https://www.faz.net/-gzg-vw21

Konsularstandort Frankfurt : Jetzt sind auch die Russen da

Neu: Das russische Generalkonsulat an der Eschenheimer Anlage in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Es hat ein bisschen länger gedauert als geplant. Aber kurz vor Weihnachten konnten Russlands Generalkonsul Wladimir Lipaew und seine Mitarbeiter dann doch die Arbeit in der Frankfurter Innenstadt aufnehmen.

          Es hat ein bisschen länger gedauert als geplant. Aber kurz vor Weihnachten konnten Wladimir Lipaew und seine Mitarbeiter dann doch die Arbeit aufnehmen. Eigentlich hatte das Generalkonsulat der Russischen Föderation schon vor dem Besuch von Präsident Wladimir Putin in Wiesbaden Mitte Oktober dienstbereit sein sollen. Die umfangreichen Umbauarbeiten an dem Gebäudekomplex in der Frankfurter Innenstadt und andere „technische Schwierigkeiten“ – wie es in der Diplomatensprache heißt – sorgten jedoch immer wieder für Verzögerungen. Generalkonsul Lipaew traf schließlich im Herbst in Frankfurt ein, die letzten Mitarbeiter kommen vermutlich erst nach dem Jahreswechsel an den Main.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die russische Vertretung ist in diesem Jahr der wichtigste diplomatische Neuzugang in Frankfurt gewesen – der einzige war sie nicht. Vor allem aus Südostasien hat der konsularische Standort mit seinen nunmehr 94 Vertretungen in den vergangenen Monaten Verstärkung bekommen. Gleich drei Länder – Malaysia, Vietnam und Sri Lanka – haben Diplomaten in die Finanzmetropole entsandt und Konsulate eröffnet. Und die kuweitische Regierung hat nicht einmal warten mögen, bis geeignete Räume erworben oder gemietet waren: Generalkonsul Yousef Ahmed Abdul-Samad und sein Stellvertreter samt Personal residieren nun schon seit einigen Monaten im Steigenberger-Hotel Frankfurter Hof.

          Polen mit Honoralkonsul in Frankfurt präsent

          Auch der deutsche Nachbar Polen ist seit Anfang September in Frankfurt präsent: Der Rechtsanwalt und Notar Klaus Sturmfels, seit Jahren für die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen engagiert, wurde von der Regierung in Warschau zu ihrem Honorarkonsul in Hessen ernannt. Um die konsularischen Angelegenheiten (Passwesen, Dokumenten- und Meldeangelegenheiten) der rund 30.000 allein im Rhein-Main-Gebiet lebenden Polen kümmert sich zwar weiterhin das Generalkonsulat in Köln, Sturmfels soll aber in Notfällen aushelfen. Seine wichtigste Aufgabe wird allerdings die Anbahnung und Vertiefung von Wirtschaftskontakten und anderen Beziehungen sein.

          Das gilt auch für die übrigen 51 Honorar-Diplomaten, die in Frankfurt ein Land vertreten. Im Gegensatz zu den 42 Berufskonsuln, die in der Mainmetropole ihre Büros haben, sind sie keine Staatsbürger des von ihnen repräsentierten Landes und gehen ihrer Tätigkeit ehrenamtlich nach – eine günstige und oft dennoch sehr effektive Art der Diplomatie. Für das nächste Jahr gibt es nach Angaben der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden schon Anfragen zur Erteilung der sogenannten Exequatur, sprich Bestallung, für weitere Honorarkonsule.

          Bei der Landesregierung und im Frankfurter Römer sieht man das als Beleg für die Attraktivität Hessens im Allgemeinen und des Konsularstandortes Frankfurts im Besonderen. Dass es einen solchen überhaupt gibt und die Diplomaten ihren Aufgaben nicht von Wiesbaden aus nachgehen, ist ein hessisches Novum. Anders als in anderen Bundesländern ist das Konsularische Korps hier nicht in der Landeshauptstadt ansässig, sondern in der größten Stadt des Landes, die als Finanz- und Dienstleistungszentrum internationalen Rang genießt.

          Generalkonsulat Amerikas mit 900 Beschäftigten

          Diese Position Frankfurts als europäische Wirtschaftsmetropole und Verkehrsknotenpunkt beschert der Stadt eine stetig wachsende Anziehungskraft für die Diplomaten aller Herren Länder. „Alle Wege führen nach Frankfurt“, sagte denn auch der neue russische Generalkonsul Lipaew bei der Eröffnung seiner Vertretung. Und weil er und seine Regierung in dieser Hinsicht „noch viel Potential“ sehen, ist die Zahl von 20 Mitarbeitern des Generalkonsulats wohl nur eine vorläufige. Platz genug für deutlich mehr Beschäftigte bietet die Liegenschaft zwischen Eschenheimer Anlage und Oeder Weg jedenfalls: in drei Gebäuden insgesamt rund 3000 Quadratmeter Bürofläche. Mit knapp 20 Mitarbeitern hatten auch die Chinesen begonnen, als sie ihre Repräsentanz an der Mainzer Landstraße im Sommer 2005 eröffneten – heute sind es fast doppelt so viele.

          Im Vergleich zur wichtigsten und mit Abstand größten diplomatischen Vertretung in Frankfurt ist aber selbst dieses erstaunliche Wachstum kaum der Rede wert: Das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten hat derzeit mehr als 900 Beschäftigte, und es dürften in den nächsten Jahren eher noch mehr werden. Generalkonsulin Jo Ellen Powell führt nicht nur die größte diplomatische Vertretung überhaupt in Deutschland. Das Konsulat, das Ende 2005 vom Frankfurter Westend und sechs weiteren Standorten im Stadtgebiet in das ehemalige General Hospital im Stadtteil Eckenheim verlegt wurde, ist auch eine der größten diplomatischen Einrichtungen Amerikas weltweit. Während die Botschaft in Berlin die Vereinigten Staaten politisch vertritt, sind in Frankfurt in erster Linie Managementqualitäten gefragt: Das Generalkonsulat mit seinen 30.000 Quadratmetern Bürofläche ist die zentrale Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung von fast der Hälfte aller knapp 270 amerikanischen Auslandsvertretungen. So führen auch für amerikanische Diplomaten – fast – alle Wege nach Frankfurt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berlin im Juli 2017: Überschwemmung auf der Märkischen Allee nach einem Unwetter

          Schwierige Stadtplanung : Schwamm drunter!

          Starkregen und Hochwasser bringen Städte immer wieder an ihre Grenzen. Sie müssen sich anpassen – denn der Klimawandel dürfte das Problem noch verschärfen.

          Streit um Regenwald : Bolsonaro wettert mit manipuliertem Video gegen Norwegen

          Brasiliens Präsident Bolsonaro ist wütend auf Norwegen, weil das Land seine Zahlungen für einen Regenwald-Fonds einstellt. Jetzt verbreitet er ein Video von blutigen Walfang-Szenen – die allerdings gar nicht aus Norwegen stammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.