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Kontrollen am Opernplatz : „Es macht keinen Spaß, hier zu sein“

Tote Hose auf dem Frankfurter Opernplatz in der vergangenen Nacht: Erhöhte Polizeipräsenz und taghelle Beleuchtung haben Feierwillige abgeschreckt. Bild: Marie Lisa Kehler/FAZ.NET

Erhöhte Polizeipräsenz und taghelle Beleuchtung haben am Samstagabend dafür gesorgt, dass viele Feierwillige von vorneherein einen großen Bogen um den Frankfurter Opernplatz gemacht haben. Einige Demonstranten suchen dort dennoch nach Aufmerksamkeit.

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          Zwei Wochen ist es her, dass es auf dem Frankfurter Opernplatz zu schweren Auseinandersetzungen gekommen ist, bei denen auch mehrere Polizisten verletzt wurden. Das Sicherheitskonzept, das die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei daraufhin erarbeitet hat, scheint Wirkung zu zeigen. Denn die seither geltenden Regeln haben sich mittlerweile unter den Besuchern herumgesprochen: Ab Mitternacht darf der Platz nicht mehr von neuen Besuchern betreten werden, um ein Uhr in der Frühe muss er komplett  geräumt sein.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Polizei ist an diesem Abend abermals mit einem Großaufgebot vor Ort. Feiern unter den Augen der Beamten – das scheint viele abzuschrecken. Nur wenige sind überhaupt gekommen. Diejenigen, die trotzdem aufschlagen, wissen mehrheitlich, was sie erwartet. Denn die Polizei hatte schon im Vorfeld angekündigt, vermehrt Personenkontrollen durchzuführen.

          In kleinen Gruppen patrouillieren deshalb Polizisten über den Platz, kontrollieren immer wieder Passanten. Bevor sie diese nach ihren Ausweisen fragen, klären sie über das auf, was hier vor zwei Wochen geschehen ist, erinnern an den Ausbruch der Gewalt, werben für Verständnis. „Wenn ich an so einem Tag hierher komme, dann weiß ich, dass so etwas auf mich zukommt“, sagt ein Zwanzigjähriger, nachdem er seinen Ausweis vorzeigen musste. Er sieht es gelassen. „Die machen nur ihre Arbeit.“

          Dialog statt Krawall

          Gemeinsam mit einem Freund ist er an diesem Abend aus Hanau  zum Opernplatz gefahren. Auch vor zwei Wochen hätten sie hier gemeinsam gefeiert, erzählt er. Zumindest so lange, bis sie ungewollt Zeugen der Ausschreitungen geworden seien. Sie haben Videos der Nacht auf ihren Handys gespeichert. Eine ähnliche Situation wollen sie kein zweites Mal erleben, sagen sie. Stattdessen seien sie nur hier, um nachzusehen, ob es stimme, was alle erzählten. Dass der Platz wie ausgestorben sei. Es stimmt. „Heute  ist hier gar nichts los. Es macht keinen Spaß, hier zu sein“, sagt der Hanauer.

          Gerade, als es ihm wirklich langweilig zu werden droht, betritt eine Gruppe Demonstranten den Opernplatz. Sie fordern lautstark die Aufmerksamkeit derer ein, die auf der Brunnenumrandung oder den Treppen zur Alten Oper sitzen. Eine Gruppe junger Frauen lässt sich von den Demonstranten nicht stören. Sie machen gerade Fotos, lachen, posen, trinken. Eine politische Rede? Dafür haben sie heute Abend kein Ohr. Sie feiern Junggesellinnenabschied.

          Die Demonstranten tragen Schilder bei sich. „Black Power Frankfurt“ ist auf einem zu lesen. Eine Rednerin wirft den Polizisten lautstark vor, Racial Profiling zu betreiben, da an diesem Abend hauptsächlich junge Männer mit „migrantischem“ Aussehen kontrolliert worden seien. Zwei Beamte suchen daraufhin  gezielt den Dialog mit den Demonstranten, reden lange mit ihnen.

          Auch dann noch, als rund um den Brunnen einzelnen Feiergrüppchen schon längst wieder begonnen haben, ihre Musik lauter aufzudrehen. Die wenigen, die gegen 23 Uhr noch auf dem Platz sind, wollen nicht noch mehr Zeit an diesem Abend verlieren. Sie wollen endlich Spaß haben. Schließlich wissen sie: Um Mitternacht gehen die Lichter an. Dann gilt die Party, die an diesem Samstagabend keine war, offiziell als beendet.

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