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Kommentar : Teure Hochzeit

  • -Aktualisiert am

Muss ordentlich in Höchst investieren: Frankfurts Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) Bild: Helmut Fricke

Der Zusammenschluss der Kliniken wird teuer für die Stadt Frankfurt und den Main-Taunus-Kreis. Bleibt zu hoffen, dass das Geld ausreicht, damit die Diskussion über kommunale Kliniken nicht neu hochkocht.

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          Damit haben viele nicht mehr gerechnet: dass es die Stadt Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis schaffen, ihre Kliniken zusammenzufassen. Zu unüberwindlich schienen die Hindernisse von Defizit, Neubau und Gestellungsverträgen auf Frankfurter Seite sowie Schulden und Süwag-Aktien im Main-Taunus-Kreis. Die erste Hürde ist dennoch genommen und ein Vertragswerk ausgehandelt, das nun von den politischen Gremien und Finanzbehörden gebilligt werden muss.

          Selbst die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) war sich nicht immer sicher, dass die Verhandlungen zum Erfolg führen würden, wie sie offen zugibt. Dennoch ist sie geradezu eisern bei der Sache geblieben. Was zeigt, dass sie darin die einzige Möglichkeit sieht, das Klinikum Höchst zu sanieren.

          Um das Ziel zu erreichen, muss Frankfurt Zugeständnisse machen – und noch eine Menge Geld drauflegen. Denn Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) war ein zäher Verhandlungspartner, der signalisierte, seine Kreiskliniken auch allein sanieren zu können.

          Hoffentlich ist in fünf Jahren Schluss mit Zuschüssen

          Der Kompromiss sieht so aus, dass am Klinikum Höchst 110 Stellen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nach Heiligs Angaben nicht geben; Geld für Abfindungen ist jedoch vorgesehen. Frankfurt hat sich dafür mit der Besitzstandswahrung für seine Mitarbeiter durchgesetzt. Künftige Kräfte werden allerdings von der Dachgesellschaft vermutlich schlechter bezahlt. Denn im Main-Taunus-Kreis gilt – auch weiter – ein niedrigerer Tarif.

          Beide Partner müssen zudem eine hohe Mitgift für Investitionen und Schuldenabbau einplanen. Im Main-Taunus-Kreis sind es gut 100 Millionen Euro, in Frankfurt mindestens 330 Millionen. Das sind jedoch Ausgaben, die auch ohne Zusammenschluss angefallen wären. Die Kommunen können und wollen sich das leisten – im Gegensatz zu Offenbach. Bleibt zu hoffen, dass danach wirklich Schluss ist mit Zuschüssen. Denn sonst kommt in fünf Jahren wieder die Frage auf, ob kommunale Kliniken notwendig sind oder die Häuser privatisiert werden sollten.

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

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