstalter Deutsche Entertainment AG ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, über das sie bei der Produktion von Platten und Konzerten kooperieren wollen.

          Bei großen Welttourneen werden die Aufgaben auf viele Schultern verteilt. Die aktuelle Tour von U2 wird weltweit vom Veranstaltungsriesen Live Nation organisiert. Er handelt das Honorar für die Band und die übrigen Künstler aus, kümmert sich um die Bühnenaufbauten, Technik, Ton und was noch so alles bei jedem Konzert in der Welt gleich sein sollte. Für den Deutschlandteil der Tour, also etwa das Anmieten von Stadien, Busunternehmen und Ähnlichem ist ein nationaler Veranstalter – für U2 die Frankfurter Marek Lieberberg Konzertagentur – zuständig. In der Regel übernimmt das Anmieten von Sicherheitspersonal und anderen ortsgebundenen Dienstleistungen noch ein zusätzlicher örtlicher Veranstalter.

          Stadionkonzerte sind aufwändiger und teurer

          Wer für einen Abend in der Frankfurter Festhalle auftreten will, vor unbestuhltem Innenraum und beiden Rängen, muss bis zu 46.000 Euro hinlegen. „Allerdings gibt es an die 100 unterschiedlichen Bestuhlungsvarianten zur Auswahl und entsprechend viele Preismodelle“, sagt Dieter Otto, Leiter der Festhalle bei der Messe Frankfurt.

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