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Frankfurter Eisbahn-Zwist : Eiskalte Entscheidungen am Main

Eislaufen in der Stadt – wo aber in Frankfurt? An der Hauptwache oder am Mainkai? Bild: Stefanie Silber

An der Hauptwache oder doch lieber am Main? Die Frankfurter Rathauskoalition streitet über den Standort für eine Eisbahn. Besser wäre es, den Standort pragmatisch danach zu bestimmen, was die Innenstadt belebt.

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          Muss die Frage, wo genau in der Frankfurter Innenstadt zum Vergnügen der schlittschuhlaufenden Bevölkerungsteile eine Eisbahn hingestellt werden könnte, zu einem Streit in der Koalition im Römer führen? Aber nicht doch. Wenn es für dieses Jahr nicht sowieso schon zu spät ist, eine Eisfläche mit dem nötigen Drumherum herzurichten, dann sollte dies doch ein einfaches Geschäft der laufenden Verwaltung sein, in diesem Fall der Tourismus und Congress GmbH, die auch den Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen dieser Art organisiert. Nichts, was Magistratsmitglieder und Fraktionsvorsitzende mehr als nur aus den Augenwinkeln zur Kenntnis nehmen sollten.

          Aber in Frankfurt können sich die Parteien inzwischen sogar über etwas so Banales ereifern wie den Standort eines Rundkurses auf Glatteis. Warum? Weil es gar nicht in erster Linie darum geht, der Bevölkerung etwas Kurzweil zu bescheren, sondern um Pädagogik: Wie lässt sich die missratene Sperrung des nördlichen Mainufers für den Autoverkehr irgendwie beliebter machen?

          Was der Innenstadt hilft

          Besser wäre es doch, den Standort ganz pragmatisch danach zu bestimmen, was der Belebung der Innenstadt dient und dem Einzelhandel hilft. Nach zehn Jahren Aufschwung hat sich die Sichtweise eingebürgert, das Wirtschaftsleben sei ein Selbstläufer, doch so ist es nicht. Der Einzelhandel ächzt durchaus darunter, dass mehr und mehr Ware im Internet bestellt wird.

          Attraktive Zentren aber können sehr wohl Kunden anlocken. Wenn die schwarz-grüne Koalition den Handel schon bei den verkaufsoffenen Sonntagen hängen lässt, darf die Koalition in Frankfurt dieser Branche zumindest eine kleine Unterstützung gönnen, indem sie eine solche Eisfläche nicht an einen Ort fern der Einkaufsstraßen verlegt, sondern mitten hinein. Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer, hatte die Hauptwache vorgeschlagen. Genauso schlüssig erscheint der Roßmarkt einige Meter weiter. Welcher der beiden Plätze besser geeignet ist, sollen Profis eiskalt entscheiden. Am Mainufer aber hilft eine solche Eisbahn niemandem.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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