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Nach Infektionen in Frankfurt : Gottesdienste sind kein Corona-Pfuhl

Mehr als 100 Infizierte: Ein Gottesdienst der Baptisten-Gemeinde in Frankfurt wirkte als Corona-Herd. Bild: dpa

Der Vorfall in einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt lässt nun die Debatte um die Infektionsgefahr in Kirchen neu aufkommen. Dabei ist ein Gottesdienstbesuch nicht gefährlicher als ein Einkauf – solange man sich an wichtige Regeln hält.

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          Das Geschehen in einer freien Baptisten-Gemeinde in Frankfurt hat viele Gläubige aufgeschreckt. 112 Corona-Infizierte gibt es dort nach einem Gottesdienst am 10. Mai. Weil die Mitglieder aus der ganzen Region stammen, fahnden die Behörden nun aufwendig nach allen Kontaktpersonen. Und die Zahl der Covid-19-Kranken wird vermutlich weiter steigen.

          Fast vier Wochen, nachdem in Hessen wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden dürfen, fragen sich nun vor allem Ältere: Ist ein Besuch in einem Gotteshaus sicher genug? Die Antwort lautet: Ja – wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Denn Gottesdienste sind kein ungeregelter Pandemie-Pfuhl und deshalb nicht gefährlicher als ein Einkauf im Supermarkt.

          Um die Infektionsgefahr gering zu halten, gibt es zum einen die Verordnung des Landes Hessen. Sie regelt für Gottesdienste nicht viel, schreibt aber einen für den Infektionsschutz entscheidenden Mindestabstand von 1,50 Meter vor. Davon dürften sämtliche Bewohner des Rhein-Main-Gebiets ohnehin schon gehört haben.

          Eigene Hygienekonzepten erarbeitet

          Über die Verordnung hinaus haben die großen Kirchen und Religionsgemeinschaften eigene Hygienekonzepten erarbeitet, die mit der Landespolitik und dem Robert-Koch-Institut abgestimmt sind. Empfohlen werden darin zum Beispiel getrennte Laufwege, das Markieren von Abstandsflächen und Plätzen, die Desinfektion der Hände und der Verzicht auf gemeinsamen, lauten Gesang. Viele Gemeinden führen ferner Listen der Teilnehmer, die sich mancherorts zum Gottesdienst auch anmelden müssen. Das erleichtert es, die Kontakte im Infektionsfall zu verfolgen. All das geschieht in den meisten Gemeinden sehr verantwortungsvoll. Zumindest ist nicht bekannt, dass Kirchen, Moscheen und Synagogen seit Anfang Mai zu Infektionsherden mutiert wären.

          Nach allem, was sich sagen lässt, hat sich die Baptisten-Gemeinde eben nicht an alle Vorgaben gehalten. Die Behörden haben zum Beispiel 180 Teilnehmer an besagtem Gottesdienst ermittelt. Das Bethaus in Frankfurt-Rödelheim ist nicht klein. Aber dass dort mit 180 Personen überall der 1,50-Meter-Abstand eingehalten worden sein soll, erscheint fragwürdig. Gemeinsam gesungen haben die Baptisten außerdem.

          Aus dem Vorfall ist zu lernen. Deutlich zeigt sich, dass weiterhin vor allem dort große Ansteckungsgefahr besteht, wo viele Menschen zusammenkommen, die dann auch noch unachtsam sind. Sinnvoll wäre es zudem, Teilnehmerlisten für Gottesdienste verbindlich zu machen. Und eine Maske auf dem Weg zum Sitzplatz sollte ebenfalls machbar sein.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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