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Kommentar : Silberstreif über „Bankfurt“

Die Sparda-Bank plant fünf neue Filialen in Hessen Bild: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

Nachdem man lange den Eindruck hatte, Sparkassen- und Bankchefs machten sich vor allem Gedanken, wie sie Filialen schließen könnten, hört man jetzt wieder von Expansionsplänen. Für den Finanzplatz Frankfurt sind diese Versuche ein Silberstreif.

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          Die ersten Mutigen wagen sich wieder hervor. Nachdem man lange den Eindruck hatte, die Sparkassen- und Bankchefs machten sich vor allem Gedanken, wie sie Filialen schließen und Stellen abbauen könnten, ohne daß es allzuviel Aufsehen in der Öffentlichkeit gibt, hört man jetzt wieder von vorsichtigen Expansionsplänen. Die Hypo-Vereinsbank will sechs neue Filialen in der Region errichten, darunter sogar eine auf der Zeil und eine an der Hauptwache in Frankfurt. Das Bankhaus Metzler hat für sehr vermögende Kunden eine Niederlassung bei Köln errichtet. Und jetzt kündigt die Sparda-Bank, die eher im Breitengeschäft tätig ist, fünf neue Filialen für Hessen an. Das ist eine Wende, wenn auch noch eine vorsichtige.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Annahme aus den Jahren der Internet-Euphorie, das Online-Banking werde schon bald das traditionelle Filialgeschäft der Banken ganz überflüssig machen, hat sich offenkundig nicht bewahrheitet. Es hat sich herausgestellt, daß es bestimmte Bankgeschäfte gibt, die man gut im Internet erledigen kann, wie Überweisungen tätigen oder Tagesgeld anlegen. Bei der Finanzierung für das neue Haus scheinen dagegen viele ein persönliches Beratungsgespräch zu bevorzugen. Es hat sich auch gezeigt, daß verschiedene Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich bereit sind, das Internet als Medium zu nutzen. In der Euphorie war die Geschwindigkeit dieses Prozesses offenbar überschätzt worden.

          Niedrigere Kosten, verkaufstüchtigere Banker

          Man könnte meinen, es handele sich um eine gleichsam zyklische Entwicklung. So wie man oft den Eindruck hat, große Unternehmen verfolgten immer abwechselnd die Strategie, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren oder zu diversifizieren, so könnte man auch das Filialenschließen und das Filialeneröffnen für sich ablösende Strategiemoden halten.

          Allein: Die Filialnetze haben sich verändert. Wo jetzt neue Geschäftsstellen entstehen, versucht man, sie mit niedrigen Kosten zu betreiben. Automaten haben Standardfunktionen wie Einzahlen, Auszahlen, Überweisen übernommen. Man braucht weniger Mitarbeiter, die aber sehr verkaufstüchtig sein sollen.

          Eine wichtige Funktion scheinen Filialen zu haben, wenn es darum geht, neue Kunden zu gewinnen. Wenn die Hypo-Vereinsbank mit kleinen Filialen an herausgehobene Standorte wie die Zeil gehen will, dürfte der Marketingeffekt im Vordergrund stehen. Im Internet findet ein neuer Kunde eben nicht so leicht zu einer Bank, wie wenn er an der Filiale oft vorbeikommt. Dieses Vorbeikommen spielt auch bei den Plänen der Sparda-Bank eine Rolle. Sie spricht von "Strömungskunden", die auf dem Weg zur Arbeit ihre Bankgeschäfte erledigen wollen. Das alles ist, wie auch das Angebot mancher Banken, Kunden zu Hause aufzusuchen, noch ein Probieren. Für den Finanzplatz Frankfurt sind diese Versuche allemal ein Silberstreif.

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