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Kommentar : Hass und Hetze

Hass und Hetze: In vielen Städten in Deutschland sind antisemitische Parolen zu hören auf Nahost-Demonstrationen. Bild: dpa

Die Hassparolen auf Anti-Israel-Demonstrationen in ganz Deutschland sind schlimmste Hetze. Gut, dass Frankfurter Politiker für die Freundschaft mit Israel werben.

          Eine solche hasserfüllte Wortwahl, wie sie am vergangenen Wochenende auf Demonstrationen gegen Israel in mehreren deutschen Städten zu hören war, erschüttert einen. „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“: das ist schlimmste Hetze und kommt dem Aufruf zur Gewalt gleich.

          Sorge muss einem machen, dass nicht nur die üblichen Verwirrten und Verirrten von Salafisten über Neonazis bis zu Radikallinken für die Hamas Partei ergriffen haben, sondern bei den Demonstrationen viele „normale“ jugendliche Muslime mitliefen. Dass sie die israelische Politik kritisieren und auf die vielen Opfer der israelischen Bombardierungen in Gaza hinweisen, steht ihnen frei und hat seine Berechtigung. Erschreckend wird es aber, wenn Hassparolen skandiert werden und diese auch noch mit Antisemitismus getränkt sind. Denn dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis auch die hiesige jüdische Bevölkerung attackiert wird.

          Sympathie für Israel hat abgenommen

          Gut, dass beherzte Politiker wie der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) oder der Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) dagegenhalten. Sie haben sich namens des Frankfurter Magistrats mit dem seit Tagen unter Raketenbeschuss liegenden Israel und der Partnerstadt Tel Aviv solidarisiert. Die Kundgebung zur Unterstützung Israels auf dem Frankfurter Opernplatz ist die richtige Antwort auf die Tatsachenverdrehung der Hamas-Freunde, für die Raketenangriffe aus Gaza auf israelische Siedlungen ein gerechtfertigter Befreiungsakt sind die militärische Antwort der israelischen Armee dagegen Völkermord ist. Diese Leute verwechseln Angreifer und Verteidiger.

          Über die Solidaritätsaktion am Donnerstag darf man aber nicht vergessen, dass die Sympathie für Israel in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Vor zehn Jahren hat die EU-Kommission die Bürger des Kontinents befragen lassen, wer für sie die größte Gefahr für den Weltfrieden darstelle. Auf Platz eins landete Israel vor den Vereinigten Staaten, Nordkorea und Iran. Daran wird sich nicht viel geändert haben.

          Untergründiger Antisemitismus

          Man muss dieses verstörende Ergebnis nicht unbedingt als Ausdruck einer latenten Judenfeindlichkeit interpretieren. Es kann sein, dass die Befragten mit Israel den Nahen Osten meinten. Und von dort geht tatsächlich eine Gefahr für den Frieden aus. Es könnte aber durchaus auch untergründiger Antisemitismus im Spiel sein.

          Womöglich sind also unsere Politiker, die jeden Angriff und jede Verunglimpfung von Juden hierzulande scharf verurteilen und immer neu für die Freundschaft mit Israel werben, sensibler und verantwortungsbewusster, als es der Durchschnitts-Deutsche ist.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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