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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurter Bahnhofsviertel : Fehlender Weitblick

Verdeckt: Der Drogenkonsum im Bahnhofsviertel verschiebt sich immer mehr in den öffentlichen Raum. Bild: dpa

Die Missstände im Frankfurter Bahnhofsviertel spitzen sich zu. Daran trägt nicht nur die Corona-Krise Schuld. Der Stadt fehlt ein angemessener Weg, die Drogenszene weitgehend unter Kontrolle zu bringen.

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          Corona habe alles verschärft. Dieser Satz ist seit Wochen zu hören, wenn es um die Zustände im Bahnhofsviertel geht. Politiker sprechen darüber ebenso wie Sozialarbeiter und die Polizei. Aber auch „vor Corona“ gab es Phasen, in denen der offene Drogenkonsum, exzessiver Rauschgifthandel und andere Begleiterscheinungen wie der viele Müll fast täglich für Unmut sorgten. Es wird deshalb nicht alles an der fehlenden sozialen Kontrolle während der Corona-Zeit gelegen haben, was nun im Bahnhofsviertel an Missständen zutage tritt. Allenfalls hat der Lockdown die Situation zugespitzt.

          Es ist bezeichnend, dass es immer wieder des Drucks von außen bedarf, damit die Politik wieder tätig wird. Erst müssen sich Anwohner beklagen, Gewerbetreibende Petitionen einreichen, Hoteliers Beschwerdebriefe verfassen. Vor knapp vier Jahren war es schon einmal so. Und jedes Mal werden die Probleme kaum angegangen, sondern ausgesessen. Man könnte auch sagen, sie werden verwaltet.

          „Frankfurter Weg“ als Vorbild

          Dabei reicht ein Blick in andere Städte, die es nicht zuletzt durch intensive Sozialhilfe geschafft haben, ihre Drogenszene weitgehend unter Kontrolle zu bekommen. Ein Beispiel dafür ist Zürich. Was spricht eigentlich dagegen, sich Konzepte anderer Städte näher anzusehen und sich ihrer zu bedienen? Lange galt der „Frankfurter Weg“, staatlich geduldeter Drogenkonsum in geschützten Räumen, als vorbildlich. Vielleicht muss man aber anerkennen, dass er inzwischen überholt ist. Dass es andere Lösungen gibt, die besser passen in eine Zeit, in der der Drogenkonsum ebenso wie dessen Kehrseite, der Drogenhandel, nicht mehr statisch ist, sondern wie jede gesellschaftliche sehr dynamisch.

          Damit umzugehen, dafür bedarf es neuer Denkmuster und der Bereitschaft, sich für neue Konzepte zu öffnen. Sonst darf man sich nicht wundern, wenn Frankfurt mit seinen 5000 Drogenkonsumenten auf Dauer die Stadt sein wird, in der alle paar Jahre die Probleme überhandnehmen. Immer nur kurzfristig die Symptome zu bekämpfen wird nicht genügen. Eine Politik mit Weitblick wäre das, was die Stadt braucht. Und Akteure, die dazu bereit und fähig sind.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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