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Konditormeisterin im Gespräch : „Niemand denkt derzeit an Ostern“

Die Confiserie Graff bietet in Zeiten von Corona Klopapier-Törtchen an. Bild: Frank Röth

Auch Backwaren-Händler trifft die Coronakrise schwer. Eine Frankfurter Konditorei hat ihren eigenen Weg gefunden, mit der neuen Belastung umzugehen – und dabei den Humor nicht verloren.

          2 Min.

          Frau Graff, bei Ihnen gibt es jetzt Toilettenpapierrollen – als Törtchen, warum?

          Eva-Maria Magel
          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Alle machen doch Witze über Hamsterkäufe und Toilettenpapier. Wir kommen morgens in die Backstube, und jeder fragt: „Hast du noch Klopapier?“ Und wir Händler untereinander in der Kleinmarkthalle machen immer Witze, dass bald mit Klopapier gezahlt wird. Rollen- oder blattweise. So kam die Idee auf. Wir haben auch Törtchen in Einhorn- oder Baumstammform, also warum nicht?

          Und wonach schmeckt Ihr Rollentörtchen?

          Es ist auf Basis eines Frankfurter Kranzes: Biskuit, Vanillebuttercreme, Kirschen. Sehr köstlich!

          Offenbar ist Ihnen der Humor noch nicht vergangen – wie arbeiten Sie in der Corona-Krise?

          Es ist eine Katastrophe. Die Filiale im Main-Taunus-Zentrum haben wir schließen müssen, die Mitarbeiter sind an die anderen Standorte umgesetzt. Zu wissen, wer wo arbeitet, und den Überblick zu behalten ist schon eine Herausforderung.

          Wie tragen das Ihre Mitarbeiter?

          Sie sind großartig! Sie arbeiten unter schwierigen Umständen. Als wir noch nicht wussten, ob es eine Ausgangssperre gibt, habe ich jedem Formulare ausgedruckt, damit sie zur Arbeit kommen. Wir fangen ja sehr früh an: Die Bäcker um halb drei, die Konditoren um fünf Uhr, die Verkäuferinnen um sieben Uhr. Alle stärken uns den Rücken. Aber wir beschäftigen uns mit Dingen, von denen ich nie geglaubt hätte, dass ich daran denken müsste. Und hoffentlich muss ich das nie wieder.

          Regina Graff ist Konditormeisterin und Geschäftsführerin der Confiserie, Patisserie und Chocolaterie Graff.
          Regina Graff ist Konditormeisterin und Geschäftsführerin der Confiserie, Patisserie und Chocolaterie Graff. : Bild: Wonge Bergmann

          Zum Beispiel?

          Wir arbeiten weiter, solange es geht. Aber was, wenn einer positiv getestet wird und wir alle in Quarantäne müssen? Dazu kommen die erschwerten Bedingungen im Verkauf. Wir halten natürlich alle Richtlinien ein.

          Wie sieht das bei Ihnen aus?

          In der Kleinmarkthalle und am Höchster Markt wird der Einlass kontrolliert. In Höchst etwa dürfen nur 20 Leute gleichzeitig einkaufen, bei uns im Rödelheimer Laden kommt auf jede Verkäuferin ein Kunde, das heißt: zwei gleichzeitig. Wem das zu lange dauert, der kommt leider oft nicht wieder.

          Haben Sie die Angebote der Politik für Hilfe in Anspruch genommen?

          Ja, auch wir haben Kurzarbeit angemeldet. In normalen Zeiten beschäftigen wir 38 Mitarbeiter. Der Umsatz geht zurück, und wir haben seit Januar Osterschokolade produziert. Der Laden ist voll damit – aber niemand denkt derzeit an Ostern.

          Wie reagieren Ihre Kunden auf die neue Situation?

          Die Kunden sind sehr nett, sie freuen sich, dass wir die Stellung halten, und die Resonanz auf unsere Toilettenpapier-Törtchen ist unglaublich. Jeder kommt rein und grinst, und die Verkäuferin lacht auch und fragt vielleicht sogar noch „zwei- oder dreilagig?“ Mehr konnten wir doch gar nicht erreichen, als dass jeder mal lacht.

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