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Frankfurter Buchmesse 2020 : Nüchtern im Netz

Viele müssen leer bleiben: Die Frankfurter Buchmesse 2020 hat nur wenige physische Veranstaltungen im Programm. Bild: Frank Röth

Die Entscheidung, die Frankfurter Buchmesse digital aufzuziehen, war ein konsequenter Schritt. Doch lebt die Veranstaltung von Atmosphäre, Flair und Emotionen. Wer meinte, da lasse sich einiges davon mit ins Internet nehmen, wurde enttäuscht.

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          Den Versuch war es wert. Sich von der Pandemie nicht unterkriegen zu lassen, Flagge zu zeigen, eine Kontinuität herzustellen: ein richtiger Gedanke. Auf die digitalen Medien auszuweichen war vielleicht gewagt, aber ein konsequenter Schritt. Und ein bisschen physische Präsenz gab es auch. Wer wollte, konnte eine ganze Reihe von Leseveranstaltungen besuchen. Ein paar wenige Interessierte an Ort und Stelle, wo man allerdings gelegentlich den Eindruck hatte, ein kleinstädtischer Literaturkreis habe sich versammelt, oder aber im Netz.

          Gewiss wurden auch zahlreiche Geschäfte getätigt. Lizenzhändler sind es ohnehin schon gewohnt, digitale Kanäle zu nutzen, um Rechte an Büchern zu erwerben oder zu verkaufen. Bei diesen Deals, die, was oft vergessen wird, einen wesentlichen Teil des Frankfurter Buchmessegeschehens ausmachen, kommt ohnehin in der Regel keine Stimmung auf. Dafür gab es in früheren Jahren nach getaner Arbeit die Empfänge, Partys und spontanen Treffen.

          Atmosphäre, Flair, Emotionen

          Überhaupt hat einem diese digitale Buchmesse ins Bewusstsein gerufen, wie sehr es gerade bei der besonderen Ware, um die es sich hier handelt, auf Atmosphäre, Flair, Emotionen ankommt. Wer meinte, da lasse sich einiges davon mit ins Internet nehmen, wurde enttäuscht. Das Portal der Buchmesse zog einen nicht wie ein Videospiel in seinen Bann, und die labyrinthischen Pfade, die von dort zu den Verlagen, zu Konferenzen und Events aller Art führten, waren schwierig zu finden. Angekommen bei den Veranstaltern, wunderte man sich oft über die nüchterne Gestaltung und die wenig überzeugenden Präsentationen. Wenige, die hier agierten, sind vom Fach, weder Schriftstellerinnen noch ihre Lektoren sind geborene Vorleser, Moderatoren, Plauderer. Am Webdesign wurde allenthalben ebenso gespart wie an filmischem Knowhow.

          Aber die Zeit war auch zu kurz, um eine digitale Buchmesse, die etwas mit den Standards der zeitgenössischen Gaming-Industrie zu tun gehabt hätte, auf die Beine zu stellen. Nach der Ankündigung im Mai, den weltgrößten Markt für Inhalte mit Abstand und in geringerem Umfang in den Hallen stattfinden zu lassen, folgte im September die Totalabsage des Ereignisses, wie wir es kennen. Die Digitalversion hatte in Teilen etwas Gespenstisches. Immerhin hat sie die Erkenntnis beflügelt, dass der Geist, das flüchtige Wesen, ohne reale Dinge und wirkliche Menschen sich nur mühsam entfaltet.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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